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Sat.1-Frühstücksfernsehen: TV-Beitrag über sexuelle Übergriffe beim Oktoberfest verärgert Zuschauer

Das Sat.1-Frühstücksfernsehen wird wegen eines Berichts über sexuelle Belästigung auf dem Oktoberfest im Internet angefeindet. Der Vorwurf: Sexuelle Übergriffe auf der Wiesn würden verharmlost.

Sat.1-Frühstücksfernsehen zum Oktoberfest

Viele Zuschauer sind empört über einen Sat.1-Frühstücksfernsehen-Bericht über sexuelle Belästigung auf dem Oktoberfest

Das Oktoberfest ist nicht nur in Süddeutschland ein großes Thema. Mittlerweile erstrecken sich die aus Bayern stammenden Feierlichkeiten zwischen Bierkrügen, Dirndl und Brezeln über die gesamte Bundesrepublik. Doch häufig passieren dort, wo exzessiv getrunken wird, auch viele unangenehme Dinge. Neben viel Freude, Party und Spaß sind auch Gewalt, sexuelle Übergriffe und Alkoholvergiftungen Teil des Oktoberfests. Das Sat.1-Frühstücksfernsehen hat deshalb am Dienstagmorgen Wiesn-Grapscher zum Thema gemacht. Die Art und Weise wie sexuelle Übergriffe thematisiert und besprochen wurden, sorgt nun bei vielen Zuschauern für Empörung. Der Vorwurf: Sexuelle Belästigung sei verharmlost worden.

Thema im Sat.1-Frühstücksfernsehen: "Oktoberfest-Zeit – Zeit für Grapscher?"

Der knapp sechsminütige Videoclip mit dem Titel "Oktoberfest-Zeit – Zeit für Grapscher?" war bis zum Donnerstagmittag noch auf der Homepage des Frühstücksfernsehen abrufbar. Mittlerweile hat die Redaktion das Video gelöscht. Zum Inhalt: In dem Video unterhalten sich Moderator Chris Wackert und Rechtsanwalt Dr. Alexander Stevens über die Frage, was noch erlaubt ist und was nicht. Zum Einstieg sagt Wackert: "Es ist derzeit Oktoberfest und selbstverständlich ist auch Flirt-Zeit. Doch die MeToo-Debatte und die Verschärfung des Sexualstrafrechts kann das ganze für Frauen und natürlich auch für Männer sehr gefährlich machen." Schon dieser Einstieg wird auf Twitter kritisiert.

Der Zuschauer bleibt mit der Frage zurück, warum die MeToo-Debatte und die Verschärfung des Sexualstrafrechts ausgerechnet für Männer "sehr gefährlich" sei. Und das waren nur die ersten 30 Sekunden des Videos. Danach stellt Moderator Wackert einen Fall dar, bei dem ein Mann für einen Grapscher auf einem Oktoberfest eine achtmonatige Bewährungsstrafe bekommen hat. Doch statt über das Opfer zu sprechen, wird die Frage gestellt, ob das "verhältnismäßig" sei. Anwalt Stevens hat eine klare Meinung: "Das ist schon ein krasser Fall." Im Verhältnis zur Bestrafung bei Körperverletzungsdelikten "passe das nicht mehr".

Das Gespräch plätschert dann in ähnlichem Stile weiter vor sich hin. Zusammengefasst: Zwei Männer unterhalten sich über Feiern auf dem Oktoberfest, Flirten und die Grenzen von Belästigung. Am Ende der Unterhaltung wird dazu aufgefordert, sich auf Facebook an einer Diskussion mit dem Titel "Flirten auf der Wiesn in Zeiten von #metoo – wie macht man es richtig?" teilzunehmen. Das haben viele verärgerte Zuschauer und Facebook-User angenommen und ihrem Unmut Luft gemacht. 

"Dieses Interview ist auf so vielen Ebenen widerlich und sexistisch"

Eine Userin schreibt auf Facebook: "Das nenne ich mal einen großartigen Journalismus: Über sexuelle Belästigung sprechen, aber nicht mit den Opfern sprechen oder zumindest die Folgen von Übergriffen bei den Betroffenen thematisieren – sondern die Täter in Schutz nehmen. Wow!" Eine andere Userin meint: "Dieses Interview ist auf so vielen Ebenen widerlich und sexistisch, dass man gar nicht weiss wo man anfangen soll." Aber auch Männer zeigen sich auf Facebook empört über den Beitrag: "Man kriegt direkt Mitleid mit den beiden. Arme Jungs. Wie soll man denn jemandem zeigen, dass man ernsthafte romantische Absichten hat, ohne gleich ungefragt die Hupen zu drücken?"

Sat.1 und Moderator Wackert reagieren auf Vorwürfe

Auf Anfrage des stern erklärte eine Sat.1-Sprecherin: "Es war redaktionell durchaus unglücklich, dass bei diesem Talk keine Frau zu Wort kam beziehungsweise den Talk geführt hat. Normalerweise ist das Standard beim Sat.1-Frühstücksfernsehen, Talks gemischt-geschlechtlich zu führen. In Zukunft wird dies auch so gehandhabt werden." Moderator Wackert, der am Donnerstag via Twitter auf die Kritik gegen seine Person wie folgt antwortete: "Liebe alle, Kritik angekommen. Talk nochmal angeschaut, redaktionell besprochen. Fehler gesehen und notiert. Dafür möchte ich mich entschuldigen", wird am Freitagmorgen im Wochenrückblick des Frühstücksfernsehens auch nochmal Stellung zu der Sendung vom Dienstagmorgen beziehen, so die Sat.1-Sprecherin auf Nachfrage des stern.

hh