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Ein Hoch auf die Selbstjustiz

Eine neue Droge, ätzende Kinder, peinliche Erwachsene und ein ziemlich durchsichtiger Plot. Gut, wenn man da nichts mehr zu verlieren hat.

Von Sophie Albers

Ein Kommissar auf Freiersfüßen - Till Ritter (Dominic Raacke) verliert bei Drogenfahnderin Mainhard (Ina Weisse) ein bisschen den Boden unter den männlichen Füßen.

Ein Kommissar auf Freiersfüßen - Till Ritter (Dominic Raacke) verliert bei Drogenfahnderin Mainhard (Ina Weisse) ein bisschen den Boden unter den männlichen Füßen.

Baby, bist du bereit für die Ewigkeit" ist der Satz, bei dem man spätestens nach der Fernbedienung sucht. Denn das ist keine Werbung für den letzten "Twilight"-Film, sondern der Versuch des Hauptverdächtigen, ausgerechnet mit der Tochter der Drogenfahnderin durchzubrennen. Super-Milchgesicht Tom (Leonard Carow) ist ein kleiner Drogenkurier, dem nach dem Mord am Chefdealer die Verteilungskämpfe über den cool verwuschelten Kopf wachsen.

Überhaupt ist die Coolness das verdammte Hauptproblem dieser affektierten Wer-war's-denn-nun-Nummer. Alle glauben, sie hätten sie gepachtet, um dann komplett zu versagen. Alle außer der Drogenfahnderin Melissa Mainhard (wunderbar entspannt gespielt von Ina Weisse), die mit ihrem Cate-Blanchett-Gesicht vor allem Kommissar Till Ritter (Dominic Raacke) wuschig macht, der sie tatsächlich - im Rahmen seiner Möglichkeiten - umwirbt.

Doch Menschen sterben, und die Droge, deren besonderer Reiz nie erklärt wird, wird trotz Ausschaltung des Hauptverteilers fleißig weiter vertickt. Die einzige, die das wirklich zu kümmern scheint, ist Mainhard. Und deren Zielstrebigkeit hat einen guten Grund: Die Mutter von zwei Töchtern hat Krebs und nur noch ein paar Wochen zu leben. Das haut sogar Ritter für gefühlte zehn Sekunden aus den Lederslippern.

Geholze, Klischees, Gewackel

Dass diese Mainhard im Endstadium noch fitter und härter ist als alle zusammen - ob nun peinlicher Macho-Kommissar, end-fieser Anwalt oder ätzende Kinder, die irgendwo zwischen "American Psycho" und "Glee" hängengeblieben scheinen - macht auch ziemlich schnell klar, dass Ritter und Stark sich gewaltig verschätzen, während sie durch eine geradezu affige Berlin-wär-gern-New-York-Kulisse eilen.

Davon lenkt auch das renitente Pubertätsopfer nicht ab, das dann doch nicht mit dem Drogenkurier durchbrennt. Seelenruhig arbeitet Mama Mainhard ihre Liste ab, solange die Morphinpflaster reichen.

Doch eine Schauspielerin reicht nicht, um gegen so viel darstellerisches Geholze, ein Fest an Klischees und unmotivierte Wackelbilder anzuspielen. Dieser "Tatort" nimmt das Leben so wenig ernst, dass der Tod am Ende siegen muss. Und sei es mit eiskalter Selbstjustiz.

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