HOME

Stern Logo Tatort

Schnellcheck

"Tatort" aus der Schweiz: Musik, Milliarden und Mord zum Saisonauftakt

Mit dem Luzerner Fall "Die Musik stirbt zuletzt" kehrt der "Tatort" aus der Sommerpause zurück. Es ist gleichzeitig einer der letzten Auftritte des Schweizer Duos Flückiger und Ritschard - und der ist brillant.

Er ermittelt im Fußballtrikot, sie im Abendkleid: die Luzerner Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer)

Er ermittelt im Fußballtrikot, sie im Abendkleid: die Luzerner Kommissare Reto Flückiger (Stefan Gubser) und Liz Ritschard (Delia Mayer)

  • 4 von 5 Punkten
  • Ein Konzertabend der anderen Art: Neben klassischer Musik gibt es Familiendramen, Giftanschläge - und einen Luftröhrenschnitt mit dem Taschenmesser

Worum geht's?

Es soll ein entspannter Abend für die oberen Zehntausend werden: Im Kultur- und Kongresszentrum Luzern findet ein Benefiz-Konzert mit dem argentinischen "Jewish Chamber Orchestra" statt. 10.000 Franken haben die Gäste für eine Karte gezahlt. Gespielt werden klassische Werke von Komponisten, die im Konzentrationslager umgekommen sind. Organisiert hat den Abend Milliardär und Mäzen Walter Loving (Hans Hollmann), der sich als Gutmensch und Wohltäter feiern lässt. Loving hat zahlreichen Juden während des Zweiten Weltkrieges zur Flucht in die Schweiz verholfen. Doch schnell wird klar, dass hier einiges im Argen liegt: Die Familie Loving ist zerrüttet, der Alte hütet ein düsteres Geheimnis und auch die Orchestermitglieder, allen voran die Geschwister Vincent und und Miriam Goldstein, haben eine Mission. Als dann ein Giftanschlag auf den Klarinettisten Vincent Goldmann verübt wird, kommen die Kommissare und Liz Ritschard zum Einsatz.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Der Luzerner Fall "Die Musik spielt zuletzt" ist der Auftakt zur neuen "Tatort"-Saison. Doch er kommt nicht wie ein gewöhnlicher Krimi daher. Regisseur Dani Levy drehte mit nur einer einzigen Kameraeinstellung. An nur vier Drehtagen schuf er einen abendfüllenden Spielfilm, der 90 Minuten lang primär im Konzerthaus spielt. Der Zuschauer hat so das Gefühl, selbst ein Teil dieses Abends zu sein und die Ereignisse live zu erleben. Getragen wird die Handlung von Franky Loving, dem Sohn von Walter Loving. Er führt wie ein Erzähler durch die Geschichte, spricht mehrfach direkt in die Kamera und begrüßt das TV-Publikum mit den Worten: "Es ist eine erbärmliche Geschichte heute Abend. So was gibt es nur im Fernsehen. Aber ihr, ihr werdet euren Spaß haben." Zum Schluss gibt's ein Finale, dass sich Shakespeare nicht besser hätte ausdenken können.

Milliardär Walter Loving mit Sohn Franky und Ex-Ehefrau Alice beim Konzert

Milliardär Walter Loving mit Sohn Franky und Ex-Ehefrau Alice beim Konzert

Was nervt?

Es ist das erste Mal überhaupt, dass ein " " in einem Take gedreht wurde und ohne Schnitte auskommt. Aufgrund dieser Technik ist die Kameraführung oft leicht hektisch und etwas unscharf. Wer das nicht verträgt, dem könnte schwindelig werden.

Die Kommissare?

Es ist einer der letzten Fälle des Duos Flückiger und , die 2019 den Dienst quittieren, wohl auch, weil die Einschaltquoten stets zu schlecht waren. "Ich werde langsam zu alt für diesen Scheiß-Beruf", sagt Flückiger in einer Szene und nimmt damit sein eigenes Jobende vorweg. Bei den Ermittlungen stehen die Kommissare dieses Mal eher im Hintergrund - auch wenn beide eine persönliche Geschichte mit dem Orchesterleiter und Loving Junior verbindet.

Ein- oder Ausschalten?

Selbst wenn das Wetter noch so schön ist: Diesen Schweizer "Tatort" sollten Sie nicht verpassen. Vielleicht ist er der Beste, der je aus gesendet wurde.

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo