HOME
Neon-Logo
Interview

Ex-"Aloha from Hell"-Sängerin: Als Teenager wurde Vivien berühmt – nun wagt sie ihr Solo-Comeback

Sängerin Vivien ist ab sofort als Solokünstlerin unterwegs. Im Interview spricht sie über vergangene Zeiten mit "Aloha from Hell", die Folgen der Coronavirus-Krise und ihr Leben in Berlin.

Sängerin Vivien

Vivien meldet sich mit ihrer Single zurück – "Vibe" erschien am 22. Mai

Sie wurde als Teenager plötzlich berühmt: Vivi Bauernschmidt hat als 16-Jährige mit ihrer Band "Aloha from Hell" viel erlebt – Plattenvertrag mit Sony Music, Tour-Support von Tokio Hotel, Nummer eins der Albumcharts in Japan. Mehr als ein Jahrzehnt später veröffentlicht sie jetzt die erste Single ihres Albums, das Anfang 2021 kommen soll. Aus Vivi wurde Vivien, aus englischen Texten wurden deutsche und aus Pop-Punk wurde Deutsch-Pop. Im Interview spricht sie über ihre neuen Pläne.

Vivien, heute wird deine neue Single "Vibe" veröffentlicht, eine Auskopplung deiner ersten EP als Solokünstlerin. Worum geht es in diesem Song?
Die Idee zum Titel kam bei einer Songwriting-Session mit Freunden, wir haben intensiv gearbeitet, kamen aber nicht voran. Wir haben uns gefragt, was fehlt, und jemand hat gesagt: "Der Vibe!" Um einen herum passiert so viel und man denkt zu viel nach, statt sich öfter der Leichtigkeit hinzugeben und dem Vibe zu folgen.

Du singst in deinem Lied "Mit dir ist alles vibe". Richtet sich das an eine bestimmte Person?
Ich habe einen neuen Menschen kennengelernt, wir haben philosophiert, dass die Welt Kopf steht, so vieles täglich auf einen hereinprasselt. Plötzlich hat sich ein Gefühl von Leichtigkeit eingestellt, die Sorgen wurden egal, weil wir eine Verbindung hatten. Aber es beschreibt nicht nur die Situation mit einem Partner, auch mit Freunden, Familien oder einer Stadt. 

Welche Geschichte möchtest du mit deinen Liedern erzählen?
Texte zu schreiben ist für mich eine Art Selbsttherapie, meine Suche nach dem richtigen Gefühl. Ich habe ein paar Dinge erlebt, möchte darüber sprechen, um damit Menschen zu helfen, denen es ähnlich geht. Am Ende ist die Botschaft klar: Man muss sich selbst vertrauen, nicht zu viel nachdenken und auch mal Leichtigkeit zulassen. Wenn ich das mit meiner Musik schaffe, dann bin ich glücklich.

Der Videodreh zu "Vibe" musste wegen Corona abgesagt werden. Wie habt ihr das Problem gelöst?
Wir haben die Pläne einmal komplett über den Haufen geworfen und beschlossen, meine schöne Wohnung hier in Berlin als Drehort zu nutzen. Nur ich und mein Kameramann, den ich glücklicherweise auch meinen Freund nennen darf, haben dann ganz quarantäne-konform zu zweit das Video gedreht. Der Song richtet sich natürlich auch an ihn, den Mann, den ich liebe. Deshalb passt es gut, dass das Video jetzt so persönlich und intim entstanden ist. Durch eine Super 8-Kamera hat es auch noch einen coolen Vintage-Look bekommen, passend zu den Klamotten, die sind auch fast ausschließlich Vintage. 

Ist das ein wichtiges Thema für dich?
Ja, mir ist aufgefallen, wie krass man konsumiert, dass man das wirklich bewusster machen sollte und es schön ist, lokale Geschäfte zu unterstützen. Mit dem Vintage-Laden bei mir um die Ecke bin ich auch schon am Ideen sammeln für meine Merchandise-Artikel. Ich fände es sehr schön, wenn ich gebrauchte Teile kaufen könnte und die dann brande. Das wäre nachhaltig und es würden absolute Unikate dabei herauskommen.

