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Als Kreml-Reporter verkleidet: "heute-show" veräppelt Pegida-Demonstranten

Wie eingeschränkt das Weltbild vieler Pegida-Demonstranten ist, zeigt ein skurriles Experiment der "heute-show": Ein Reporter mischt sich als verkleideter Kreml-Korrespondent unter die Menschenmenge.

Von Christoph Fröhlich

"heute-show"-Reporter Carsten van Ryssen, verkleidet als "RT deutsch"-Korrespondent, auf einer Pegida-Demonstration

"heute-show"-Reporter Carsten van Ryssen, verkleidet als "RT deutsch"-Korrespondent, auf einer Pegida-Demonstration

Sie sind wütend und fühlen sich fremd im eigenen Land: Vor einigen Wochen waren es nur wenige Menschen, die auf die Straßen gegangen sind, um gegen die zunehmende Islamisierung zu demonstrieren. Mittlerweile versammeln sich Zigtausende auf den sogenannten "Spaziergängen" des Bündnisses Pegida, den "Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes". Die Bewegung findet im ganzen Land Anhänger.

Da der Pegida-Organisator Lutz Bachmann zum Boykott deutscher Medien aufruft, wagte ZDF-Reporter Carsten van Ryssen von der Satire-Sendung "heute-show" ein kurioses Experiment: Er verkleidete sich als Mitarbeiter des fiktiven Kreml-Senders "RT Deutsch" ("Ryssen Today Deutsch"), um mit Pelzmütze und gebrochenem Deutsch mit russischem Akzent die Demonstranten auszufragen. Zu sehen bekamen die Zuschauer ein meist sehr eng gefasstes Weltbild.

Wutbürger in schwarz-rot-gold

Von einem Demonstrant wurde van Ryssen zugleich mit den Worten begrüßt: "Sie sind ein schönes Gegengewicht zu unseren gleichgeschalteten Medien, die uns alle manipulieren." Auch ein anderer Teilnehmer war sichtlich erfreut über den angeblichen Kreml-Korrespondenten: "Russia Today ist objektiv, unsere Presse, das sind die Verräter."

Doch wer sind die Wutbürger, die jeden Montag im schwarz-rot-goldenen Fahnenmeer auf der Straße demonstrieren? Auf van Ryssens Frage, ob auf der Kundgebung in Düsseldorf denn "ganz viele Nazis" seien, entgegnete ein Teilnehmer entrüstet: "Das ist nicht wahr, ich bin aus der Mitte der Gesellschaft. Ich bin AfD-Mitglied." Ein anderer bekräftigt: "Ich bin weder Hooligan noch rechtsradikal. Wir stehen hier auch für die Leute, deren Kinder irgendwann mal in Frieden groß werden sollen." Auf seiner schwarzen Jacke prangt der Schriftzug "Terror Worldwide", der von einem riesigen Maschinengewehr flankiert wird.

Dass es einige Pegida-Demonstranten mit den Details ohnehin nicht so genau nehmen, zeigt dieser Dialog:

Demonstrant:

"Wenn jemand hier kriminell wird, ein Auto klaut, Körperverletzung macht: Nehmen, raus!"

van Ryssen:

"Haben Sie schon mal persönlich ein Schicksal erlebt?"

Demonstrant:

"Ja, von einem Serben ist mir das Auto geklaut worden."

van Ryssen:

"War der Serbe ein Islamist?"

Demonstrant:

"Nein."

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