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TV-Serie "Unknown Soldier" – so hart kämpften die Finnen gegen die Rote Armee

Der Kampf in Karelien wird Mann gegen Mann ausgetragen. 
Der Kampf in Karelien wird Mann gegen Mann ausgetragen. 
Im Zweiten Weltkrieg kämpften Finnen und Russen erbittert um die endlosen Sümpfe und Wälder von Karelien. Die Mini-Serie "Unknown Soldier" zeigt den Waldkampf in einem erschütternden Realismus.

Mehrere Kriege führte Finnland gegen die große Sowjetunion. 1939 überfiel Stalin den kleinen Nachbarn. Der sogenannte Winterkrieg wurde zu einem Desaster für die Rote Armee. Zahlenmäßig überlegen, aber schlecht organisiert und unvorbereitet für die besonderen Herausforderungen des Krieges im Norden wurden die Sowjets von den Finnen aufgehalten. Bekannt wurde der Bauer Simo Häyhä, der in wenigen Tagen über 500 Rotarmisten erschoss und der Techniken einführte, welche die Praxis der Scharfschützen im Zweiten Weltkrieg bestimmten (Der weiße Tod).

Dennoch musste Finnland schließlich Gebiete abtreten. 1941 trat das Land an der Seite Nazi-Deutschlands in den Zweiten Weltkrieg ein. Mit dabei der Bauer Antero Rokka, ein zäher, ergrauter Mann in seinen 50ern. Mitsamt einer Kompanie Infantrie bewaffnet mit schweren Maschinengewehren marschiert er gegen die Sowjets. Sein Weg und die Serie führen nach Karelien. Das Gebiet zwischen Russland und Finnland ist eine kaum bewohnte Region mit nur wenigen Straßen, die von endlosen Wäldern und Seen beherrscht wird. Im Winter von Schnee bedeckt und bitterkalt. Im Sommer feucht, sumpfig und undurchdringlich.

Herausragende Optik

"Unknown Soldier" ragt unter den sonst durchaus soliden finnischen Produktionen über den Krieg heraus. Die anderen Streifen ähneln in vielem den Filmen der UdSSR zum Zweiten Weltkrieg: Ein wenig Handlung, etwas Action und dann sehr viel Geschichtsunterricht mit einer starren Inszenierung. Bei "Unknown Soldier" sticht die herausragende Kamera hervor. Die Aufnahmen von Wald und Natur suchen selbst unter Naturfilmen ihresgleichen. Die Actionszenen sind intensiver und realistischer als in weit aufwendigeren Hollywoodproduktionen.

Rokka ist dagegen eine geradezu typische Figur: ein älterer kampferfahrener Mann im Rang eines Unteroffiziers, der seinen Trupp durch alle Gefahren bringt. Ein geborener Krieger, der den militärischen Zirkus genauso verachtet, wie die Ziele der oberen Führung. Eine Figur, wie sie schon James Coburn in "Steiner, das Eiserne Kreuz" als Unteroffizier Rolf Steiner gab.

Der ältere Mann ist die Vaterfigur der Rekruten und der Beschützer seines ebenso geschickten, aber geistig wunderlichen Nachbarn. Als er zu abgeschnittenen Kameraden stößt, fragen sie entsetzt, wo denn die Verstärkung bliebe? Rokka lacht und nennt sich selbst einen "Einen-Mann-Stoßtrupp". Wie ein heißes Messer durch die Butter gleitet der Jäger schnell und lautlos durch das Gelände. Die Serie inszeniert im engen Raum zwischen Bäumen und Steinen den Kampf der Männer gegen Panzer und zeigt einige der besten Action-Szenen überhaupt. Man sieht auch die Liebe zum Detail. In den meisten Filmen tragen die Darsteller frisch genähte Uniformen, die man für die Optik etwas angeschmutzt hat. Rokkas Männer haben geflickte Uniformen, die vom ewigen Waschen bereits deutlich aus der Form geraten sind.

Der eigentliche Reiz liegt in einem sozialen Realismus. Die Serie zeigt, wie tapfere Männer zerbrechen, sie sich zitternd beim Angriff hinter einem Stein verbergen. Wie die Bauern immer unwilliger werden, sinnlose Durchhaltebefehle zu befolgen. Wie sie ratlos die finnischen Verbrechen an den Frauen der Kommunisten in den eroberten Städtchen mit ansehen. Es ist die Perspektive der Männer von "unten" auf die Kriege von "denen da oben". Die Serie basiert auf dem gleichnamigen Roman von Väinö Linna aus dem Jahr 1954.

Sozialer Realismus

Den Soldaten geht es allein um ihre Höfe und ein Stück Acker, das ein Verwandter nach dem Winterkrieg an die Sowjets verlor. Soweit es die Mannschaften betrifft, endet "ihr" Krieg am alten Grenzpfosten, mit jedem weiteren Schritt hinein nach Russland wächst das Unbehagen. Die Offiziere hingegen schwingen sich in den Wahnsinn der deutschen Wehrmacht hinein. Träumen von Ruhm, Eroberungen und Auszeichnungen.

Die Spannung zwischen den bäuerlichen Soldaten und ihren Vorgesetzten aus den Städten und der Oberschicht ist fast so intensiv wie ihre Kämpfe. Wenn sie ausgerüstet nur mit ihren unförmigen Maschinengewehren, Haftminen und geballten Ladungen gegen die anrollenden T-34 antreten. Den Männern erscheint alles Militärische als närrischer Karneval der Oberschicht. Voller Wut weigert sich der Führer eines Pferdekarrens, auf dem Rückzug eine Rot-Kreuz-Schwester mitzunehmen. Um ihre "Liebchen" sollen sich die Herren Offiziere gefälligst selbst kümmern, schreit er die Frau an. Kurz darauf fällt er. Er bleibt im Hagel von MG-Salven zurück, weil ein Bauer sein Pferd nicht hilflos angespannt stehenlassen kann.

Das Ende des Krieges ist keine Überraschung. Trotz aller Tapferkeit werden die Finnen zurückgedrängt. Die Überlebenden versenken ihre MGs in einem See, anstatt wie befohlen die Verletzten zurückzulassen und die Waffen zu bergen. Die Appelle des Obersten perlen an den geschlagenen Soldaten ab.

Im Licht der heutigen Ereignisse wird die Serie noch spannender. Denn vieles hat sich seit dem Zweiten Weltkrieg geändert, doch die Wälder und Sümpfe in Karelien sind die Gleichen geblieben. Bis heute trainieren finnische Soldaten für diesen Waldkrieg, so wie er in "Unknown Soldier" ausgefochten wird. Die fünfteilige Serie ist der Version in Spielfilmlänge vorzuziehen. Der Spielfilm holpert von Action- zu Actionszene und erreicht nicht die Tiefe der Serie. Im März ist auf DVD eine "Ultimate Edition" erschienen. Gegen Gebühr kann man die Serie auf fast jeder Streamingplattform sehen.


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