VG-Wort Pixel

Zweiter Weltkrieg Hiroo Onoda – der Soldat, der bis 1974 für den Kaiser kämpfte

1974 ergibt sich Leutnant Hiroo Onoda.
1974 ergibt sich Leutnant Hiroo Onoda.
© Picture Alliance
Im August 1945 kapitulierte das japanische Kaiserreich, damit endete der Zweite Weltkrieg. Aber nicht für Hiroo Onoda. Er weigerte sich, an die Niederlage zu glauben, und kämpfte fast 30 Jahre lang weiter für seinen Kaiser.

Als die amerikanischen Streitkräfte am 28. Februar 1945 auf der kleinen Insel Lubang landeten und die letzten Japaner flohen, gab Major Yoshimi Taniguchi Leutnant Onoda einen letzten Befehl, auszuhalten und zu kämpfen. "Es kann drei Jahre dauern, es kann fünf Jahre dauern, aber was auch immer passiert, wir werden für Sie zurückkommen", versprach der Major. Tatsächlich dauert es 29 Jahre bis  Yoshimi Taniguchi zurückkehren sollte.

Onoda entschied sich bewusst zum Widerstand und unterscheidet sich damit von anderen Japanern, die nach Ende des Krieges in ihren Außenposten auf abgelegenen Inseln einfach vergessen wurden. Onoda wurde als 22-Jähriger einberufen und für Spezialeinsätze trainiert, unter anderem im Dschungelkampf. 1944 wurde er auf die Insel Lubang entsandt, die strategisch wichtig vor der Bucht von Manila liegt. Ursprünglich schlossen sich drei Kameraden Onoda an, als er 1974 überredet werden konnte, aus seinem Versteck im philippinischen Dschungel herauszukommen, war er allein. Sein letzter Gefährte fiel zwei Jahre zuvor bei einem Feuergefecht mit philippinischen Truppen.

In seinen Memoiren erinnerte er sich später: "Auf Lubang glaubte ich, Japan zu verteidigen, indem ich die Insel mit meinen beiden Kameraden Shimada und Kozuka so gut wie möglich zu einer Festung machte. Nachdem beide starben, setzte ich meine Mission allein fort. Als der Zweite Weltkrieg 1974 für mich endete, erschien mir die Vergangenheit wie das Erwachen aus einem Traum."

Ende eines Traums

Der Abwehroffizier Onoda nutzte seine Ausbildung im Guerillakrieg, um in dem angelegenen Gelände zu überleben. Alle Versuche, ihn zur Aufgabe zu bewegen, scheiterten, da er annahm, dass der US-Geheimdienst ihn hereinlegen wollten. Flugblättern, die das Kriegsende verkündeten, misstraute Onoda. Selbst Lautsprecherdurchsagen seiner Familienmitglieder blieben erfolglos. Onoda ergab sich nicht. Amerikanischen und philippinischen Suchtrupps wichen Onoda und seine Männer aus. Sie konnten ihn nicht aufspüren, obwohl die Insel nur 25 mal 10 Kilometer misst.

Doch 1974 wurde Onoda von einem japanischen Studenten, Norio Suzuki, in seinem Versteck gefunden. Suzuki war ein Abenteurer, der sein Studium mit diesem Ziel abbrach: "Leutnant Onoda, einen Panda und den Yeti zu finden, in dieser Reihenfolge." Immer noch weigerte Onoda aufzugeben. Nach dem Bericht von Suzuki spürte die japanische Regierung seinen ehemaligen Kommandeur Yoshimi Taniguchi auf und schickte ihn mitsamt Onodas Bruder auf die Insel. Taniguchi sagte ihm, dass der Krieg verloren sei, und entband Onoda seines Dienstes.

Nun endlich akzeptierte Onoda die Wahrheit und legte seine perfekt funktionierende Waffe nieder. 29 Jahre nach Kriegsende trug er immer noch seine Uniform. Er hatte sein Katana-Schwert, sein Gewehr und etwa 500 Schuss Munition und mehrere Handgranaten bei sich. Onoda soll angesichts der Niederlage hemmungslos geweint haben. 

Nur Zivilisten getötet

Onoda sagte: "Jeder japanische Soldat war auf seinen Tod vorbereitet, aber als Geheimdienstoffizier wurde mir befohlen, einen Guerillakrieg zu führen und nicht zu sterben. Ich musste meinen Befehlen folgen." In seinen Memoiren schrieb Onoda, dass neben seiner Liebe zum Kaiserhaus die Erinnerung an seine Mutter ihn die Kraft zum Widerstand geben habe. Sie habe ihn gelehrt, nie aufzugeben und sich nicht zu bemitleiden. "Männer sollten niemals mit Frauen konkurrieren. Wenn sie dies tun, werden die Männer immer verlieren. Das liegt daran, dass Frauen viel mehr Ausdauer haben. Meine Mutter hat das gesagt, und sie hatte so recht."

Der Kampf von Onoda galt vielen als Beispiel treuer Pflichterfüllung und Hingabe zum Kaiserhaus. Dabei war es eine Tragödie. Tatsächlich gerieten nur Dörfler in den Fallen und Hinterhalte von Onodas kleiner Truppe – im Laufe der Jahre sollen sie 30 Zivilisten getötet haben. Im modernen Japan mit seinen Hochhäusern und Hochgeschwindigkeitszügen fühlte sich Onoda nicht mehr zuhause. Er folgte seinem Bruder nach Brasilien, dort züchtet er Rinder in einer japanischen Kolonie. 2014 starb Hiroo Onoda.

Onoda war nicht der einzige verschollene Soldat. Zwei Jahre vor seiner Entdeckung wurde mit Shoichi Yokoi ein anderer Soldat unter ähnlichen Umständen auf der Insel Guam aufgespürt. Bei seiner Rückkehr wurde er als Held gefeiert, doch Yokoi sagte beschämt: "Es ist mir sehr peinlich, aber ich bin zurückgekehrt."

Lesen Sie auch:

Schlacht von Okinawa - Das passiert, wenn ein Enkel dem Leben seines Kriegshelden-Opas folgt

Midway – die wichtigste Seeschlacht des Zweiten Weltkrieges

Forscher entdecken Wrack von vermisstem Flugzeugträger in 5490 Metern Tiefe

Sniper der weiße Tod – wie ein finnischer Bauer 505 Rotarmisten tötete 


Geschichte


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker