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Österreich: Nationalelf beschwert sich über Boulevard-Blatt

Österreichs Nationalspieler haben die Schnauze voll. In einem offenen Brief prangern sie die Berichte der Tageszeitung "Österreich" an. Vermeintliche Exklusiv-Interviews etwa seien nie geführt worden.

Man muss sich das in etwa so vorstellen: Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger und alle anderen aktuellen DFB-Nationalspieler setzen sich hin und unterzeichnen einen offenen Brief, in dem sie sich über die Berichte der "Bild"-Zeitung beschweren.

Exakt das ist gerade in Österreich passiert. In einem auf der Verbandsseite publik gemachten Schreiben beklagt sich das Nationalteam über die Berichterstattung der Tageszeitung "Österreich". "Es ist uns klar, dass wir mit diesem Schreiben ein Tabu brechen, nämlich jenes, ein Medium massiv zu kritisieren", heißt es darin. Das Maß sei einfach voll: "Die Fülle an schlecht bis gar nicht recherchierten Artikeln in der Tageszeitung 'Österreich', die häufig als 'Exklusiv-Interviews' bezeichneten Berichte, für die niemand von uns jemals interviewt worden ist, die reißerischen Texte, die nicht selten in Beleidigungen gipfeln (…) wollen wir nicht mehr unkommentiert hinnehmen."

Auslöser der Aktion dürfte vor allem auch der Umgang der "Österreich"-Journalisten mit Nationaltrainer Marcel Koller gewesen sein. Nach Kollers Flirt mit dem Trainerposten in der Schweiz wurde der Coach als "Verräter" tituliert, den man "als Packerl an die Schweizer schicken" sollte.

Nationalspieler wollen Lesern die Augen öffnen

Wie schnell sich in dem populistischem Blatt der Wind drehen kann, zeigte sich ein paar Tage später, als Koller seine Vertragsverlängerung bekanntgab. Da war er für die Zeitung plötzlich wieder "ein Teamchef mit Herz".

"Österreich" ist eine überregionale Tageszeitung, die seit September 2006 in der Alpenrepublik erscheint. Herausgeber ist der Journalist Wolfgang Fellner. Medienjournalisten zufolge ist das Blatt eine Mischung aus "Daily Mirror", "Kronen Zeitung" und "Bild". Allerdings gerät das Blatt aufgrund seiner populistischen und mit Fehlern behafteten Berichterstattung immer wieder in die Kritik.

Den Spielern sei klar, dass man mit dem offenen Brief die Blattlinie nicht ändern werde. Jedoch: "Wir hoffen aber, damit den Medienkonsumenten ein kritisches Hinterfragen der Artikel in der Tageszeitung 'Österreich anzuregen.

Im Klartext heißt das wohl: Leute, ihr dürft nicht alles glauben, was in dieser Postille geschrieben steht!

kng

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