HOME

Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 3.10.: "Barbara": Nicht dröge, sondern im besten Sinn spröde

Christian Petzolds Filme sind nichts für mich, dachte ich. Zu dröge. Ich guckte trotzdem "Barbara". Nachmittags. Und war begeistert. Der Film ist fabelhaft. Unser TV-Tipp des Tages.

Strafversetzt: Barbara (Nina Hoss) arbeitet in der Kinderchirurgie eines kleinen Krankenhauses tief in der Provinz der DDR unter der Leitung ihres neuen Chefs André (Ronald Zehrfeld).

Strafversetzt: Barbara (Nina Hoss) arbeitet in der Kinderchirurgie eines kleinen Krankenhauses tief in der Provinz der DDR unter der Leitung ihres neuen Chefs André (Ronald Zehrfeld).

"Barbara"
20.15 Uhr, ZDF
DDR-DRAMA Barbara ist eine Ärztin - ist natürlich, wie in so vielen Filmen, die Christian Petzold gedreht hat, Nina Hoss. Wir befinden uns im Sommer 1980 in der DDR, und zwar in einem Krankenkenhaus an der Ostseeküste. Dorthin wurde die Ost-Berliner Ärztin Barbara strafversetzt. Dort will sie nicht bleiben. Das ahnt auch ihr neuer Chef, der Leiter der Kinderchirugie, André Reiser (Ronald Zehrfeld). Aber er ist freundlich und fürsorglich. Gerade zu Barbara. Bereits an ihrem ersten Arbeitstag, als André sie nach Hause fährt, ist sich Barbara sicher, dass er von der Stasi auf sie angesetzt wurde. Er erkundigt sich nicht nach ihrem Werdegang und kennt ihre Adresse.

Der Kontrollverlust - die Konsequenzen

Dennoch berührt André sie. Sie, die aufmerksam gegenüber den Patienten, aber kühl gegenüber ihren Kollegen ist, fühlt sich zu ihm hingezogen. Und er zu ihr. Barbara beginnt die Kontrolle zu verlieren. Über sich, über ihre Pläne, über die Liebe. Denn eigentlich will sie ihrem Geliebten Jörg in die BRD folgen. In einem Schlauchboot über die Ostsee. Aber dann ist da auch noch dieses schwangere Mädchen, ihre Patientin Stella (Jasna Fritzi Bauer) ... Großartiges Ensemble, großartig gespielt, nicht dröge, sondern im besten Sinn spröde (Nina Hoss). Chapeau, Christian Petzold!

Ein TV-Tipp von Laura-Lena Förster, Redakteurin beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Westwind"
21.30 Uhr, ZDF Kultur
DRAMA Im Sommer 1988 trainieren die Ruder-Zwillinge Doreen und Isabel im Pionierlager am Balaton. Jenseits des Zauns locken Hamburger Jungs... Ohne Eventfilm-Kitsch, dafür mit stimmiger Ausstattung, 80er-Soundtrack und zwei großartigen, unverbrauchten Darstellerinnen. (bis 23.00)

"Gefährten"
20.15 Uhr, Pro Sieben

DRAMA Der englische Bauernsohn Albert (Jeremy Irvine) folgt seinem Pferd auf die Schlachtfelder des Ersten Weltkriegs. - Steven Spielbergs altmodisches Gefühlskino wirkt wie eine Hommage an die großen Epen der 30er bis 50er Jahre. Ein Meisterstück zwischen Kunst und Kitsch. (bis 23.05)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo