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TV-Kritik "The Voice of Germany" Paradiesvögel, Musikpriester - und ein Juror namens Chris


Viel Lob, wenig Kritik und jede Menge schräge Typen: Bei "The Voice of Germany" scheint nicht immer nur das Ohr zu entscheiden. Ein Kandidat hätte jedoch besser zuhören sollen.
Von Anne Passow
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Der schrille Paradiesvogel ist wieder dabei, ebenso der musikalische Nerd und auch der selbsternannte Musikpriester. Die dritte Sendung von "The Voice of Germany" auf ProSieben zeigt: Schräge Typen sind in Castingshows einfach gesetzt. Auch wenn die Juroren die Kandidaten nicht sehen können, weil sie während des Auftritts mit dem Rücken zur Bühne sitzen, wird man als Zuschauer das Gefühl nicht los, dass auch bei den "Blind Auditions" manche Kandidaten nicht nur nach ihren Sangeskünsten bewertet werden.

Mit angeklebten Wimpern, dickem Lidschatten und dreifarbigem Irokesenschnitt hat es Keye Katcher, eigentlich Kai Pommerenke, jedenfalls erst mal weitergeschafft. Dabei riss seine Interpretation von "Black and Gold" nicht wirklich vom Stuhl. "Manche Sachen waren ein bisschen wackelig", urteilte Juror Rea Garvey. Sascha Vollmer und Alec Völkel von The BossHoss drückten trotzdem den Buzzer und nahmen den 21-Jährigen aus Berlin ins Team auf, was Ex-DSDS-Star-Keye immer wieder mit kleinen Entzückungsschreien kommentierte.

Nach 15 Sekunden überzeugt

Wirklich vom Stuhl reißen konnte Vinh Khuat, 22, das Publikum. Der Musikstudent und selbsternannte "musikalische Nerd" präsentierte sich als One-Man-Band und sang seine ganz eigene und sehr rhythmische Version von "Superstition". Und dann gab es eine Kandidatin, die ausnahmslos jedes Jurymitglied wollte. Nur 15 Sekunden nachdem Rechtsanwaltsgehilfin July Rumpf, 28, mit weicher Stimme "All this time" von Maria Mena angestimmt hatte, drehten sich alle vier Jurorenstühle um. "Du singst es nicht so runter, du machst es so, wie du dich fühlst", lobte Nena.

Überhaupt wurde auch an diesem Abend wieder viel gelobt und gelabert, aber wenig kritisiert. Auch Ex-"Verbotene-Liebe"-Star Jenny Winkler und die Kandidaten Dimi Rompos und Ron White, die keinen einzigen Juror von sich überzeugen konnten, kamen richtig gut weg. Es muss ja nicht gleich der Dieter Bohlen sein, aber etwas mehr Ehrlichkeit, warum sich die Jury nicht für diese Kandidaten entscheiden konnte, wünscht man sich als Fernsehzuschauer eben doch. Spannender wäre es in jedem Fall.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welches verflossene Teenie-Idol ebenfalls auf der Bühne von "The Voice of Germany" stand.

Verflossener Teeniestar versucht noch mal zu punkten

Und dann trat noch ein einstiger Star auf. Darauf jedenfalls wies die Stimme aus dem Off solange hin, bis es auch der letzte Fernsehzuschauer verstanden hatte. Gil Ofarim war mit 14 Jahren ein Teenie-Idol, wurde damals erst für eine Bravo-Lovestory entdeckt und avancierte schließlich zum jungen Musikstar. Das wäre der heute 30-Jährige offenbar gerne wieder. "Ich möchte zeigen, dass der kleine Junge erwachsen geworden ist", sagte er. Mit "Crazy" von Gnarls Barkley konnte er zumindest Xavier Naidoo und The BossHoss überzeugen.

Und sonst? Sonst war da noch Nathalie Dorra (36) aus Lübeck, die offensichtlich sehr nervös war und mit teils brüchiger Stimme "I Still Haven't Found What I'm Looking For" sang. Keiner erbarmte sich ihrer, bis in allerletzter Sekunde Nena dann doch den Buzzer drückte. Ebenfalls in letzter Sekunde drückte Xavier Naidoo für Brandon Stone. Die Interpretation von "Too Close" des Brüderduos Felix und Lucas Hain wirkte irgendwie zu glattgespült, überzeugte aber dennoch alle vier Juroren. Auch die stimmgewaltige Wienerin Mel Verez kam weiter.

Kandidat verwechselt Rea Garvey mit Chris Rea

Ganz zum Schluss stand dann noch Dennis LeGrees mit "Don't Let The Sun Go Down On Me" auf der Bühne. "Musik ist Heilung, Musik kommt von oben, ich bin so etwas wie ein Priester der Musik", schwadronierte der erstaunlich jugendlich aussehende 58-Jährige vor seinem Auftritt und erzählte von seiner Arbeit als Musicaldarsteller. Der älteste Kandidat an diesem Abend überzeugte Publikum und Jury und entschied sich am Ende für das Team "Chris". Chris? Welcher Chris? Es dauerte, bis klar war: Dennis hatte Rea Garvey mit dem britischen Gitarristen Chris Rea verwechselt und dachte nun von einem Weltklassemusiker gecoacht zu werden. Rea Garvey nahm Dennis die Verwechslung nicht krumm, besuchte ihn hinter der Bühne, scherzte und umarmte ihn kurz. Man mag sich eben bei "The Voice of Germany".


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