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Kritik der Serie "Das Boot": Abtauchen in eine Welt von Wasserbomben, Sex und Attentaten

"Das Boot" bringt großes Kino auf den Bildschirm und muss sich vor internationalen Top-Produktionen nicht verstecken. Die Serie zeigt großartige Bilder, sorgt für Spannung und erschüttert durch die Verrohung der einfachen Matrosen.

Nur in dem düsteren Bunker von La Rochelle sind die Boote sicher vor den Luftangriffen der Allierten.

Nur in dem düsteren Bunker von La Rochelle sind die Boote sicher vor den Luftangriffen der Allierten.

Die Serie "Das Boot" hält gleich zwei Überraschungen bereit: Der größte Teil der Handlung spielt an Land und nicht an See. Und von allen zentralen Figuren bekamen zwei Frauen die größte Bildschirmpräsenz.

Ganz anders als in dem Spielfilm "Das Boot" und den zugrunde liegenden Büchern von Lothar-Günther Buchheim "Das Boot" und "Die Festung. In Buch und Film gibt der Kapitän - der Kaleun - Halt im Chaos des U-Bootkrieges und dem Dunkel der Nazizeit. Vater und Mentor seiner Besatzung. Er wurde genauso ausgemustert, wie die Figur des jungen Buchheims – damals Kriegsberichterstatter an Bord.

"Das Boot": Die große Zeit ist vorbei

Die Serie spielt etwa ein Jahr nach der Handlung des Films, die große Zeit der deutschen U-Boote ist vorüber. Aus den Jägern sind Gejagte geworden. Für Kontinuität sorgen die gewaltigen Bauten der U-Boot-Bunker und die charakteristische Form der U-Boote vom Typ VIII. Und filmischen Verbeugungen. Einzelne Männer der Besatzung erinnern an die Besatzung des Erfolgsfilms, Gesten des besessenen Maschinisten tauchen wieder auf und dazu erklingt das zentrale Sehnsucht-Motiv aus Klaus Doldingers legendärer Filmmusik.

Die Serie "Das Boot" erzählt die Handlungen an Bord und an Land entlang des Schicksals von zwei Geschwistern. Simone Strasser (Vicky Krieps) arbeitet als Übersetzerin und Schreibkraft in der deutschen U-Boot-Basis La Rochelle. Ihr Bruder Frank Strasser (Leonard Scheicher) ist Funkmaat. Während er als spontaner Ersatz mit auf Feindfahrt genommen wird, gerät seine Schwester in das Mahlwerk des Krieges der deutschen Besatzungsbehörden und der Widerstandsbewegung.

Alltäglicher Judenhass

Selten hat eine Serie so überzeugend die Vergiftung der Menschen durch den Nationalsozialismus dargestellt wie "Das Boot". Typischerweise hielt jeder Film immer einen Nazi parat. Der hat gern pathetische Reden auf den Führer und gegen die Juden gehalten, den Endsieg beschworen und sich dann im entscheidenden Moment als Feigling und Versager entpuppt. So plump geht "Das Boot" nicht vor. Das U-Boot auf Feindfahrt hat einen Gast. Einen jungen Amerikaner, der auf hoher See gegen einen Gefangenen ausgetauscht werden soll. Dieser Jude an Bord bringt die Besatzung zum Kochen. Das giftige Zischen gegen den "Itzig", das Unbehagen mit dem "Judenschwein" gemeinsam essen zu müssen, lassen den Bildschirm gefrieren.

Von der Legende des sauberen Krieges bleibt nichts. Und diesmal müssen nicht fiese NS-Schergen, die mit den sauberen Soldaten nicht zu tun haben, die Drecksarbeit erledigen. Die heimkehrende Besatzung eines siegreichen Boots schlägt bei der Feier im Bordell über die Stränge. Als die Bedienung der Bar sich weigert, einem der Männer so wie die Prostituierten zu Willen zu sein, wird sie von der versammelten Mannschaft buchstäblich zu Tode vergewaltigt. Konsequenzen: keine. Wieso auch, von den Männern der Boote kehrten die wenigsten zurück. Kein Mitleid auch von den Kolleginnen des Bordells. "Sie dachte, sie sei etwas Besseres", lautet die achselzuckende Reaktion.

Die Männerwelt an Bord des Bootes kocht über vor Gewalt und ihr fehlt jede Kameradschaft. Die Mannschaft lebt getrennt von der Welt der Offiziere. Sie gehorchen den Befehlen von oben. Unter ihnen herrscht das nackte Faustrecht. Wer Fehler macht oder den kruden Ehrenkodex verletzt, wird gnadenlos zusammengeschlagen. Unter den Offizieren regieren Neid und Missgunst, Intrigen und Tabletten-Abhängigkeit.

Das Schlechteste im Menschen

An Land geht es nur auf den ersten Blick etwas zivilisierter zu. Auf Simone fällt die Aufmerksamkeit von Hagen Forster (Tom Wlaschiha), ein begabter Kriminalist und gewissenloser Folterknecht, der den Widerstand zerschlagen will. Während ihr der Kriminalrat schmierig-charmant den Hof macht, gerät Simone mit der Resistance in Kontakt.

Auch hier sind die Rollen ausgezeichnet besetzt. "Das Boot" ist einer der wenigen Fälle, in denen die Schauspieler so aussehen, wie die Originale aus den Kriegszeiten. Dabei werden die Maßstäbe des staatstragenden deutschen TV-Schaffens verrückt. "Das Boot" zeigt heiße Sex-Szenen und in der Serie werden Frauen zu Tode gefoltert. Es ist eine böse Welt. Früher galt in Filmen: "Der Krieg bringt das wahre Ich zum Vorschein – im Guten wie im Schlechten." In "Das Boot" – wie schon in der Serie "Unsere Väter, unsere Mütter" gilt dagegen der Satz: "Der Krieg bringt nur das Schlechteste ans Licht." Auch die Gegner der Deutschen sind schon lange nicht mehr die Guten. Die einen, weil sie sich am Krieg hemmungslos bereichern. Die anderen, weil sie genauso skrupellos wie die Deutschen sind. Carla Monroe (Lizzy Caplan) ist die drogenabhängige Führerin der Widerstandsgruppe. Der Tod von Zivilisten durch ihre Anschläge ist für sie nur ein Mittel zum Zweck, die Opfer sind ihr egal.

"Das Boot" ist eine Serie, die sich nicht vor den besten internationalen Produktionen zu verstecken braucht. Starke Frauenfiguren, eine komplexe Handlung, eine exakte, historische Anmutung und spannende Action – besser kann man es kaum machen.

"Das Boot" läuft exklusiv auf "Sky". Freitags in Doppelfolgen ab 20.15 Uhr auf Sky 1 HD. Alle acht Episoden sind auf Sky Ticket, Sky Go und auf Abruf verfügbar.

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