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True-Crime-Doku mit Michael Tsokos: Leichenschau in 3D - die spannendsten Fälle des Rechtsmediziners

Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner Professor Michael Tsokos lädt in den TV-Sektionssaal: In einer neuen True-Crime-Doku schildert er seine spannendsten Fälle

An einer dreidimensionalen Animation der Leiche auf der Basis der original CT-Scans demonstriert Professor Michael Tsokos die Verletzungen, die zum Tod geführt haben

An einer dreidimensionalen Animation der Leiche auf der Basis der original CT-Scans demonstriert Professor Michael Tsokos die Verletzungen, die zum Tod geführt haben

Es geht ja schon mal damit los: "Wenn ich mir Tigerbalm unter die Nase schmieren würde, sobald ich den Sektionssaal betrete, hätte ich da jetzt ein Riesenloch und sie könnten direkt auf meinen Kiefer schauen." Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, räumt genüsslich mit den Mythen auf, die TV-Krimis und Thriller über den Alltag am Obduktionstisch verbreiten. Einige Bestseller sind ihm damit gelungen, mal als Sachbuch-Autor, mal im literarischen Duett mit Sebastian Fitzek oder Andreas Gößling. Nun wird der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Berliner Charité zum Helden seiner eigenen Real-Crime-TV-Serie: "Dem Tod auf der Spur - die Fälle des Professor Tsokos" startet mit vier Folgen ab Mittwoch, 7. Juni, um 22.30 Uhr auf Sat.1.

Zehn bis zwölf Leichen pro Tag

Zur Präsentation der Serie luden Sat.1 und Tsokos in das Institut für Rechtsmedizin in Berlin Moabit. Noch bis kurz vor Beginn des Rundgangs waren seine Kollegen im Sektionssaal tätig gewesen, mehrere Tage hintereinander hatten Tötungsdelikte die Berliner Polizei und die Obduktionsteams in Atem gehalten. Zehn bis zwölf Leichen werden hier jeden Tag auf ihre Todesursache untersucht, nicht nur Opfer offensichtlicher Gewalttaten, sondern zum Beispiel auch Menschen, die tot aufgefunden wurden, im Krankenhaus starben oder ihrem Leben selbst ein Ende setzten. Nun liegt, als Schocker für die Besucher, auf einem Edelstahl-Tisch ein Paar Herrenslipper, durch die sich die Unterschenkelknochen eines Mannes gebohrt haben. Tsokos: "So sieht das eben aus, wenn man mit den Füßen voran aus dem achten Stock springt." Daneben hat Tsokos ein mit Kugelschreiber bemaltes Bettlaken ausgebreitet. Ein Dolch mit dicken Tropfen ist darauf zu erkennen, die Worte "nicht jetzt" sind durchgestrichen, ebenso ein exakt gezeichnetes Herz. Es ist der Abschiedsbrief eines Häftlings, aufgefunden in der Zelle, in der er sich umbrachte.

Ungewöhnliche Todesursache: Das dunkle Geheimnis des Lochs in der Stift-Kappe

Seine spannendsten Fälle

Das Ende, seine Umstände und Ursachen anschaulich zu machen, ist die große Stärke des Rechtsmediziners. Plastisch, mit gut verständlichen Beispielen, einfachen Worten und einem sicheren Gespür für Spannungsbögen und Pointen spricht er über seine spannendsten Fälle. Auch in der TV-Serie empfängt er die Zuschauer in einem Sektionssaal. Für die Dreharbeiten wurde eigens ein Raum im Berliner Benjamin Franklin Campus angemietet – zuletzt waren hier Tiere obduziert worden.

Macht das Thema Rechtsmedizin populär: Professor Michael Tsokos

Macht das Thema Rechtsmedizin populär: Professor Michael Tsokos

Der Sender hat sich auf ein aufwendiges Abenteuer eingelassen und wächst dabei auch technisch über seine bisherigen Möglichkeiten hinaus: Sieben Redakteure hätten zehn Monate lang recherchiert, um Zeugen, Angehörige und Ermittler zu finden und zu überzeugen, an den Dreharbeiten mitzuwirken.

Der Torso im Koffer

Und der "True Crime"-Faktor funktioniert: In der ersten Folge fesselt ein Kommissar des Berliner Landeskriminalamtes mit seinen Erinnerungen an den Fall einer Leiche, die vor einigen Jahren stückweise in Berliner Gewässern auftauchte. Zunächst wurde ein Torso in einem Koffer gefunden, dann Arme und Beine, zum Schluss der Kopf. Dreimal mussten Tsoskos und sein Team obduzieren. "Kofferleichen", erzählt Tsokos, kämen in einer Großstadt wie Berlin mehrfach im Jahr vor. Und er erinnert an den bizarren Fall des Piraten-Abgeordneten Gerwald Claus-Brunner, genannt "Faxe", der sein Opfer in einer schwarzen Kiste auf einer Sackkarre zehn Kilometer quer durch Berlin gerollt hatte. "Auf solch engem Raum stellt sich ja immer die Frage, wie man am besten eine Leiche entsorgt", sagt Tsokos.

Leichen als Hologramme

Tat- und Verhörszenen werden eher zurückhaltend nachgespielt, Tsokos selbst erklärt sein Vorgehen anhand spektakulärer Animationen: Die Leichen all seiner TV-Fälle landen als Hologramm auf dem Seziertisch. So kann Tsokos seine Spurensuche nachvollziehen, ohne in eine Splatter-Atmosphäre abzurutschen. Um die Originaldaten, die der Computertomograph des Instituts von den Leichen speichert, in eine TV-taugliche Animation zu verwandeln, wurden die Stargate-Studios eingeschaltet - Kinozauberer, die auch für Filme wie "Hannibal" oder Serien wie "The Walking Dead" Bilder für das Unzeigbare erfinden. Viermal zwei Fälle präsentiert Tsokos nun in seinem TV-Obduktionssaal. Was die Produktion gekostet hat, will Sat.1 lieber nicht verraten. Doch wen sie erreichen soll, schon: Eine Million Zuschauer wären ein Erfolg. Fortsetzung: Erwünscht.