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TV-Tipp 4.8.: "Der nackte Mann auf dem Sportplatz": Nackter Mann, was nun?

Ein nackter Hintern, ein baumelnder Penis: So hatten sich die Mitglieder des Sportvereins ihre Statue nicht vorgestellt. Wolfs Film ist eine leise Satire auf das Verhältnis von Kunst, Bürgern und DDR.

"Der nackte Mann auf dem Sportplatz"
23.40 Uhr, MDR
DEFA-SATIRE Die Gedanken sind frei? Von wegen. Als Künstler hatte man es alles andere als leicht im Arbeiter- und Bauernstaat DDR - wenn man nicht Kunst erzeugte, die der Obrigkeit genehm war. Konrad Wolf war, so muss man es sagen, der Obrigkeit genehm. Ein junger Deutscher, dessen Familie 1933 vor den Nazis geflohen war, der in Moskau eine neue Heimat gefunden hatte und mit 19 schon wieder in Berlin stand - als Teil der russischen Truppen, die die Stadt 1945 eingenommen hatten. Ein Mann, dessen Bruder Markus Chef des Auslandsgeheimdienstes der DDR wurde und der, als er 1982 an Krebs starb, ein Staatsbegräbnis erhielt. Vor allem aber war Wolf ein Filmfreak. Einer, der die Kamera nicht aus der Hand nehmen konnte und für die ostdeutsche Filmproduktionsgesellschaft Defa Filme drehte bis zum Schluss

Jetzt müsste man doch stark annehmen, dass ein solcher Mann, der zeitlebens Kommunist blieb, auch Filme drehte, die stramm linientreu daher kamen. Aber genau hier überrascht Konrad Wolf: Seine Filme sind nicht nur handwerkliche Meisterwerke, sondern sprechen - auch - Tabuthemen an: Republikflucht ("Der geteilte Himmer", 1964), die Schecken des Krieges für beide Seiten ("Ich war neunzehn", 1968), die Stellung des Künstlers in der Gesellschaft ("Goya", 1971).

"Der nackte Mann auf dem " (1974, Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase) gehört zum Spätwerk des Regisseurs - und es fällt nicht schwer, den Regisseur selbst in der Titelrolle zu erkennen. Kemmel (Kurt Böwe) ist, wie Wolf, Künstler. Allerdings einer der missverstandenen Sorte. Und weil Kemmels Skulpturen, Reliefs und Plastiken niemand versteht - vor allem nicht die Damen und Herren aus der Partei - landen sie schnell dort, wo sie niemanden stören können: in der Abstellkammer, im abgelegenen Feuerwehrturm,... Doch dann erhält Kemmel einen besonderen Auftrag: Für den Fußballverein seines Heimatortes soll er eine Skulptur entwerfen. Doch als die Statue enthüllt wird, sitzt der Schock tief: Statt wie erwartet ein realitätsgetreues Abbild ihrer vereinseigenen Torwartlegende vorzufinden, blicken sie mitten auf das Gemächt eines splitterfasernackten, unbekannten Mannes.

Auch wenn die reine Inhaltsbeschreibung eine eher launige Komödie erwarten lässt, handelt es sich bei "Der nackte Mann auf dem Sportplatz" um einen sehr ruhigen und schnörkellos gedrehten Film. Schenkelklopfer findet man hier selten, dafür belohnt der Film mit einer leisen und treffsicheren Analyse (und Dekonstruktion) des DDR-Alltags.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Der große Crash — Margin Call"
20.15 Uhr, Einsfestival


DRAMA Bevor J. C. Chandor mit Robert Redford „All Is Lost“ realisierte, drehte er mit einem tollen Ensemble den vielleicht besten Film zur Finanz krise von 2008. Kevin Spacey, Zachary Quinto, Demi Moore und ein eiskalter Jeremy Irons handeln mit wertlosen Papieren. (bis 21.55)

"Haus aus Sand und Nebel"
22.05 Uhr, Bayern


TRAGÖDIE San Francisco mit Blick aufs Meer. Kathy (Jennifer Connelly) kämpft um das Haus ihres Vaters, das übereilt zwangsversteigert wurde. Der neue Besitzer (Ben Kingsley), ein Exil-Iraner, ist aber im Recht… Elegisches Drama über das Scheitern am amerikanischen Traum. (bis 0.05)

"Das Gelübde"
21.45 Uhr, WDR


HISTORIENDRAMA Um 1818 plagen den Dichter Clemens Brentano (Mišel Matičević) Glaubensfragen. Antworten gibt ihm eine stigmatisierte Nonne. – Statt im Staub des Schulfernsehens kommt Geschichte hier mal sinnlich-flirrend kostümiert daher. (bis 23.15)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo