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"Tatort" aus Berlin: Der Krimi zur Berlinale: Karow und Rubin zwischen Wahn und Wirklichkeit

Eigentlich sollte es beim "Tatort" nicht mehr so viele Experimente geben. Die Berliner Ermittler wagen es nun doch. Ihr neuer Fall "Meta" führt in die Filmbranche - und Kommissar Karow an den Rand des Wahnsinns.

Tatort "Meta"

Ihre Ermittlungen führen Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) im "Tatort: Meta" auch zur Berlinale

  • 4 von 5 Punkten
  • Ein filmisches Experiment, auf das es sich einzulassen lohnt, und zwei Berliner Kommissare in Bestform.

Worum geht's?

Auf dem Schreibtisch von Robert Karow (Mark Waschke) landet ein unauffälliges braunes Päckchen. Als der Kommissar es öffnet, muss er schlucken: In der Sendung befindet sich ein menschlicher Finger, eingelegt in eine Tüte mit Formaldehyd. Das Paket wurde von einem Lagerhaus versandt. Dort machen Karow und seine Kollegin Nina Rubin (Meret Becker) eine weitere gruselige Entdeckung. In einer Kiste liegt die Leiche eines 14-jährigen Mädchens, ebenfalls konserviert in Formaldehyd. Die Kommissare finden schnell heraus, dass der Lagerraum von einer Filmproduktionsfirma namens Meta angemietet wurde. Die hat den gleichnamigen Kinofilm "Meta" produziert, der bei der Berlinale Premiere feiert und erstaunliche Parallelen zur Realität aufweist. In dem Streifen bekommen ebenfalls zwei Kommissare einen abgetrennten Finger zugesandt und entdecken die Leiche eines Mädchens. Während Kommissarin Rubin das Ganze zunächst als verrücktes Hirngespinst von Künstlern belächelt, ist ihr Kollege Karow fest überzeugt, dass der Film "Meta" versteckte Botschaften enthält, die es zu entschlüsseln gilt, um den Fall zu lösen.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Direkt zu Beginn wird deutlich, dass "Meta" kein gewöhnlicher "Tatort" ist. Das sieht man Zuschauer in einem Kinosaal Platz nehmen, während über die Leinwand der "Tatort"-Vorspann flimmert. Es ist quasi ein Film im Film. Im Laufe der Geschichte kommen mehrere Ebenen hinzu. Selbst Ausschnitte aus Scorseses Klassiker "Taxi Driver" sind in den Krimi eingebaut. Ein Experiment, das von den Zuschauern völlige Aufmerksamkeit verlangt, aber nicht so albern daher kommt wie der 2015 ausgestrahlte "Tatort: Wer bin ich", der ebenfalls mit verschiedenen Ebenen spielte. Den beiden Berliner Kommissaren gelingt es, die Handlung bis zum Schluss spannend zu halten. Vor allem Karow leistet sich mal wieder einen riskanten Alleingang und wandelt auf einem schmalen Grad zwischen Genie und Wahnsinn.

Was nervt?

Wer nicht genau aufpasst, droht den Überblick zwischen den verschiedenen Erzählsträngen zu verlieren. Vor allem der geschichtliche Exkurs über die Organisation Gehlen, den Vorläufer des heutigen BND, erfordert zusätzliche Aufmerksamkeit. Und wer Scorseses "Taxi Driver" nicht kennt, wird kaum jede Anspielung der Schlussszene verstehen. Etwas klischeehaft geraten ist auch die Figur des Regisseurs Michael Schwarz. Der ist ein schmieriger Typ im Bademantel, findet alles nur "geil" und konsumiert reichlich Kokain.

Die Kommissare?

Tatort "Meta"

Kommisar Robert Karow wagt mal wieder einen riskanten Alleingang

Mit seiner ruppigen Art hat sich Hauptkommissar Robert Karow bisher keine Freunde in der Mordkommission gemacht. Wiederholt bezeichnen ihn Kollegen als Arschloch und auch zu Nina Rubin ist sein Verhältnis professionell unterkühlt. Die startet trotzdem einen Versuch, Karow als Kumpel zu gewinnen, indem sie ihm von ihrem Sohn erzählt und auf ein Bier einlädt. Doch Karow lehnt ab. "Ich bin nur Polizist. Nichts anderes. Kein Vater, kein Ehemann, kein Kumpel. Zwischen uns wird sich nichts ändern", sagt er in einer Szene. Dabei könnte Rubin gerade einen Freund gebrauchen. Nachdem bereits ihr Mann und ihr älterer Sohn nach Bayern gezogen sind, will nun auch der jüngere weg. "Es ist echt scheiße, mit dir zu leben. Warum hast du überhaupt Kinder?", wird Rubin von dem 16-jährigen Kaleb gefragt.

Ein- oder Ausschalten?

Einschalten. Auch, weil das Timing dieses Mal ausgesprochen geglückt ist. Der Film spielt zur Berlinale und aktuell laufen die 68. Filmfestspiele in der deutschen Hauptstadt.

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