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TV-Tipp 9.6.: "Tatort": Undercover in die Sommerpause

Der letzte "Tatort" vor der Sommerpause steht an: In Stuttgart muss Kommissar Lannert als verdeckter Ermittler in den Knast. Unser TV-Tipp des Tages.

"Tatort: Freigang"
20.15 Uhr, ARD
Eines vorweg: Die "Tatort"-Macher haben dieses Jahr wirklich gute Arbeit geleistet und auffällig viele tolle Krimis abgeliefert. Ich denke da zum Beispiel an den hier, an den, oder den.

Am Pfingstmontag läuft jetzt der letzte "Tatort" vor der Sommerpause, zum Abschluss darf das Stuttgarter Team ermitteln. Der Fall ist knifflig: Eine Frau wird ermordet und an ihrer Leiche werden die DNA-Spuren ihres Mannes gefunden. Der sitzt jedoch seit Jahren im Knast, weil er ihren Lover einst totprügelte. Wie kommen seine Spuren also zum Tatort? Die Staatsanwaltschaft wittert Unstimmigkeiten in der JVA Zuffenhausen und schickt Kommissar Lannert (Richy Müller) auf einen Undercover-Einsatz.

Mit falschem Namen und neuen Vorlieben ausgestattet, macht sich Lannert daran, das Vertrauen des zwielichtigen Gefängsleiters Franke (Herbert Knaup) zu gewinnen. Kommissar Bootz (Felix Klare) übt derweil von außen Druck auf die JVA aus. Als sich ein Mitarbeiter plötzlich im Gefängnis umbringt, wird es für Lannnert brenzlig...

Vor allem Lannerts Undercover-Mission ist toller Krimistoff, der beim Zuschauen Spaß macht. Sein neues Leben als geschiedener Hamburger "Peter Seiler" sitzt wie eine zweite Haut. Und das muss es auch, sonst wird es für ihn als Maulwurf gefährlich. Stellenweise hat "Freigang" zwar einige Unstimmigkeiten und auch die Spannung geht zwischendurch flöten - schließlich gibt es hier keine klassische Mördersuche. Insgesamt liefern die Stuttgarter jedoch einen soliden Krimi ab.

Fazit: Ein würdiges Finale einer überdurchschnittlich guten Saison. Wenn der "Tatort" so weitermacht, können sich die Zuschauer schon auf die neuen Folgen im August freuen.

Ein TV-Tipp von Sarah Stendel, Kulturredakteurin


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Das Geheimnis von Kells"
19.00 Uhr, 3Sat

ZEICHENTRICK Wir befinden uns in Irland im 8. Jahrhundert. Ort der Handlung: die Abtei Kells, ein Kloster, dessen Abt Cellach davon besessen ist, die Mauern um sich und sein Kloster immer höher und fester zu errichten - zum Schutz vor den heranrückenden Wikingern. Cellachs Neffe Brendan gefällt das gar nicht. Gerne würde er erkunden, was hinter den Mauern liegt. Die Chance erhält er, als eines Tages der berühmte Buchmaler Aidan und seine Katze Pangur Bán an die Tore der Abtei klopfen, im Gepäck eine unvollendete Handschrift, das Buch von Iona.

Im Verlauf der Geschichte wird Brendan auf Waldgeister treffen, auf Wölfe, Gottheiten, die Wikinger - und auf ein ganz besonderes Auge. Dabei nimmt sich der Zeichenstil des Films, obwohl digital erstellt, die insulare Buchmalerei zum Vorbild - und strotzt nur so vor Anspielungen auf die keltische und kunsthistorische Geschichte. Alles ist verziert, voller Ornamente, sehr detailreich gezeichnet und wirkt beinahe wie Tinte auf einem Pergament. Manchmal fürchtet man gar, die Farbe könnte direkt aus dem Fernseher tropfen. Doch auch der Rest stimmt: Die Charaktere überzeugen, die Handlung ist spannend, mythisch, und witzig inszeniert und dümpelt niemals vor sich hin. Kurz: Dieser Film ist sich bewegende Kunst - eine perfekte Symbiose aus Inhalt und Form. Und die Musik ist es definitiv wert, noch einmal ohne Bild gehört zu werden.

PS: Wenn Sie Trickfilme mögen, schalten Sie am besten schon ab 12.20 Uhr ein. "Das Geheimnis von Kells" ist Teil des Thementages "TrickReich", mit dem 3Sat seine Zuschauer heute in die Welt der gezeichneten und animierten Abenteuer entführt.