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TV-Tipps 6.5: "Es geschah am hellichten Tag": Heinz Rühmann jagt den Kindermörder

Kaum zu glauben: Ausgerechnet Lausbubengesicht Heinz Rühmann war einer der ersten Profiler der deutschen Krimigeschichte. In "Es geschah am hellichten Tag" ist er einem Kindsmörder auf der Spur.

Hans Matthäi (Heinz Rühmann) engagiert die ledige Fabrikarbeiterin Heller (Maria Rosa Salgado) als Hauswirtin. Die arglose Mutter ahnt nicht, dass der Kommissar ihre kleine Tochter als Lockvogel für einen Kindermörder benutzt.

Hans Matthäi (Heinz Rühmann) engagiert die ledige Fabrikarbeiterin Heller (Maria Rosa Salgado) als Hauswirtin. Die arglose Mutter ahnt nicht, dass der Kommissar ihre kleine Tochter als Lockvogel für einen Kindermörder benutzt.

"Es geschah am hellichten Tag"
0.50 Uhr, ARD
DRAMA Selten sind sie, die ernsthaften Rollen des Heinz Rühmann. Wenn dieses alterslose, lausbubenhaftige Gesicht auf meinem TV-Schirm auftaucht, muss ich automatisch schmunzeln. Weil ich an "Die Drei von der Tankstelle" denke, an Pfeiffer mit drei "f" und natürlich an Pater Brown. Doch diesmal gibt es nichts zu lachen. Und Rühmann ist alles andere als "ein Freund, ein guter Freund", sondern eher ein Besessener.

Ein kleines Mädchen wurde ermordet. Der Täter scheint schnell gefasst, ein Hausierer soll die schreckliche Tat begangen haben. Als sich der Verdächtige in der Zelle erhängt, legen die zuständigen Behörden den Fall zu den Akten. Doch Oberleutnant Hans Matthäi (Rühmann) ist von der Unschuld des Mannes überzeugt - und glaubt, dass der wahre Kindsmörder wieder töten wird. Doch sein Versprechen ("bei meiner Seligkeit") an die Mutter des toten Mädchens, den Mörder zu finden, lässt ihn alle Vorsicht vergessen: Um das Verbrechen aufzuklären, benutzt er die kleine Tochter seiner Haushälterin als Lockvogel.

Die Geschichte, wie Rühmann zu einem der ersten Profiler der deutschen Filmgeschichte wurde, gehört heute zu den Klassikern des deutschen Kinos. Mit Rühmann wurde die Rolle des Matthäi allerdings extrem gegen den Strich besetzt - was dem Film von 1958 nicht immer gut tut. So ganz will der Schelm einfach nicht von diesem Gesicht verschwinden - was auch an unseren Sehgewohnheiten von heute liegen mag. Matthäis zunehmender Wahn, das Verbrechen ohne Rücksicht auf Verluste aufklären zu wollen, bleibt für den Zuschauer des 21. Jahrhunderts jedenfalls seltsam oberflächlich.

So sah es wohl auch Friedrich Dürrenmatt, der Schweizer Schriftsteller, der die Vorlage zum Drehbuch lieferte. Zu zahm, zu bürgerlich sei der Film ausgefallen. So setzte er sich noch vor der Premiere an den Schreibtisch, um das Skript zu einem Roman umzuarbeiten, der einen deutlich düstereren Ton anschlug ("Das Versprechen"). Ein spannender Krimi bleibt "Es geschah am hellichten Tag" trotzdem - und wer nach dem Anschauen tiefer in die Psyche Matthäis eintauchen will, greift einfach zum Buch.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor bei stern.de


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Walk the Line"
20.15 Uhr, Super RTL
BIOPIC Bis zuletzt blieben die sonore Grimmigkeit und die schwarzen Klamotten seine Markenzeichen. Doch Johnny Cashs Image war alles andere als von Musikmanagern geformt. Allerdings war der "Man in Black" († 2003) auch selten Herr seiner selbst. Schicksalsschläge wie der frühe Tod des geliebten Bruders, die Gefühlskälte des Vaters und die lange Jahre unerfüllte Liebe zur Musikerin June Carter machten sein Leben zur Achterbahnfahrt. - Die Hommage von James Mangold geriet zum furiosen Porträt einer geplagten Seele. Was vor allem dem eindringlichen Spiel von Joaquin Phoenix (als Cash) und Reese Witherspoon (als June Carter) zu verdanken ist. (bis 22.55)

"Der weiße Hai"
20.15 Uhr, RTL Nitro

HORROR 1975 ließ der 27-jährige Steven Spielberg ein Monster von der Leine, schuf den ersten Blockbuster und nahm der von Hitchcock gequälten Menschheit die Angst vorm Duschen. Klassiker mit einem herrlich wütenden Richard Dreyfuss und einem echt naiven Roy Scheider. (bis 22.35)

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