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Kriegsfilm Schlacht am Chosin-Stausee – als die chinesische Volksarmee die US-Marines jagte

Die US-Marines zogen sich auf einer Straße zurück, die Chinesen beherrschten die Hügel der Umgebung.
Die US-Marines zogen sich auf einer Straße zurück, die Chinesen beherrschten die Hügel der Umgebung.
© Picture Alliance
Chinas Kriegsepos über die Schlacht am Chosin-Becken versenkte James Bond an der Kinokasse. Der Film erinnerte an den ersten Sieg Pekings, nach einem Jahrhundert von Demütigungen durch den Westen.

Lange wurde gewartet, dann kam der neue James Bond "No Time To Die" in die Kinos. Das erste Blockbuster-Wochenende seit der Corona-Epidemie. Der Bond spielte 119,1 Millionen US-Dollar am ersten Wochenende ein. Er kam in 54 Ländern parallel in die Theater. Doch das reicht nur für einen zweiten Platz, denn inzwischen klingeln die Kinokassen in China. Das Kriegsepos "Battle at Lake Changjin" startet nur in einem Land – eben China – und nahm mit 239 Millionen US-Dollar fast doppelt so viel ein wie 007. Kinoanalysten gehen von einem Gesamtergebnis von 785 Millionen Dollar allein an den Kinokassen aus.

Der erste Sieg nach hundert Jahren

Auch thematisch ist das Aktionspektakel ein Gegenstück zu dem gealterten und nachdenklich gewordenen Agenten Ihrer Majestät. "Battle at Lake Changjin" spielt während des – im Westen weithin verdrängten – Koreakrieges. Unter großen Opfern erzielten die chinesischen Streitkräfte am Chosin-Stausee 1950 einen entscheidenden Sieg gegen die von den USA geführten Truppen der UNO-Intervention. In der US-Armee wird die Schlacht "Albtraum am Chosin-Stausee" genannt. Vor dieser Schlacht schien der Koreakrieg bereits entschieden. Nach einer kühnen Landungsoperation hatte US-General Douglas McArthur die im Süden eingekesselten UN-Truppen entsetzt und dann die Soldaten des Nordens weit über den 38 Breitengrad hinausgetrieben, bis in den Norden des Landes. Vereinzelte US-Truppen hatten bereits den Yalu, den Grenzfluss zu China, erreicht. Dort kam es zu den ersten Gefechten mit chinesischen Soldaten auf koreanischem Boden. Doch General MacArthur unterschätzte die eingesetzten chinesischen Kräfte und den Willen Pekings, keine US-Truppen an der Grenze zu dulden. Trotz Warnungen eröffnete er am 24. November die, wie er dachte, letzte Offensive "Home-by-Christmas“.

US-Führung unvorbereitet

Truppen der US-Marines rückten bis zum 27. November an der Westseite des Stausees vor. Dort trafen sie auf eine Straßensperre, die sie schnell eroberten, doch in der Nacht wurden sie von allen Seiten angegriffen. Die Kriegsführung des Chinesen unterschied sich fundamental von der des Westens. Die chinesischen Soldaten kämpften ohne Luftunterstützung und ohne schwere Artillerie. Dafür setzten sie ein Vielfaches an Soldaten ein. Diese Trupps bewegten sich meist nachts, boten den Bomben und Granaten der Amerikaner kein Ziel. Die US-Truppen wurden auch nicht frontal angegriffen, sondern abgeschnitten und isoliert. Ihnen ging die Munition aus. Um die Stellungen wurde mit dem Bajonett Mann zu Mann gekämpft. Um die Stellungen herum lagen die festgefrorenen Leichen. An einigen Stellen wurden die Toten zu Befestigungen aufgestapelt. Arzte trugen Ampullen im Mund, um das Einfrieren des Morphiums in der Kälte zu verhindern. Ein Foto zeigt einen Marine, der seine Finger im Blut eines Verletzten aufwärmt. Eine Behelfsbrücke beim Wasserkraftwerk von Chinhung-ni wurde in einem Fundament aus den steifgefrorenen Körpern der gefallenen Chinesen verankert.

