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TV-Kritik "Anne Will" Beim Zeus! Darauf einen Ouzo


Griechenland brennt, Deutschland zahlt - und talkt natürlich. Bei Anne Will trafen sich angejahrte Konservative, forsche Linke und ein Trikotagen-Hersteller zur Bestandsaufnahme der hellenischen Krise.
Von Ingo Scheel

Irgendwann gegen Ende des spätabendlichen Talks bei Anne Will riss dem stellvertretenden Vorsitzenden der FDP-Bundestagsfraktion dann doch der Geduldsfaden. Über eine Stunde hatte Martin Lindner seinen Beisitzern zumindest Gehör geschenkt, lediglich da und dort tourettös gehustet, wo es ihm zu bunt wurde. Seine Toleranz für Sahra Wagenknecht überstand die Sendezeit jedoch nicht ganz. "Das ist ein Robin-Hood-Modell. Da reitet man so durch den Sherwood Forest, dreht den Reichen den Kragen um und verteilt das geklaute Geld an die Armen", wetterte der Liberale Richtung Linke.

"Gift statt Medizin" würde den Griechen verabreicht, hatte die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linken beklagt. Was sie meinte, war die aus ihrer Sicht falsche Verteilung der Milliarden, die nach Griechenland fließen. Nicht dem Mann auf der Straße würde geholfen, stattdessen seien Profiteure, Krisengewinnler und Spekulanten die Nutznießer des Rettungsschirms. Das müsse sich ändern. Schulden, das seien "die nicht gezahlten Steuern der Reichen". Militärausgaben, Bankenrettung und, und, und. Der kleine Mann, der zahlt drauf. Ein radikaler Schuldenschnitt wäre die einzig logische Maßnahme, um die Hellenen wieder halbwegs auf Vordermann zu bringen. Wenig überraschend, dass Kollege Lindner, vom anderen Ende der politischen Skala, da dann doch kurz der Hut hochging. Ein Ausnahmefall in einer Talkrunde, die vornehmlich Standpunkte austauschte, ohne eine Stoßrichtung in der Debatte zu entwickeln.

"Der Grieche" muss seine Rechnung zahlen

"Griechenland brennt, Deutschland zahlt - Euro-Rettung um jeden Preis?", hatte Anne Will am Mittwochabend getitelt und dafür eine in Teilen kontroverses Edutainment versprechende Runde eingeladen. Heiner Geißler, CDU-Urgestein, Stuttgart-21-Schlichter und Attac-Mitglied etwa, dazu Wolfgang Grupp, den wortstarken Trigema-Chef, Finanzexperte Dirk Müller, das Gesicht der Frankfurter Börse, und den Journalisten Michalis Pantelouris. Neue Aspekte förderte man aber nicht zu Tage. Für Geißler etwa handelt es sich bei der Darstellung der Demonstrationen um einen kommunikativen Super-GAU. Die Griechen würden falsch dargestellt. Das seien ja keine "Schlappschwänze oder Faulenzer", sondern ein "tüchtiges Volk". Auch Pantelouris schlug in diese Kerbe. Die Bilder der Randalierenden, ohnehin nur eine Handvoll unter tausenden friedlichen Demonstranten, seien immer dieselben. Die Situation würde verzerrt dargestellt werden, und überhaupt: Hierzulande würde es bei einem weniger rigiden Sparkurs ebenso brennen.

Wolfgang Grupp, Chef des Sport- und Freizeitkleidungsherstellers Trigema, konnte aus dem eigenen Nähkästchen berichten. Dankbar wäre er, würde ihm in einer Krise so geholfen werden, wie jetzt den Griechen. Sein Motto: "Der Grieche" kann nur Kooperationspartner sein, wenn er seine Rechnung bezahlt. Und der Karren ist eh bereits eit über zehn Jahren im Dreck, der Kern der Krise stammt aus jener Zeit, als Griechenland europäisch "annektiert" wurde. Längst hätte man Maßnahmen ergreifen müssen.

Wasser in den Augen Dirk Müllers?

Nach dem Einspieler schließlich, in dem eine griechische Mutter erzählt, wie sie ihr Kind aus Geldmangel in ein SOS-Kinderdorf geben musste, wurde sogar dem mit allen Wassern gewaschenen Finanzexperten Müller das Herz schwer. Solche Bilder, mitten in Europa - eine absolute Tragödie. Für einen kurzen Moment meint man fast, ein wenig Wasser in seinen Augen zu sehen.

Doch die Trauer währt kurz, stattdessen schüttelt Müller dann doch noch einen Lösungsansatz aus dem Ärmel: Jetzt den brutalen Schnitt machen. Zurück zur Drachme. Ein halbes Jahr Zähne zusammenbeißen, dann kann man ein neues Geschäftsmodell aufbauen. So einfach könnte das also sein. Beim Zeus, darauf einen Ouzo.


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