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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Naddel feiert den Weltfrauentag im Bordell

Alaaf und Helau aus dem Freuden- statt Frauenhaus: Den Weltfrauentag verbrachte Nadja Abd el Farrag im Bordell. Da musste ausgerechnet Obermacho Daniel Craig die Ehre des weiblichen Geschlechts retten - in Pumps und mit Lippenstift.

Von Stefan Mielchen

Sie passt so gut zum Weltfrauentag wie Alice Schwarzer an den Herd: Nadja Abd el Farrag. Den Tag für die Rechte ihrer Geschlechtsgenossinnen verbrachte Naddel im Bordell. Offenbar war ihr nach Rosenmontag eher nach Karneval als nach Geschlechterkampf zu Mute. In einem Wiener Rotlicht-Etablissment fungierte die 46-Jährige als Ehrenjurorin einer Miss-Erotik-Wahl. Bei Fleischbeschau und Stangentanz durfte die Bohlen-Ex ihr fachliches Urteil fällen und legte dabei Kriterien an, die so simpel gestrickt waren wie sie selbst: "Ausstrahlung und Tanztalent zählen", sagte sie dem Fernsehsender RTL. Da darf man wohl froh sein, dass sie nicht selber antreten musste. Kritik am Job der Busenbegutachterin mochte Naddel in dem Interview nicht gelten lassen. Stattdessen lallte sie zusammenhanglose Wortfetzen in die Kamera: "Schau dir doch mal die Menschen an … TV anmachen ... Ministerpräsident ... Ich rede nicht nur von italiano und anyway ... Was machen die denn?!" Nee, is' klar! Offenbar gab's neben der Ehre des Amtes auch reichlich Puffbrause als Lohn für die Jury.

Gut, dass es noch engagierte Frauenrechtlerinnen gibt. Zu denen gehört neuerdings auch Daniel Craig. Den kennt man eigentlich als Haudrauf und 007. Aus James Bond wurde in dieser Woche allerdings Jane Bond - und das ganz ohne finalen Schnitt. "Nieder mit dem Männlichkeitswahn", hieß es für den Mann, der im Auftrag Ihrer Majestät sonst reihenweise Frauen flachlegt: In Nylons und Pumps, mit Perücke, Kleid und Perlenkettchen stand Craig für ein Video in dieser Woche seinen Mann, um ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen. Darauf hat die Damenwelt gewartet: Eine Fummeltante als Rollenmodell - da bleibt die geneigte Betrachterin wohl eher geschüttelt als gerührt zurück.

Kelly Osbourne will nur noch schwule Männer

Es gibt aber noch Frauen, die die Dinge selbst in den Mund nehmen. Kelly Osbourne hat von Männern irgendwie genug - ganz ohne sie geht's aber auch nicht. Über ihren Ex-Freund Luke Worall twitterte die Rocker-Tochter noch Ende vergangenen Jahres in der ihr eigenen Offenheit, er sei "das größte Stück Scheiße". Jetzt sagte die 26-Jährige dem US-Magazin "Closer", dass sie von Hetero-Männern endgültig die Nase voll habe. Logische Konsequenz: "Ich hätte gerne ein Baby mit meinem schwulen besten Freund Nate", sagte Kelly. "Wir wären die perfekten Eltern, und meine Mutter fände es super." Auf die Idee, außer Mum auch mal die Jungs zu fragen, kam Frollein Osbourne indes noch nicht. Denn weder wusste Homo-Nate bis dato, dass er von seiner besten Freundin auf die Rolle als Samenspender reduziert wird, noch war Kellys neuer Lover Rob Damiani in die Familienplanung involviert. Der sollte sich ein Beispiel an Eros Ramazotti nehmen: "Ich habe dreimal pro Tag Sex", ließ der 47-Jährige Italo-Macho die Welt in dieser Woche wissen. Und siehe da, einmal hat er getroffen - er wird wieder Vater. Amore mio!

Als Kostverächter wird auch Ramazottis Landsmann Silvio Berlusconi nicht in die Geschichte eingehen. Doch Bunga hin, Bunga her - auch ein Diktator, scusi: Ministerpräsident hat's schwer. Ein Mailänder Arzt musste in dieser Woche Hand an Silvio legen. Denn seit ihm vor anderthalb Jahren eine Alabaster-Statuette des Mailänder Doms mit voller Wucht an den Schädel flog, litt Cheffe unter Problemen beim Kauen und Sprechen (das mit dem Denken hatte er schon vorher). Der Attentäter hatte für die besten vier Wochen in Berlusconis Amtszeit gesorgt: So lange ließ sich der 74-Jährige damals ob der polierten Gesichtszüge nicht öffentlich blicken. Jetzt wurde alles wieder hergerichtet, so dass mit vielen weiteren italienischen Momenten im Leben zu rechnen sein dürfte: Auf eine Gehirn-OP verzichtete Berlusconi nämlich.

Bei Hugh Hefner steht unten rum alles zum Besten

Doch selbst wenn es oben rum hapert: Hauptsache, unten rum steht alles zum Besten! Das denkt sich auch "Playboy"-Erfinder Hugh Hefner, ebenfalls ein Vorkämpfer für das Recht auf volle Entfaltung der Frauen. Mit 84 scheint er am Ziel seiner Träume angelangt zu sein: Kurz vor der Hochzeit mit dem 60 Jahre jüngeren Playmate Crystal Harris sagte der Herr der Busen im eigenen Blatt: "Ich liebe Happy Ends in Filmen, und ich finde, dass mein Leben auf ein sehr glückliches Ende zugeht." Die Formel "bis dass der Tod Euch scheidet" bekommt angesichts dieser Ehe eine ganz neue Bedeutung, zumal der Hochzeitstermin optimistisch auf Mitte Juni gelegt wurde. Und auch die Zukünftige will ihren Teil dazu beisteuern, dass Hefners wohl letzte Reise in den Hafen der Ehe so angenehm wie möglich wird. Eine offene Beziehung komme für sie nicht in Frage - sie stehe auf Treue: "Das ist der Grund, warum man heiratet", sagte Crystal. Klingt so glaubwürdig, als hätte sie's im Handbuch "Wie angelt man sich einen Millionär?" gelesen.

War sonst noch was? Na klar: Eine lebende Legende kündigte in dieser Woche endlich an, ihre Memoiren zu verfassen. Zumindest die lassen sich nicht frisieren, denn ein so selbstloses und glamouröses Leben wie das von KT und Stephanie ist weltweit einmalig! Statt der Erinnerungen ließe sich sicherlich auch ein Benimm-Ratgeber gut vermarkten: Die Guttenberg-Bibel könnte auf Freiherren-Niveau den Kollegen Knigge endgültig ablösen. Eine Stilfrage bleibt am Ende dieser Woche allerdings offen: Warum musste beim großen Tschingerassabum eigentlich "Smoke On The Water" gespielt werden? Eine andere Melodie wäre für Deutschlands bekanntestes Brisk-Testimonial doch wesentlich angemessener gewesen: "Du hast die Haare schön!"

  • Stefan Mielchen