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TV-Kritik zu "Wetten, dass ..?": Heidi, hilf!

Um am Samstagabend im Fern-Duell gegen Dieter Bohlen zu bestehen, holte sich Thomas Gottschalk Unterstützung von Heidi Klum. Ob's geholfen hat?

Von Katharina Miklis

Mit Fußballern auf seiner Couch tut sich Thomas Gottschalk immer etwas schwer. Er kokettiert etwas penetrant mit seinem Desinteresse. Umso heikler, wenn sich Gottschalk - wie am Samstagabend in Friedrichshafen - im Small Talk mit Bayern-Stürmer Mario Gomez versuchen muss. Was also haben der FC Bayern München und "Wetten, dass..?" gemeinsam?, fragte der Entertainer und antwortete selber. "Entweder du bist die Nummer eins oder du bist in einer schweren Krise." Das mag generell stimmen, nur verlaufen die Erfolgskurven des Fußball- und des Fernsehprofis derzeit in unterschiedliche Richtungen. Während Bayern München nach dem Sieg in Bremen zumindest über Nacht die Tabellenspitze anführt, macht das Quotenflaggschiff des ZDF gerade eine Krise durch. Eine schwere Krise. Beim FC Bayern würde bei derartiger Leistung wohl die Trainerfrage diskutiert werden.

Trotz starker Blondierung der Sendung durch Michelle Hunziker, die Thomas Gottschalk seit Oktober zur Seite steht, konnte die Show ihren Quoten-Sinkflug nicht stoppen. Bei der letzten Ausgabe 2009 stürzten die Zuschauerzahlen so tief wie noch nie in der fast 30-jährigen Geschichte der Fernsehshow. Und dann stand am gestrigen Abend auch noch ein Quotenduell zwischen Show-Dino Gotttschalk und Pop-Titan Dieter Bohlen mit "Deutschland sucht den Superstar" an.

Gleiches mit Gleichem bekämpfen scheinen sich da die Macher von "Wetten, dass..?" gedacht zu haben und griffen, wie in den vergangenen Monaten so oft, auf Hilfe aus dem Privatfernsehen zurück. Heidi Klum, bei ProSieben überaus erfolgreich mit ihrer Suche nach "Germany's next Topmodel", sollte auch in Friedrichshafen nach einem geeigneten Talent suchen. Ein großer Teil der Sendung wurde für Heidi und Gottschalks next Topmodel freigeräumt. Immer wieder wurde hinter die Bühne geschaltet, wo sich Provinzschönheiten aus Friedrichshafen einfinden sollten. "Mädchen, die sagen 'Ich geh jetzt noch mal schnell kotzen und dann los' werden nicht gesucht", so Gottschalk. Was auf uncharmante Weise wie eine Ansage gegen den Magerwahn klang, machte er gleich bei der nächsten Wette zunichte. Eine Turngruppe von zehn jungen Mädchen wollte ihre Seilspring-Künste vorführen - mit einem eigens zurechtgekauten Kaugummi-Seil. Beim Anblick eines kleinen Mädchens mit Pausbäckchen witzelte der gemeine Gastgeber, dass da wohl einige Kaugummis reinpassen würden. So teilt auch ein Bohlen aus.

Bissige Strafe für einen Rammlerwitz

Zahmer wurde es bei der Schmuse-Wette, bei der ein Schweizer seine zwanzig Kaninchen durch bloßes Streicheln auseinanderhalten wollte. Die Wette wurde zwar verloren, dafür rächte sich ein kleines Kaninchen bei Gottschalk für einen anzüglichen Rammler-Witz und biss ihm in die Hand.

Schlechte Erfahrungen hat Gottschalk bisher auch häufig mit amerikanischen Gästen gemacht. Wenn sie überhaupt kamen, blieben sie meist nur fünf Minuten und sagten nicht viel. Schauspielerin Hillary Swank blieb zwar länger, folgte dem ganzen Schauspiel aber fassungslos und mit gefrorenen Lächeln. Viel zu erzählen hatte die Oscarprämierte nicht einmal über den Job, ihr neuer Film kommt erst im Juni in die Kinos. Was sie auf dem Sofa machte, blieb ungeklärt. Jon Bon Jovi ließ nach seinem Auftritt wenigstens seine Gitarre zum Versteigern da.

Nackte Tatsachen

Etwas spritziger als die kühle Amerikanerin zeigte sich die nackte "Tatort"-Kommissarin, Simone Thomalla. Heidi Klum war bei deren Eintreffen mal wieder hinter der Bühne bei Gottschalks next Topmodel. Frau Thomalla hat ja auch viel zu erzählen in letzter Zeit. Von ihrem neuen Freund und ihren "Playboy"-Fotos, die Gottschalk unablässig in die Kamera hielt. So hatte also auch ein Gottschalk ein paar nackte Tatsachen zu bieten.

Und dann hatte Gottschalk noch ein Ass im glitzernden Ärmel: Eros Ramazzotti, Ex-Gatte von Michelle Hunziker. Seit zehn Monaten ist die Scheidung amtlich. Die gesamte Sendung verwies Gottschalk immer wieder auf das große erste Zusammentreffen des Ex-Paares, das sich 1996 in einer Mailänder Disco kennengelernt hatte: "Es könnte zum großen Showdown werden". Dieser "Showdown" war dann jedoch recht ermüdend. Immerhin verstehen sich Ramazotti und Hunziker, die eine gemeinsame Tochter haben, privat recht gut und sehen sich oft. Das wurde in der Show natürlich nicht erwähnt. Hunziker lobte den ergrauten Italo-Star als "besten Vater der Welt", dieser hielt sich mit privaten Äußerungen jedoch zurück und schon war der spektakulär angekündigte Showdown in der Belanglosigkeit des Samstagabends verpufft.

Ob es nun also Thomallas nackte Tatsachen waren oder doch Heidis Privatunterricht? Immerhin konnte Gottschalk am Samstagabend endlich wieder eine saftige Quote von 10,74 Millionen Zuschauern verbuchen und "DSDS" somit locker überbieten. Selbst die junge Zielgruppe entschied sich eher für die klumisierte "Wetten dass..?"-Ausgabe als für Bohlens Casting bei RTL. Mit welchen Mitteln diese Zahlen erreicht wurden, dürfte dem ZDF erstmal egal sein. Da ist es mit "Wetten dass..?" dann doch wieder wie mit den Bayern. Manchmal reicht auch ein schlechtes Spiel für einen Sieg.