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TV-Tipp 20.10.: Serienstart "Dracula": Graf Dracula bittet zum Wirtschaftskrieg

Schlimmer als "Dracula Untold" konnte es ja nicht werden. Eine neue Serie zeigt den Blutsauger als gesitteten Geschäftsmann im viktorianischen England. Unser TV-Tipp des Tages.

Erst Handkuss, dann Halsbiss: Manieren hat er, der neue Dracula (Jonathan Rhys Meyers)

Erst Handkuss, dann Halsbiss: Manieren hat er, der neue Dracula (Jonathan Rhys Meyers)

"Dracula"
22.10 Uhr, Vox
TV-SERIE Dracula als Glühbirnenfabrikant? Der Fürst der Finsternis - ein Lichtbringer der Menschheit? Einen gewissen Hang zur Ironie kann man den Machern der neuen "Dracula"-Serie wirklich nicht absprechen. Und mit Jonathan Rhys Meyers haben sie einen Vampir gefunden, von dem sich einige Zuschauerinnen und Zuschauer sicher auch freiwillig beißen lassen würden.

Dracula heißt nun Alexander Grayson und posiert in der viktorianischen Londoner High Society als stinkreicher amerikanischer Geschäftsmann. Jonathan Harker (Oliver Jackson-Cohen) ist noch immer Mina Murrays (Jessica De Gouw) Verlobter, arbeitet aber als Journalist, sie studiert Medizin. Ebenso tauchen in Nebenrollen auf: Minas beste Freundin Lucy Westenra (Katie McGrath) und Draculas Gehilfe Renfield (Nonso Anozie) - hier allerdings erstaunlich geistig gesund und schwarz.

Am Mut, die bekannten Figurenkonstellation durcheinander zu würfeln, hat es also nicht gefehlt. Trotzdem fehlt es der Serie an Biss (hüstel), die Charaktere, vor allem Dracula selbst, bleiben recht farblos. Lag das Besondere an der Romanvorlage von Bram Stoker doch gerade darin, dass die Motive des Vampirs im Dunkeln blieben, dass erfolgreiche Verfilmungen mit Bela Lugosi oder Max Schreck diese Aura des Geheimnisvollen, Bedrohlichen, Bösen erhielten. Rhys Meyers Dracula dagegen ist viel zu menschlich geraten: Ein schmucker Kerl, dem es nach Blut und Liebe und Rache giert, der aber eher an Edward aus "Twilight" als an Nosferatu erinnert.

Große Überraschungen in Sachen Plot bietet "Dracula" ebenfalls nicht. Bereits am Ende der ersten 45 Minuten sind die Fronten klar abgesteckt: Wir kennen Draculas Gegner, wissen, warum er wirklich in die Alte Welt zurückgekehrt ist und werden Zeuge seiner ersten Annäherungsversuche zu Mina. Vielleicht haben die Macher ja schon geahnt, dass keine große Zeit für Experimente bleibt. In den USA wurde "Dracula" nach der ersten Staffel und zehn Folgen abgesetzt. Das Ende allerdings ist extrem rund und sehenswert geraten. Fast so gut, dass man sich mehr Futter wünscht. Aber nur fast.

Fazit: Wer auf komplexe, ineinander verschachtelte Handlungen á la "Lost" und "Breaking Bad" steht, kann "Dracula" getrost links liegen lassen. Wer seine Geschichten aber lieber geradeaus erzählt mag, für den ist die Serie genau das richtige TV-Häppchen für zwischendurch.

PS: ... oder er schaut einmal in diese, in Deutschland weitgehend unbekannte BBC-Verfilmung von 1977 herein. Näher dran am Original war bislang kein Film-Dracula.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Die letzte Versuchung Christi"
20.15 Uhr, Arte
DRAMA In seiner Verfilmung von Nikos Kazantzakis’ Roman zeigte Martin Scorsese 1988 die menschliche Seite Christi. Jesus (Willem Dafoe) will nicht glauben, dass er der Messias ist. Er verzehrt sich heimlich nach der Hure Maria Magdalena und bittet schließlich Judas (Harvey Keitel), ihn an den Römer Pilatus (David Bowie) zu verraten. Als Luzifer ihm ein ruhiges Leben mit Frau und Kindern verspricht, gibt er den Plan, sich zu opfern, fast wieder auf. Es ist seine letzte Versuchung… Dank grandioser Bilder (Kamera: Michael Ballhaus) nimmt die seinerzeit in den USA von Kirchenprotesten begleitete und bei uns nahezu ignorierte Passionsgeschichte zu jeder Zeit gefangen. (bis 22.50)

"Das geplünderte Erbe"
22.45 Uhr, ARD

DOKUMENTATION Die Terrormiliz "Islamischer Staat" finanziert sich durch Löse- und Schutzgelder, Spenden, Erdöl - und den lukrativen Handel mit antiken Kunstschätzen aus dem Nahen Osten. Ein Hauptumschlagplatz für geplündertes Kulturerbe ist Deutschland. Logbuch eines Skandals. (bis 23.30)

Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.