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"Tatort" aus der Schweiz Das neue Team aus Zürich tritt an – mit einer ganz alten Geschichte

"Tatort" aus Zürich
Isabelle Grandjean (Anna Pieri Zuercher, l.) und Tessa Ott (Carol Schuler) ermitteln im neuen "Tatort" aus Zürich.
© SRF/Sava Hlavacek / ARD Degeto
Startschuss für das neue "Tatort"-Team aus Zürich. In ihrem ersten Fall steigen die Ermittlerinnen Grandjean und Ott tief in die 80er Jahre hinab, um Verbrechen der Gegenwart aufzuklären. 
  • 3 von 5 Punkten
  • Tolles Team, mauer Fall: ein Debüt, das noch Luft nach oben lässt

Worum geht's?

Ihren ersten Arbeitstag hat sich Profilerin Tessa Ott (Caro Schuler) wohl anders vorgestellt: Sie muss den Mord an einem unidentifizierten Mann aufklären, der angezündet am Zürichsee gefunden wird. Zusammen mit ihrer neuen Kollegin Isabelle Grandjean (Anna Pierie Zuercher) stößt sie auf Spuren, die in das umkämpfte Zürich der 1980er Jahre führen. Kurz darauf wird während der Abschiedsfeier ihres Chefs der Schädel einer Frau abgegeben, die vor 40 Jahren verschwand. Mit großer Wahrscheinlichkeit hängen beide Fälle zusammen. Doch es gibt Hinweise, dass auch Mitarbeiter der Polizei verwickelt sind.

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Im Gegensatz zu den bisherigen Folgen aus Luzern steigt der neue "Tatort" aus Zürich viel tiefer in die Schweizer Kultur und Geschichte ein. Das fängt schon damit an, dass hier das Alemannische sehr präsent ist. Und dann hat sich der erste Fall eine für dieses Land prägende Zeit vorgenommen: Die Jugendunruhen, ausgelöst durch die sogenannten "Opernhauskrawalle" am 30./31. Mai 1980. Sie bilden den Hintergrund für die Mordermittlungen.

Was stört?

So löblich das Vorhaben ist, im "Tatort" die Historie aufzuarbeiten, so unglücklich die Umsetzung gleich in der ersten Folge. Denn hier sind alle Personen neu und müssen mit ihren persönlichen Hintergründen vorgestellt werden. Dieses komplizierte Unterfangen wird nun zusätzlich mit vielen Informationen über die Vorgänge von vor 40 Jahren befrachtet. Es wird von Menschen damals und heute erzählt, die dem Zuschauer alle fremd sind - so entstehen keine Emotionen, sondern das latente Gefühl von Überforderung. 

Die Kommissare?

Eine klassische Konstellation: Profilerin Tessa Ott kommt neu in die Fachgruppe "Leib und Leben", wie die Mordkommission in der Schweiz heißt, und wird von Isabelle Grandjean nicht gerade mit offenen Armen empfangen. Denn Ott stammt aus einer einflussreichen Familie - ihren neuen Job nicht ihrer Leistung, sondern ihren guten Beziehungen. Und dann verheimlicht sie auch noch relevante Informationen vor ihrer Kollegin. So kompliziert die Beziehung der beiden Ermittlerinnen zueinander, so groß das Potenzial, das dieses Duo birgt: Diese zwei starken Frauen sind eine Bereicherung für das Fernsehen.

Ein- oder Ausschalten?

Ein Debüt, das kommende Großtaten erahnen lässt: Schalten Sie ein.


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