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Stern Logo Der TV-Tipp des Tages

TV-Tipp 10.6.: "Coldmirror - Japanoschlampen": Strichmännchen auf Speed

"Schlamping gezeichnet, schlampig animiert." Coldmirrors Webserie hält, was sie verspricht - und lässt die Political Correctness links liegen. Ihre "Japanoschlampen" sind unser TV-Tipp des Tages.

Ähem, ja - Kaddis Humor ist bisweilen doch recht derb. Aber was haben Sie von einer Serie erwartet, die "Japanoschlampen" heißt?

Ähem, ja - Kaddis Humor ist bisweilen doch recht derb. Aber was haben Sie von einer Serie erwartet, die "Japanoschlampen" heißt?

"Coldmirror - Japanoschlampen bis(s) zum Morgengrauen"
13.55 Uhr, ARD
ANIMEPARODIE Man kann wirklich nicht sagen, man sei nicht gewarnt worden: "Schlampig gezeichnet, schlampig animiert, total stumpfe Anime-Scheiße", verspricht die Erzählerstimme schon im Vorspann, dazu leckt ein pinkhhaariges Strichmännchenmädchen an einer Banane. Bämm! Wer jetzt schon die Nase rümpft, der möge sich bitte mit seiner Woody-Allen-Komplettausgabe ins Wohnzimmer verkrümeln.

Für alle aber, die heute noch die Titelmelodie von "Mila Superstar" mitsingen können und das Team Rocket bei "Pokémon" immer schon sympathischer fanden, sind die Japanoschlampen ein Fest. Seit Dezember 2011 läuft die Serie auf Youtube, gezeichnet und erdacht werden die Abenteuer der pinkhaarigen Wake und des blaubeschopften Chao von Coldmirror aka Kaddi aka Kathrin Fricke, Deutschlands bekanntester Youtuberin.

In weniger als drei Minuten türmen sich in den Clips mehr Anspielungen auf Animes, Mangas und Popkultur im Allgemeinen als in einer ganzen Folge "Big Bang Theory". Die Political Correctness bleibt dabei nicht nur auf der Strecke, sie wird gefoltert, gevierteilt und zum Nachtisch Hannibal Lecter serviert. (Natürlich dem von Mads Mikkelsen gespielten).

Schön, dass Einsfestival diese schlampige Sendung nun auch für die Pre-Generation Youtube verfügbar macht. Und sei es nur, damit das Fernsehvolk endlich kapiert, was "die Jugend von heute" so im Netz treibt. Aber ganz ehrlich: Eine Serie wie die "Japanoschlampen" im TV zu gucken, ist irgendwie so als würde man mit Opernglas einem "Slayer"-Konzert beiwohnen. Mein Rat: Am besten gibt man sich die passende Dosis "Japanoschlampen" noch immer auf Youtube - und surft zwischendurch durch Coldmirrors gesammelten Wahnsinn. Die "Kunstwissenschaftliche Analyse" eines CDU-Wahlplakats zum Beispiel. Herrlich.

PS: Alle Folgen sind auf Youtube verfügbar.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"So reiste das Politbüro"
22.05 Uhr, MDR

DOKU Arbeits- und Staatsbesuche von Honecker und Co. sind akribisch dokumentiert. Der Film von 2006 zeigt kuriose Szenen und geht auf die wirtschaftspolitischen Aspekte der Auslandsreisen ein. Auf das BRD-Pendant warten wir noch... (bis 22.48)

"Rio – Kampf um Frieden"
22.40 Uhr, Arte

REPORTAGE Um eine friedliche WM auszurichten, geht die brasilianische Polizei seit 2008 in den Slums mit drakonischen Strafen gegen die Drogenmafia vor. Gonzalo Arijón drehte zwei Jahre in den "befriedeten" Favelas und auch kurz im "unbefriedeten" Elendsviertel Vigário Geral. (bis 0.00)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo