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ZDF-Film: "Der Fall Jakob von Metzler" - ein Anliegen der Familie

Die Frankfurter Bankiersfamilie von Metzler spricht nicht öffentlich über die Entführung und Ermordung ihres Sohnes vor zehn Jahren. Der Film, den das ZDF jetzt darüber zeigt, war ihr dennoch wichtig.

Es gab diesen einen Moment im Büro Friedrich von Metzlers. Diesen Moment zwischen dem Vater des entführten und ermordeten Jakob von Metzler und dem damaligen Frankfurter Vize-Polizeichef Wolfgang Daschner, der später selbst vor Gericht stand, weil er bei der Suche nach dem Kind dem Täter Folter androhen ließ.

Nach vielen Versuchen habe Daschner sich damals dann doch bereiterklärt zu dem Projekt, beschreibt Filmproduzent Nico Hofmann jenen Moment. Von Metzler soll mit einer Träne im Auge geantwortet haben: "Egal, was uns allen widerfahren ist, ich bin Ihnen so unendlich dankbar." Eine Szene jenseits des Films, den das ZDF an diesem Montag (20.15 Uhr) zeigt.

"Der Fall Jakob von Metzler" beginnt mit der Entführung des elfjährigen Bankierssohns durch den Jurastudenten Magnus Gäfgen vor zehn Jahren und endet mit der Verurteilung Daschners 2004. Unter strengster Geheimhaltung auch vor dem Metzler-Anwesen in Frankfurt gedreht, sorgte die Produktion bereits seit Bekanntwerden vor einigen Wochen immer wieder für Schlagzeilen. Wie stehen Jakobs Eltern und Geschwister zu der Verfilmung? Die Antwort hatten die Macher bereits auf der ersten Pressekonferenz in Hamburg - um einen Protest Gäfgens zu verhindern, wurde der Film nicht auf DVD verschickt - gegeben: Der Frankfurter Bankiersfamilie war die Verfilmung ein "persönliches Anliegen", sagte die zuständige ZDF-Redakteurin Caroline von Senden.

Polizeiarbeit im Mittelpunkt

Produzent Hofmann, der mit seiner Firma Teamworx schon erfolgreiche Produktionen wie "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker", "Der Tunnel", "Dresden" und "Die Luftbrücke" realisierte, betont: "Der Familie geht es überhaupt nicht um eine Darstellung ihrer selbst - das am allerwenigsten." Es gehe ihr darum zu zeigen, wie sehr sich die Polizei eingesetzt habe. Von Senden: "Es war das Gefühl der Familie Metzler, dass hier jemandem, der das Leben ihres Sohnes versucht hat zu retten, Unrecht widerfahren ist." Und auch Schauspieler Robert Atzorn, der den Chefermittler Daschner gibt, hofft, dass dieser Film "auch ein bisschen zu seiner Rehabilitierung beiträgt".

Hofmann nennt das Werk von Autor Jochen Bitzer und Regisseur Stephan Wagner eine "sehr klare Betrachtung und trotzdem voller Emotionen". "Wir konnten uns ja nicht auf die Seite von Daschner schlagen", sagt er und betont den Anspruch auf Authentizität: Der Film folge nicht dem Gesetz der Dramaturgie, sondern der Faktenvorgabe. Alles, was er zeige, sei durch mindestens zwei Quellen belegbar. Damit gelang den Machern des 90-minütigen Streifens ein Werk, nah dran an der Wirklichkeit, das nicht bewertet oder belehrt, das erzählt, was passiert ist, und trotzdem - auch wenn man weiß, was geschehen wird - spannend bleibt. Und Fragen aufwirft: Wie hättest Du in der Situation entschieden?, soll sich der Zuschauer fragen.

Abgesichert "bis ins Allerletzte"

Eben in der Situation des Chefermittlers Daschner, der dem Täter im Verhör Schmerzen androhen ließ, um das Versteck des Kindes zu finden. Atzorn, herausragender und als Mensch mit seiner Filmfigur sympathisierender Hauptdarsteller, zeigt Daschner als einen unter Druck stehenden und in einem Dilemma steckenden Ermittler. Einer, der überzeugt ist, richtig gehandelt zu haben, und der dann doch erleben muss, wie er als Folterer beschimpft wird, welche Debatte um seine Entscheidung entbrennt, wie sich Kollegen von ihm abwenden und wie er sich selbst vor Gericht verantworten muss. Neben Atzorn spielen Uwe Bohm Daschners Kollegen Ortwin Ennigkeit, Hanns Zischler das Familienoberhaupt der Metzlers, Jenny Schily seine Frau und Johannes Allmayer den Mörder Gäfgen.

Gäfgens Anwälte seien über das Projekt informiert worden, rechtliche Schritte hätten sie nicht eingeleitet, erklärten die Macher. Abgesichert "bis ins Allerletzte" habe man sich. So sieht man unter anderem nicht jenen Moment des Verhörs, in dem Polizist Ennigkeit auf Daschners Anweisung hin Gäfgen droht. "Was in dem Raum passiert ist, wissen nur die beiden", betonen die Macher. Für ausgesprochen authentisch hält laut "Bild am Sonntag" Friedrich von Metzler den Film - gerade weil es für die Familie essenziell wichtig war, dass er nicht mit dem Auffinden von Jakobs Leiche endet. Auch Daschner bescheinigte dem Werk Authentizität. Der Film schildere den tatsächlichen Ablauf des Falls und seine Folgen, zitierte ihn "Der Spiegel". Diese Wahrheit habe er bislang in den Medien vermisst.

Dorit Koch, DPA / DPA