Einfaches Ziel 

"Wir sind umzingelt", machte Colonel Lewis B. Puller seinen Männern Mut. "Das macht es nur leichter, an diese Typen zu kommen und sie zu töten." Die Truppen mussten aus der Luft versorgt werden. Eine Kompanie schmolz in einer Stunde von 225 Mann auf sieben einsatzfähige Soldaten, sie verlor vier Kommandeure hintereinander.

Das Ziel der chinesischen Generäle war denkbar einfach. Sie wollten die USA an der empfindlichsten Stelle treffen. Sie setzten zunächst nicht auf einen strategischen Durchbruch, sondern darauf, möglichst viele US-Soldaten zu töten. An die Soldaten wurden Fibeln verteilt, in ihnen hieß es: "Wir werden sie alle vernichten". Die chinesischen Truppen sollten "diese Marines töten, so wie ihr es mit Giftschlangen in euren Häusern machen würdet". Die Ausrüstung der Chinesen war erbärmlich. Es mangelte selbst an wirkungsvoller Munition für die Gewehre. Nach Ansicht von überlebenden US-Veteranen waren ihre Gegner auch schlecht ausgebildet, dafür aber diszipliniert und tapfer.

Kämpfender Rückzug

Den Marines der USA gelang es, die Umklammerung zu durchbrechen und kämpfend aus dem Kessel auszubrechen. Nun wurden sie unentwegt auf der einzigen Rückzugsstraße nach attackiert. Den Rotchinesen gelang es dabei, eine wichtige Brücke zu zerstören und einen US-Konvoi aufzuhalten, die US-Soldaten mussten auf das Eis des Stausees fliehen und wurden auf der deckungslosen Fläche zusammengeschossen, davon handelt der Film. Die Verluste der Chinesen waren ungleich höher als die der UN-Truppen. Joseph R. Owen befehligte eine Schützenkompanie der 7. Marines. Er erinnert sich an die Nachhutgefechte. "Am Morgen sahen wir, dass der ganze Hügel schwarz von chinesischen Leichen war, Tausende von ihnen. Jeder Mann in meiner Kompanie war verwundet."

"Sie tauchten vor uns auf und warfen Granaten", erinnerte sich ein Veteran. "Eine Granate prallte von meinem Helm ab, tötete den Mann zu meiner Linken und verwundete meinen Kumpel. Dann wurde es wirklich brenzlig. Wir drehten uns um, und sie waren direkt hinter uns. Mein Schlafsack lag dort hinter mir und wir töteten acht von ihnen direkt auf meinem Schlafsack."

In der Propaganda versuchten die USA den Rückzug als Erfolg darzustellen. Generalmajor Oliver P. Smith fauchte einen Reporter an, der ihn nach dem Rückzug fragte. "Rückzug zur Hölle! Wir greifen nur in eine andere Richtung an." Am 13. Dezember erreichten die Überlebenden UN-Truppen den Hafen von Hungnam. Dort konnten sie unter dem Schutz der Schiffartillerie und der Luftwaffe einschiffen. Anschließend wurden die Hafenanlagen gesprengt.

Peking akzeptiert hohe Verluste

Die Gegenseite nahm die hohen Verluste einfach hin und ersetzte die gefallenen Soldaten. Der Preis schien Peking gering. Nach einem Jahrhundert der Demütigungen und beschämender Kriege war es den Kommunisten gelungen, die Truppen des Westens zu besiegen und zum Rückzug zu zwingen. Und es blieb nicht bei einer einmaligen Niederlage, die von den USA geführten UN-Truppen mussten ihre Gewinne aufgeben. Der Bezwinger Japans, General MacArthur wusste sich nicht anders zu helfen, als den massenhaften Einsatz von Atombomben zu fordern. 49 Städte sollten vernichtet, der Krieg auf China ausgeweitet werden. Zu diesem Zeitpunkt unterstützte Russland die Chinesen. Der Einsatz von Atomwaffen hätte zum dritten Weltkrieg geführt. US-Präsident Truman berief den populären McArthur ab.

Ein Sieg im Koreakrieg war nun nicht mehr möglich. Der Krieg endete in einer Pattsituation, und die Kämpfe führten drei Jahre später zu einem Waffenstillstand, der bis heute gültig ist.

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