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"Tatort" aus Zürich Mordfall oder moralische Parabel? Dieser "Tatort" kann sich nicht entscheiden

"Tatort" aus Zürich
Die beiden Kommissarinnen Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, r.) und Tessa Ott (Carol Schuler) müssen den Mord an einem Schokoladenfabrikanten aufklären.
© SRF/Daniel Winkler / ARD Degeto
Der Mord an einem Schokoladenfabrikant dient in diesem "Tatort" als Folie, um die immer krasseren Gegensätze zwischen Reich und Arm zu beleuchten. Gut gemeint. Aber auch gut gemacht?
  • 2 von 5 Punkten
  • Das tolle Team aus Zürich kann auch im zweiten Einsatz noch nicht sein volles Potenzial entfalten.

Worum geht's?

Der Unternehmer Hans-Konrad Chevalier liegt tot in seiner Nobelvilla am Zürichberg. Zahlreiche Menschen waren dem Toten nicht gewogen und hätten ein Motiv. Denn um seine Schokoladenfabrik tobt ein Machtkampf: Seine Tochter und ihr Verlobter planen schon länger die Übernahme, und seine eigene Mutter hat ihn wegen seiner Homosexualität abgelehnt und drängt ebenfalls in die Firma. Dazu finden sich am Tatort spuren seines ungarischen Liebhabers sowie der Putzfrau. Die beiden Ermittlerinnen Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher) und Tessa Ott (Carol Schuler) haben viele Spuren, die sie verfolgen müssen - und sind zudem stark mit sich selbst beschäftigt.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Die einen schwimmen im Geld, die anderen leben in bitterer Armut und machen buchstäblich alles für Geld. Die Folge "Schoggiläbe", gemeint ist damit ein Leben auf der Sonnenseite, hat sich ein großes Thema vorgenommen - und setzt es visuell gekonnt um. Die edlen Villen der Superreichen kontrastieren aufs Schärfste mit den schäbigen, beengten Absteigen, in denen das Prekariat für sündhaft viele Franken haust.

Was stört?

Leider ist gut gemeint nicht immer gut gemacht. Das Ansinnen, die gesellschaftliche Ungleichheit zu thematisieren, ist ehrenwert - die Umsetzung mitunter arg pädagogisch geraten. Die weiblichen Hauptfiguren durchbrechen jeweils an einer Stelle die vierte Wand - und sprechen den Zuschauer direkt an. Isabelle Grandjean berichtet etwa von einem Obdachlosen in ihrem Hauseingang und fragt: "Was hätten Sie getan?" Dabei ist das Brecht-Jahr doch schon vorbei.

Die Kommissarinnen?

Die Beziehung der beiden Ermittlerinnen Isabelle Grandjean und Tessa Ott war von Anfang an kompliziert. In dieser Folge erreicht sie einen neuen Tiefpunkt: Die beiden scheinen einfach nicht als Team zu funktionieren. Als alles auf eine Trennung hinausläuft, nimmt ihre Zusammenarbeit doch noch eine überraschende Wendung. Die Kommissarinnen bleiben der wichtigste Grund, sich diesen "Tatort" anzusehen.

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Ein- oder ausschalten?

Das Team aus Zürich sollte man weiterhin im Auge behalten. Allerdings warten wir noch immer auf ein gutes Drehbuch. Diesen Fall können Sie jedenfalls getrost auslassen.

Die Kommissarinnen Grandjean und Ott ermittelten auch in diesem Fall:


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