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Momente der TV-Geschichte Biep, biep - wie Elvis Presley im weißen Overall das Fernsehen revolutionierte

Elvis Presley 1973 in Honolulu
Elvis Presley 1973 in Honolulu: Der Sänger hatte zwar bereits ein paar Kilo zugelegt, doch der Spagat klappte noch.
© Hollywood Photo Archiv/MPI/ / Picture Alliance
Elvis Presley ist Vorreiter von Queen und Helene Fischer: Der Sänger war 1973 der erste, der sein Konzert via Satellit live übertrug. Doch kurz davor drohte alles zu scheitern.

Der 14. Januar 1973 ist der Beginn eines neuen Fernsehzeitalters. Erstmals wird das Konzert eines Solokünstlers zeitgleich via Satellit in mehrere Länder übertragen. Noch Stunden zuvor sieht es so aus, als würde das groß angekündigte TV-Ereignis ein Flop werden. Ausgerechnet die Inseln Hawaii hatten sich die Produzenten als Übertragungsort ausgesucht. Doch in der International Center Arena in Honolulu droht immer wieder die Stromversorgung zusammenzubrechen. Dann, um 12.30 Uhr Ortszeit, zählt es. Mit einem "Biep, biep" - einem eingespielten Satellitengeräusch - beginnt das erste Live-Konzert der Menschheit. Elvis Presley betritt nervös die Bühne. Das einstündige Event klappt reibungslos. "Aloha from Hawaii" wird die Popkultur verändern.

1,5 Milliarden Zuschauer sollen Presley in 40 Ländern  - von den Philippinen bis nach Rio - gebannt zugeguckt haben. Eine ungeheuerliche Zahl, die später auf zirka 500 Millionen korrigiert wurde. Für damalige Verhältnisse noch immer unfassbar viel. Ausgerechnet in Presleys Heimat, den USA, wurde die Show nicht live sondern erst Wochen später gesendet. Diese Fernsehversion schauten 51 Prozent aller Amerikaner - und damit mehr als die Mondlandung. Ein neues Genre war geboren: Das des Live-Konzerts via TV.

Zwar hatten zuvor bereits die Beatles mit Live-Übertragungen experimentiert und in Europa gab es mit dem Eurovision Song Contest einen Musikwettbewerb, der in mehreren Ländern gleichzeitig gezeigt wurde, doch dass ein Künstler alleine ausreichen würde, um so viele Menschen vor dem Fernseher zu vereinen, konnte sich davor niemand so recht vorstellen. 

Elvis Presley tritt im weißen Overall auf

Elvis gab seine bekanntesten Lieder zum Besten: "Burning Love", "Hound Dog", Suspiscious Minds" oder "Can't Help Falling in Love". Im Eiltempo von einer Stunde und vier Minuten spulte er die insgesamt 23 Titel ab. Trotzdem kam schon damals die Show nicht zu kurz. Der bereits gereifte Presley ließ die Hüften zwar nicht mehr kreisen wie in den 60er Jahren, doch mit seinem mit Strass besetzten weißen Overall und einem weißen Cape - er soll übrigens nichts darunter getragen haben - verstand er es nach wie vor, sich in Szene zu setzen. Er habe gewusst, dass die Welt auf ihn blicke, wird er später sagen. 

Die Regie hatte jedoch ihre liebe Mühe, die Dynamik des Live-Konzerts einzufangen. Weitwinkel- wechselte sich mit Nahaufnahme ab, Zuschauer kamen nur ins Bild, wenn sie den King begeistert von unterhalb der Bühne kurz begrapschen durften. Trotzdem setzte das Konzert Maßstäbe. Es vermittelte den Zuschauern zuhause den Eindruck, Teil eines Ereignisses zu sein. Fast hautnah dabei. Presley ist damit Vorreiter von Live-Konzertmitschnitten - von Queen und Freddie Mercury bis Helene Fischer, alle werden es ihm später nachmachen.

mai

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