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"Tatort" aus Franken: Rechter Hass und muslimisches Ehrgefühl - dieser "Tatort" ist hochaktuell

Zwei Libyer werden brutal erschlagen, der Täter kommt vermutlich aus der rechten Szene. Der "Tatort" zeigt eindrucksvoll das Entstehen einer Hass-Spirale - und verschont dabei keine Seite.

"Tatort" aus Franken

Szene aus dem Franken-"Tatort": Die Kommissare Felix Voss (Fabian Hinrichs) und Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) verhaften einen verdächtigen Zeugen.

ARD
  • 3 von 5 Punkten
  • "Ich töte niemand" ist eine kluge Geschichte darüber, wie Stolz und Ehre in Hass umschlagen können. Leider etwas verkopft umgesetzt.

Worum geht's?

Mitten in die ausgelassene Einweihungsfeier von Kommissar (Fabian Hinrichs) platzt die Nachricht von einem grausigen Leichenfund. Ein 58-jähriger Libyer und seine Schwester wurden erschlagen. Die Brutalität dieser Tat erschüttert die ganze Stadt. Doch möglicherweise hatte es der Täter auf jemand anderen abgesehen: Ahmed, der Ziehsohn des Toten. Der junge Student ist vor zwei Jahren als Flüchtling nach Deutschland eingewandert und hat sich vorbildlich integriert. Doch seit dem Doppelmord ist er verschwunden. Er war ins Visier der rechten Szene geraten. 

Warum lohnt sich dieser "Tatort"?

Die Folge "Ich töte niemand" ist eine kluge Reflexion darüber, wie eine Hassspirale entsteht, wie Gewalt Gegengewalt nach sich zieht. Wer hier einen pädagogischen "Tatort" vermutet, der eine politisch korrekte Welt vorgaukelt, in der Täter immer deutsch sein müssen und Migranten ausschließlich die Opferrolle zukommt, erlebt eine Überraschung: Der Film (Buch: Max Färberböck und Catharina Schuchmann, Regie: Max Färberböck) zeigt einen Punkt auf, an dem sich die Rechten und die arabischen Einwanderer berühren: Stolz und Ehre sind die Triebkräfte, die dazu führen, dass beide Seiten das staatliche Gewaltmonopol umgehen und die Dinge selbst in die Hand nehmen. Mit blutigen Konsequenzen.

Was nervt?

So sehr die Geschichte beeindruckt, die Umsetzung ist enttäuschend. Dieser " " krankt daran, dass er viel zu viele Themen in 90 Minuten packt, und gleichzeitig noch extrem kunstvoll sein will. Dadurch wirkt der Film bisweilen wie abgefilmtes Theater, mit Dialogen, die oft künstlich erscheinen.

Die Kommissare?

"Gucken Sie nicht so tief in die Dinge hinein, sonst gucken die Dinge irgendwann zurück", rät Ringelhahn ihrem jungen Kollegen Voss, der nur schwer mit der Gewalt klarkommt, die er in seinem Beruf erlebt. Allerdings hält sie sich selbst nicht an diesen Vorsatz: Als ein Kollege ums Leben kommt, dem sie nahe stand, verbeißt sie sich in die Angelegenheit und droht, eine Riesendummheit zu begehen.

Ein- oder Ausschalten?

Auch wenn dieser "Tatort" nicht rundum überzeugt - die Geschichte und ihre dahinter liegende Botschaft haben viele Zuschauer verdient. Schalten Sie ein.

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