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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Es ist nicht das, wonach es aussieht

Diese Woche gelernt: Nicht überall, wo Porno draufsteht, ist auch Porno drin. In Hollywood ist nicht alles echt. Und das Dschungelcamp ist nie vorbei.

Von Stefan Mielchen

Pünktlich zum Start der Berlinale muss die Filmgeschichte umgeschrieben werden. Genauer gesagt: die Geschichte des Farbfilms für Erwachsene. Dort setzt neuerdings eine Nachwuchsmieze alle bisher geltenden Regeln des Genres außer Kraft: Tatjana Gsell, 39. Bislang durfte der Porno-Normalverbraucher davon ausgehen, dass sich in diesem Gewerbe Menschen für Geld dazu hergeben, anderen Menschen ein paar glückliche Augenblicke zu schenken. Die Busenmacherwitwe verkehrt dieses Prinzip jedoch in einem Stripfilm ins glatte Gegenteil, der diese Woche Premiere feierte.

Mit rosa Häschenohren auf dem Kopf räkelt sich die verhinderte Erotikqueen in einem Planschbecken und schaut dabei grenzdebil in die Kamera. Zur Abwechslung lugt sie an anderer Stelle mit ungelenkem Hüftschwung hinter einem Busch hervor, um sich vom lästigen Bikini zu befreien. Denn der droht jeden Augenblick zu bersten... Nicht, dass man von einem Streifen ab 18 zwingend ein ausgereiftes Drehbuch mit Aussicht auf den Goldenen Bären erwartete. Doch die peinliche Zellulite-Performance lässt noch den hungrigsten Junggesellen gelangweilt abschalten: schlaff, schlaffer, Gsell.

"Ja, es ist ernst mit uns!"

Die Formel "schwul, schwuler, Jay" gilt hingegen seit dieser Woche offiziell als überholt. Die Campingfreunde aus dem australischen Dschungel tragen ihren Grimme-Preis-verdächtigen Lagerkoller weiterhin öffentlich aus. Allen voran Sarah, Jay und Indira - die größten Giftschlangen seit Erfindung der Schwarzen Mamba. "Nein, nein, nein" wies Jay Khan in dieser Woche sämtliche Heititei-Gerüchte weit von sich - und man sah förmlich, wie er sich dabei die gespreizte Hand vors Dekolleté warf. "Am besten fragen Sie doch Sarah persönlich, ob ich schwul bin", empfahl er den Nattern der "Bild"-Zeitung, während Knutschpartnerin Indira via "Bunte" quasi notariell beglaubigte, worauf die Nation gewartet hatte: "Ja, es ist ernst mit uns. Jay und ich sind ein Paar." Das wiederum mochte Fräulein Knappik so nicht stehen lassen: "Ich kauf' den beiden das nicht ab. Aber vielleicht bringen die Umstände sie wirklich zusammen - sie haben ja nur noch sich", ätzte die 24-Jährige, deren Sympathiewerte selbst Guido Westerwelle als beliebtesten Deutschen erscheinen lassen.

So wie er hat auch Sarah kaum noch Freunde. Nicht mal mehr Gina-Lisa: Seit ihre beste Freundin die Dschungelvegetarierin als fleischfressende Pflanze outete, wird La Lohfink nicht mal mehr ignoriert. Die allerdings ist mittlerweile so unten, dass sie Werbung für ein Computerballerspiel in Weltkriegs-Optik machen muss - in Strapsen und Stahlhelm. Vor kurzem noch Konjunkturprogramm für die Silikonindustrie, schlug der 24-Jährige Atombusen in dieser Woche systemkritische Töne an: "Die Leute werden verarscht und vor eine optisch perfekte Welt gestellt", sagte die Trash-Blondine der "Hamburger Morgenpost", meinte aber überraschenderweise nicht sich selbst. "Diese Frauen in Hollywood - davon ist keine mehr echt. Die haben alle was machen lassen." Wie gut, dass es Gina-Lisa gibt: Sonst hätten wir das nie erfahren!

Hassle the Hoff in Kassel

Noch eine weitere intellektuelle Stütze unseres Landes meldete sich in dieser Woche mit einer Bemerkung zu Wort, die auf der nach oben offenen Bekloppten-Skala sogleich dramatisch in die Höhe schoss: "Ich würde auch ganz gerne noch mal Vater werden. Und Deutscher Meister", ließ sich Lothar Matthäus vernehmen. "Am liebsten mit dem FC Bayern." Während die Vorstandsetage an der Säbener Straße darob in schallendes Gelächter ausgebrochen sein soll, dürfte die Neue an Loddars Seite die Worte mit Wohlgefallen aufgenommen haben. "Ich weiß doch, was Frauen wünschen", sagte der 49-Jährige gönnerhaft, nachdem er seine 26 Jahre jüngere Ariadne zum Shoppen nach Paris entführt hatte. "Wir haben gemerkt, dass wir uns gegenseitig gut tun, und versuchen, das jetzt mal zu stabilisieren", beschrieb Matthäus den aktuellen Stand der Dinge. Klingt nicht unbedingt nach baldiger Vaterschaft. Leichter wäre es, wenn Matthäus seine Gespielinnen einfach adoptierte - das passende Alter hätten sie.

War sonst noch was? Na klar: Benjamin Tewaag ist die Freundin weggelaufen. Der Sohn von Uschi Glas, dem bekanntlich gern mal die Hand ausrutscht, geht vorerst wieder allein durchs Leben. Und da selbst die schmierigsten Boulevardreporter derzeit Besseres zu tun haben, als ausgerechnet bei ihm Schlange zu stehen, hat der gute Ben seinen neuen Beziehungsstatus via Facebook mitgeteilt - irgendwer wird's schon merken. Spätestens, wenn er dort demnächst seine Adresse ändert, dürfte sich die Aufmerksamkeit erhöhen. "Wohnt in Einzelzelle, Stadelheim" lockt auch endlich wieder die Reporter an. Und noch eine weitere tragische Figur könnte schon bald beim Einwohnermeldeamt vorstellig werden: David Hasselhoff soll ernsthaft überlegen, einen Bauernhof in der Umgebung von Kassel zu kaufen. Baywatch am Edersee? Unter 34385 Hasselhof könnte The Hoff schon bald eine neue Heimat finden. Aber was macht einer wie er auf einem abgelegenen Rittergut? "Looking for freedom"? Solch unwirtliche Orte beherbergen normalerweise Therapieeinrichtungen für Suchtkranke (würde passen) oder Familien, die ein paar Leichen im Keller haben (eher nicht). Während die Fans über Davids Motive rätseln, steht zumindest fest: Wer sich freiwillig in die Einöde von Hessisch-Sibirien begibt - der muss ganz schön verzweifelt sein.