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85. Geburtstag: Ein Charmeur im Schatten seiner Königin

Er nimmt selten ein Blatt vor den Mund: Prinz Philip, der Mann von Queen Elizabeth, tritt deshalb oft in politische Fettnäpfchen. Am Samstag feiert der "König des Fauxpas" Geburtstag.

Als Gemahl und wichtigste Stütze von Queen Elizabeth II. übt er enormen Einfluss auf die Geschicke des britischen Hofes und der königlichen Familie aus. Zudem macht Prinz Philip, der am 10. Juni 1921 auf dem Küchentisch der griechisch-königlichen Villa Mon Repos in Korfu geboren wurde, auch mit 85 Jahren noch eine herausragend gute Figur.

Ohne die wäre der gut aussehende Adlige vermutlich nicht geworden, was er ist. An einem sonnigen Samstag des Jahres 1939 war bei einem Besuch der Königsfamilie im Royal Naval College in Dartmouth der Blick einer ganz besonderen jungen Lady auf den großen, blonden und blauäugigen Kadetten gefallen. Beide sind Ururenkel der legendären Queen Victoria - und doch lagen damals Welten zwischen ihnen.

"Liebe auf den ersten Blick"

Sie war 13, wurde von allen zärtlich Lilibet gerufen und war als Thronfolgerin die prominenteste Jugendliche Großbritanniens. Er war 18, der verarmte Spross einer zerrütteten und vertriebenen Königsfamilie Griechenlands von dänisch-deutscher Herkunft. Mit 18 Monaten war er als Flüchtling auf einem Schiff der Königlichen Marine ins Land gekommen.

Doch zwischen ihm und Lilibet, so gestand sie ihren Eltern später, war es "Liebe auf den ersten Blick". Weihnachten 1943 durfte Philip - er hatte sich inzwischen als Marineoffizier in Kampfeinsätzen des Zweiten Weltkrieges bewährt - auf Schloss Windsor verbringen. Die Romanze nahm ihren Lauf und am 20. November 1947 traten Elizabeth und Philip in der Westminster Abbey vor den Traualtar.

An diesem Tag hatte Philip noch ganze 12 Pence auf seinem Bankkonto (heute wird sein persönliches Vermögen auf umgerechnet rund 45 Millionen Euro geschätzt). Sein bedeutendstes Hochzeitsgeschenk an Elizabeth: Er gab das Rauchen auf. Oft hatte der Mann zurückstecken müssen, der erst kurz vor der Eheschließung die britische Staatsbürgerschaft bekam.

"Philip, der Hunne"

Der einstige Prinz von Griechenland und Dänemark durfte sich als Gatte der Queen zwar Royal Highness nennen, aber er trug zunächst keinen britischen Prinzentitel. Das holte Elizabeth II. erst 1957 nach. Die Schwiegermutter Queen Mum nannte ihn wegen seiner Verwandtschaftslinie zum Geschlecht der Großherzöge von Hessen gern "Philip, der Hunne". Nur manchmal packte ihn Zorn: "Ich bin hier nichts weiter als eine verdammte Amöbe", schimpfte er einmal.

Da hatte die Queen auf Anraten von Winston Churchill gerade verfügt, dass ihre Kinder den Familiennamen Windsor tragen würden - und nicht Windsor-Mountbatten, wie Philip dies als Nachfahre der zu Mountbatten anglizierten Battenbergs gewollt hatte. Bald gingen Gerüchte um, er räche sich mit Affären für den öffentlichen Dauerplatz hinter der Königin, die er zu Hause freilich "Sausage" (Würstchen) nennt.

Seriöse Biografen halten nicht viel von dem Affären-Getratsche. Richtig ist aber, dass Frauen Prinz Philip als attraktiv beschrieben. Der "Hunne" verfügt über die Qualitäten eines Charmeurs. "Immer schaut er einem über die Schulter, um nachzusehen, ob er nicht irgendwo ein attraktiveres Wesen verpasst", lobte eine seiner vielen Gesprächspartnerinnen.

Sein Job war der eines Gemahls

1952 hatte er Elizabeth bei einer Safari in Kenia die Nachricht vom Tod ihres Vaters überbracht. Es war eine Nachricht, die für ihn das vorzeitige Aus für den Traum vom Oberkommando der Navy bedeutete. Bei der Landung in Heathrow blieb er erstmals protokollgerecht auf der Gangway zwei Schritte hinter Elizabeth zurück - sie war nun Königin, sein Job war nur noch der eines Gemahls.

Doch Philip suchte Freiräume und Herausforderungen. Er lernte, etliche Flugzeugtypen zu fliegen, erlangte Meisterschaft im Polospiel und als Kutschenrennfahrer, engagierte sich als Präsident des Welttierschutzfonds WWF und schrieb Sachbücher über Vogelbeobachtung, Pferdekutschen und Naturschutz.

Wieder muss Philip zurückstehen

Philips öffentliche ironische "Ausrutscher" galten keineswegs allein "exotischen Ausländern". Das war behauptet worden, um dem Prinzen einen "unterschwelligen Rassismus" anzudichten. 2002, im Jahr des 50. Thronjubiläums der Queen, sagte er Reportern, der Monat August sei sehr schön: Dann seien die Feiern für die Gattin vorbei.

In diesem Jahr geht es ihm ähnlich. Seit Monaten wird der 80. Geburtstag der Königin (21. April) immer wieder begangen. Den Höhepunkt erreichen die Feste am 17. Juni mit der Militärparade "Trooping the Colour". Wieder muss Philip hinter seinem "Würstchen" zurückstehen, während es für seinen 85. ein paar Tage vorher wieder keinen Staatsakt gibt.

Thomas Burmeister, DPA / DPA