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Emily Cox Gestatten, das ist die Säure-Tote aus dem "Tatort"


Am Sonntagabend starb sie im Ersten den Säuretod: Schon zum dritten Mal in diesem Jahr spielte Emily Cox im "Tatort" mit. Ein Ende ist nicht in Sicht. Doch wer ist das eigentlich?
Von Ingo Scheel

Es sind diese Augen, an die man sich als erstes erinnert. Dieser Blick, der so merkwürdig Intensität und Flüchtigkeit in sich vereint. Einen Moment lang meint man, Emily Cox würde den den Betrachter, den Zuschauer unvermittelt und direkt anschauen, ja, fixieren. Nur einen Moment später scheint es, als wäre sie mit den Gedanken längst woanders, einen Schritt weiter. Oder in ihrer ganz eigenen Welt. Eine geheimnisvolle Qualität, die ganz aktuell den "Tatort"-Machern quer durch die Teams aufgefallen zu sein scheint. Nicht weniger als dreimal ist die Wienerin mit den britischen Wurzeln in diesem Jahr bereits am Sonntagabend im Ersten zu sehen gewesen.

Im Dortmunder Fall "Hydra" spielte sie die schwangere Freundin eines Neo-Nazis, bei der Premiere des neuen Teams vom Hessischen Rundfunk, mit Margarita Broich und Wolfram Kochs, gab sie eine Nachhilfelehrerin mit dunklem Geheimnis. Der Wiener "Tatort" mit dem Titel "Gier" machte ihr jetzt gleich zu Beginn den Garaus. Als Angestellte in einem Chemiewerk hat sie einen Säureunfall mit tödlichen Folgen. Für die 30-jährige dürfte das dennoch nicht das letzte Gastspiel am sonntäglichen Krimiabend in der ARD gewesen sein.

"Die Psychologie der jeweiligen Figur"

Emily Cox' kreativ-künstlerischer Weg scheint zumindest in Teilen vorgezeichnet gewesen zu sein. Ihre Eltern sind Pianisten, eine echte Künstlerehe, die jedoch in die Brüche geht. Als Scheidungskind pendelt Cox zwischen Mutter und Vater. Erste schauspielerische Schritte wagt sie schließlich in der Matura-Klasse. Anno 2003 beginnt sie ihr Studium am Wiener Max-Reinhardt-Seminar, sie spielt in Kleists "Der zerbrochene Krug", gibt die Audrey im Musical "Little Shop of Horrors", ihren ersten Vertrag erhält sie 2008 am Wiener Theater in der Josefstadt.

Ihr schauspielerisches Credo? "Man ist ja im Leben mit seinen Gedanken oft in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Beim Schauspiel geht es darum, alles was jetzt geschieht, wahrzunehmen - also in der Gegenwart zu sein", sagte Cox in einem Interview mit dem ORF und weiter: "Was mich ebenfalls am Schauspiel fasziniert, ist die Psychologie der jeweiligen Figur". Im TV gibt sie in "SOKO Wien" eine erste Visitenkarte ab, es folgen Rollen in "Dutschke" und "Rammbock", als Mizzi überzeugt sie in der österreichischen Produktion "Die Vaterlosen".

Ihre Karriere nimmt Fahrt auf

2011 zieht es sie nach Berlin. Eine WG in Mitte. Sie liest viel, liebt Chicken Curry und joggt. Dreharbeiten sind ihr "ein Vergnügen", über den Roten Teppich stolzieren findet sie "lustig" und auf Konkurrenz unter Kolleginnen kann sie verzichten. In ihren Rollen mag sie oft geheimnisvoll daherkommen, in ihren Interviews macht die Schauspielerin einen überaus bodenständigen Eindruck. Dreimal war sie nun in kürzester Zeit im ARD-"Tatort" zu sehen, die Fälle aus Frankfurt und Dortmund hat sie gar parallel gedreht.

Ihre Karriere, so scheint es, nimmt jetzt erst so richtig Fahrt auf. Wenn schon noch einmal "Tatort", dann bitte schön als Ermittlerin. "Das wäre cool", sagte Cox im "Bild"-Interview. Als nächstes steht jedoch erst einmal die BBC auf dem Programmzettel. Ab Herbst ist sie in "The Last Kingdom", einem Historiendrama im Stile von "Game of Thrones", zu sehen. Und dann? Vielleicht wieder "Tatort". Oder Hollywood?


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