Du wohnst in Berlin. Hat die Stadt dich auch verändert? 
Ich habe neulich erschrocken festgestellt, dass ich hier bald seit zehn Jahren wohne. Die Stadt macht viel mit einem und hat viel zu meiner Entwicklung beigetragen. Auch Berlin ist "Vibe", die Leute sitzen draußen, leben und lieben, es fühlt sich leicht an. Berlin kann einen schlecht behandelt, aber auch wunderschön sein, diese Momente muss man sich dann einfach suchen.

Texte zu schreiben ist für mich eine Art Selbsttherapie, meine Suche nach dem richtigen Gefühl.

Du warst als Teenager berühmt, hast mit deiner Band "Aloha from Hell" Erfolge gefeiert. Warum hast du dich jetzt dazu entschlossen, als Solokünstlerin weiterzumachen?
Ich musste erst einmal herausfinden, wer ich bin und was ich will. Bei diesem Prozess wollte ich mir von niemandem reinreden lassen und auch niemanden mit reinziehen. Und obwohl ich am Ende als Solokünstlerin auf der Bühne stehe, bin ich ja nicht alleine. Ich habe ein großes Team aus Freunden, die auch Musiker und Produzenten sind, die mich unterstützen, mich aber gleichzeitig auch so nehmen, wie ich bin.

Helfen dir die Erfahrungen von früher?
Ich bin dadurch vorbereitet, habe aber auch Respekt, weil ich weiß, was alles auf mich zukommt. Ohne die Erfahrungen, die ich machen durfte, wäre ich nicht, wer ich heute bin. Ich treffe Entscheidungen bewusster. Zum Beispiel, wie viel Kraft und wie viel von mir selbst ich geben möchte. Man steht dann ja in der Öffentlichkeit, es ist wichtig, eine sehr dicke Haut zu haben. Aber was einem das Publikum zurückgibt, ist es wert.

Wie hat sich die Musikbranchen verändert?
Als wir damals berühmt waren, gab es zum Beispiel kein Social Media, wir sind durch Live-Auftritte bekannt geworden; VIVA und MTV waren noch große Sprungbretter. Heute ist das eine ganz andere Welt. Ich sehe Instagram aber zum Besipiel als große Chance, die ich auch nutzen will.

Gerade in Zeiten von Corona finden wenige Live-Auftritte statt. Siehst du dich um eine Chance gebracht, weil die Veröffentlichung in diese Zeit fällt?
Man kann es ja nicht ändern. Natürlich will man als Musiker auf die Bühne und lebt vom Publikum. Ich denke aber, man muss das Ganze positiv sehen, auch kleinere Künstler bekommen jetzt Möglichkeiten und Plattformen, um gehört zu werden. Es ist eine interessante Zeit, auch wenn man natürlich nie alleine von Online-Auftritten leben kann. 

Du hast dich entschieden, auf Deutsch zu singen. Warum?
Ich habe eine fertige englische EP zu Hause liegen, aber die habe ich nie herausgebracht, es hat sich einfach nicht richtig angefühlt. Ich habe immer gesagt, ich werde niemals auf Deutsch singen – bis mich ein Freund zu einer deutschen Songwriting-Session mitgenommen hat. Auf einmal wurde es richtig persönlich, wir hatten nach drei Stunden einen Song, der mich beim Einsingen zum Weinen gebracht hat. Ich war wirklich überrascht, wie ich klang und dass es mich so berührt hat. Später habe ich selbst noch ein paar Sessions mit Vertrauten gemacht, bei denen ich mich fallen lassen konnte. Es fühlt sich ehrlich an, in meiner Muttersprache über die Gefühle zu singen, die ich in mir trage.

Themen in diesem Artikel
  • Laura Schüler