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Flüchtlingstalk bei Maischberger: Til Schweiger: "Sie gehen mir auf den Sack!"

Til Schweiger schießt im Talk bei Sandra Maischberger aus allen Rohren. Das Ziel: CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer. Bei der Frage wie es um Schweigers Flüchtlingsheim bestellt sei, platzte ihm der Kragen.

Von Andrea Zschocher

"Ich beobachte sie, Herr Generalsekretär, ob Sie mit aller Vehemenz vorgehen", so  Schweiger gegenüber Andreas Scheuer

"Ich beobachte sie, Herr Generalsekretär, ob Sie mit aller Vehemenz vorgehen", so  Schweiger gegenüber Andreas Scheuer

Zwei prominente Namen sind momentan kaum aus der Flüchtlingsdebatte wegzudenken. Zum einen Schauspieler Til Schweiger, der derzeit in vielen Talkshows über seine Pläne, ein Vorzeigeflüchtlingsheim zu bauen, berichtet. Zum anderen NDR- Journalistin Anja Reschke, die Anfang des Monats in den Tagesthemen klar Stellung zur Stimmungsmache gegen Flüchtlinge bezog und forderte, dass mehr Menschen es ihr gleich tun.

Bei der Talkshow von Sandra Maischberger trafen diese Beiden nun auf den Generalsekretär der CSU, Andreas Scheuer, und den Wirtschaftsjournalisten Roland Tichy. Der Schauspieler war für den Talk aus Hamburg zugeschaltet, was das Gespräch mit Tichy und Scheuer nicht erleichterte. Denn während Reschke sich noch um ein Gespräch mit dem CSU-Generalsekretär bemühte, war dies für Schweiger nach wenigen Sätzen kaum mehr möglich.

Schweiger gegen Scheuer

Der Schauspieler, der sich mit deutlichen Worten gegen Hass-Kommentare auf seiner Facebookseite wehrte, "wie es so meine Art ist", ging besonders den Politiker an. Gemeinsam mit Reschke forderte er, dass Politiker sich stärker involvieren müssten. Und zwar vor Ort, dort, wo Menschen ausländerfeindliche Hetze betreiben würden. Es wurden schwer ertragbare Ausschnitte aus einem Bericht über das Flüchtlingsheim in Freital gezeigt, in denen die Bürgerinnen und Bürger die Asylbewerber als "Dreck" beschimpften. Wo, so wollten Schweiger und Reschke von den Anwesenden wissen, waren in diesem Moment die Politiker, die diese Aussage verbieten, die Konsequenzen ziehen und erklären, dass Hetze dieser Art in Deutschland verboten ist.

Scheuer setzte zur Erklärung an, dass der Innenminister Sachsens zur Stelle gewesen sei, und auch sonst viele Politiker, einschließlich ihm selbst, gegen derlei Kommentare vorgehen würden. "Ich beobachte sie, Herr Generalsekretär, ob Sie mit aller Vehemenz vorgehen", wandte sich Schweiger an Andreas Scheuer. Als der Bayer vom Schauspieler dann wissen wollte, wie weit die Pläne für das Flüchtlingsheim inzwischen gereift seien, platzte dem der Kragen.

"Sie gehen mir so auf den Sack!", fuhr er Scheuer an. Und weiter "Ich finde das so geil, diesen süffisanten Blick, mit dem Sie mich hier vorführen wollen." Auch wenn Schweiger die Beherrschung verlor, auf die Frage antwortete er. Und im weiteren Verlauf entschuldigte er sich auch für seine verbale Entgleisung. Man mag von Schweiger halten was man will, er jedoch setzte an diesem Abend, gemeinsam mit Anja Reschke und Linke-Politikerin Sevim Dağdelen ein deutliches Zeichen für Flüchtlinge. Vom Generalsekretär der CSU Scheuer lässt sich selbiges leider nicht behaupten.

Stiftung von Schweiger kommt,  Flüchtlingsheim momentan unklar

Schweigers Stiftung, von der er bereits letzte Woche beim donnerstalk von Dunja Hayali berichtete, soll am kommenden Freitag gegründet werden. Mit dabei seien unter anderem Sigmar Gabriel und Jan-Josef Liefers.

Mit dieser Stiftung, deren Gründung bis zu sechs Wochen dauern kann, will Schweiger dann ein Flüchtlingsheim in Osnabrück unterstützen. Die Pläne für ein eigenes Heim in Osterrode werden momentan nicht weiter verfolgt, weil die Liegenschaftsverhältnisse noch ungeklärt sind. Aber Schweiger bleibt, so sagte er, dran. 

"Ist es seine Ausgabe, ein Flüchtlingsheim zu bauen?" wollte Sandra Maischberger von Scheuer wissen. Der redete sich raus, antwortet in Allgemeinplätzen und Parolen. Genau diese Aussagen seien, so meinte Anja Reschke, aber Teil des Problems. Genau wie Talkgast Sevim Dağdelen, die migrationspolitische Sprecherin der Linken, warf sie der CSU vor, immer wieder Angst und Verunsicherung in der Bevölkerung zu schüren. Statt die Besorgnis der Bürgerinnen und Bürger ernst zu nehmen, würden Parolen wie "Wirtschaftsflüchtlinge" und "massiver Asylmissbrauch" die Menschen weiter verunsichern. Und dann eben auch dazu verleiten, sich gegen Flüchtlinge zu wenden.

Schwache Leistung von Andreas Scheuer

Der CSU-Generalsekretär stichelte an diesem Abend in alle Richtungen. Als Dağdelen nach ihrer Meinung zu den Zäunen gefragt wurde, die überall in Ungarn aufgestellt werden, sagte sie: "Ich will kein Europa der Unfreiheit. Ich dachte, die Zeit der Zäune ist vorbei." Scheuer konterte "Ich finde es schwierig, wenn meine Kollegin aus der Linkspartei mir etwas über Grenzen erzählt".

Schwierig war in erster Linie das Verhalten des Politikers, der, so hatte es den Anschein, eben um jeden Preis provozieren wollte. In eine ähnliche Richtung ging auch die Argumentation von Roland Tichy. Zu Beginn der Sendung rang der Journalist noch um Verständnis für die Menschen, die sich von den Flüchtlingsströmen bedroht fühlen. "Wir erleben eine neuzeitliche Völkerwanderung." Ihm ist aufgefallen, sagte er, dass sehr viele Menschen bereit sind zu helfen, aber "die Leute wollen ein Konzept haben", wie mit der Situation umgegangen werden kann." Bei Sätzen wie: "Wir kriegen Flüchtlinge, die begrenzt integrierbar sind" und: "Den Beruf Flüchtling kann es nicht geben", lag er mit Scheuer wieder sehr auf Kurs.

Schweiger und Anja Reschke waren sich sicher, dass die Deutschen "hilfsbereiter als in den 90er Jahren" sind. Viele, so schilderte Reschke ihre Erfahrungen der letzten Wochen, seien dankbar, dass Menschen wie sie und Schweiger öffentlich ihre Meinung sagen. Gemeinsam mit Sevim Dağdelen hoffen sie, dass Flüchtlinge in Deutschland eine Chance bekommen. Die linke Politikerin ist dabei aber gegen "Rosinenpickerei". Menschen sollten ungeachtet ihrer Fähigkeiten ein Recht zum Bleiben haben. Nicht weil die Wirtschaft ein Bedarf an Arbeitskräften hat, sollte Asyl gewährt werden, sondern weil Menschen ein Recht auf ein Leben ohne Krieg und Verfolgung haben.