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ZDF-Streifen "Papa allein zu Haus": Altes Ekel, junge Schnauze

Stellen Sie sich vor, ein ergrauter Ekel-Alfred-Verschnitt wird Witwer und muss sich plötzlich um ein junges Mädchen kümmern. Im ZDF-Film "Papa allein zu Haus" passiert Götz George genau das.

Die zwei sitzen im Kino. Von der Leinwand rieselt bittersüße Puccini-Musik herab. Die coole Kleine wischt sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel und schielt zum grimmigen Bärbeiß an ihrer Seite. Auch der wischt sich gerade die Tränen ab. Das ist eine der anrührendsten Szenen im Film "Papa allein zu Haus", den das ZDF an diesem Montagabend zur Prime Time zeigt.

Vivian Naefe führte Regie und schrieb gleich auch das Buch. Das alt vertraute "Altes Herz wird wieder jung"-Muster schimmert unverkennbar durch: Ein daherpolterndes Raubein, das seine Frau mies behandelt und seine Kinder verachtet, wird unverhofft Witwer und dazu noch als städtischer Verkehrsplaner in den frühen Ruhestand geschickt. Er bekommt nun zu spüren: Er ist allein.

Überdies baut er auch noch einen Unfall, ein junges Mädchen kommt zu Schaden, und die Kleine hat es in sich, ein Rinnsteinpflänzchen und moralischer Dreckspatz mit Riesenkodderschnauze. Auflage des Gerichts: sich um das Schmuddelkind zu kümmern. Was der Alte auch tut. Erst sehr widerwillig, dann immer engagierter. Und sie lässt sich das nach anfänglich heftigstem Widerstand zunehmend gefallen. Denn jeder erkennt im Schicksal des anderen sein eigenes. Zwei Einsamkeiten scheinen sich gefunden zu haben.

Die nicht in allem ganz schlüssige Geschichte lebt vom Dialog mit vielen kecken Glanzlichtern. Etwa: "Nur die Guten sterben jung. Papa wird hundert." Oder: "Fuck you! - Heute mal nicht!" Und sie lebt von den Darstellern.

Götz George als Ekel Theo liefert eines seiner schnaufenden, röchelnden, auch mal brüllenden, dann wieder ganz leisen Charakterbilder. Seine Gegenspielerin als Mädchen Johanna: Janina Stopper. Die viel gelobte 21-jährige Trägerin des Günter-Strack-Preises als beste Nachwuchsdarstellerin, der ihre minderjährige Mutter im Bayern-"Tatort" mit dem Titel "Kleine Herzen" den New Faces Award eintrug, hatte schon einmal in einem "Schimanski" mit George vor der Kamera stehen sollen und war traurig, als daraus nichts wurde. Nun war es soweit.

"Ein bisschen Angst" vor dem berühmten Kollegen kann sie nicht leugnen, ist aber zugleich voll Bewunderung für seine Präsenz und das darstellerische Charisma: "Ich verstehe, dass Damen jeder Altersstufe für ihn schwärmen." Schwierigkeiten gab es dann nicht, weder mit dem Partner noch mit der Rolle: "Das ist ein sehr armes Mädchen, als Kind zur Adoption freigegeben, oft auf der schiefen Bahn, aber dabei kein gebrochener Typ. Die hat etwas sehr Robustes an sich, einen unversehrten Kern. Ich mag diesen Typ." Danach darf es allerdings mit den zerzausten Jugendlichen etwas Schluss sein: "Jetzt würde ich in meinen Rollen ganz gern mal erwachsen werden."

Am Ende, von Johanna getrieben, erfüllt sich Theo einen Herzenswunsch und tuckert mit der Eisenbahn Richtung Sibirien. Natürlich stellt sich als Reisegefährtin, im quasi allerletzten Augenblick, die neue Seelenfreundin ein, und ein weiterer Film über beider Reise könnte recht amüsant sein.

jwi/DPA / DPA
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