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Abgewatscht - der satirische Wochenrückblick: Schnee, Fleisch und andere Drogen

Während Paris Hilton Drogenvorwürfe dementiert, ergötzt sich Karl Lagerfeld rein platonisch an seiner Muse Baptiste Giabiconi. Nur Lady Gaga steht zu ihrer Fleischeslust.

Von Stefan Mielchen

Es ist der Prozess des Jahres (sorry, Kachelmann). Und egal, wie er am Ende ausgeht: Hinterher wird nichts mehr so sein wie vorher. Denn Richter Gnadenlos in Los Angeles kennt keinen Promi-Bonus: Joe M. Bonaventure hat schon Ex-Footballer O.J. Simpson wegen eines bewaffneten Raubüberfalls für 33 Jahre in den Knast geschickt. Wenn am 27. Oktober alles gut läuft, hat die Welt auch vor Paris Hilton bald für längere Zeit Ruhe.

Der 29-jährigen Blondine könnte ihr Schneetreiben zum Verhängnis werden: Bei einer Verkehrskontrolle in Las Vegas war das It-Girl Ende August mit einem Päckchen Koks erwischt worden, das ihr aus der Tasche gepurzelt war. Madame wollte sich für die Polizisten noch schnell zurechtmachen und etwas Lipgloss auftragen, als das Missgeschick passierte. Doch nun läuft Paris zu echter Blondinenhochform auf: Die Tasche gehöre gar nicht ihr, behauptete sie diese Woche. Klaut sie also auch noch? Keineswegs, kurz zuvor hatte sie ein Foto von sich und dem Corpus Delicti fröhlich durch die Welt getwittert: "Ich liebe mein neues Chanel-Täschchen, das ich heute bekommen habe", hieß es da. Überführt, Schätzchen! Wie blöd kann man eigentlich sein?

Wie Oscar Wilde schon sagte...

Das fragt sich derzeit wohl auch Sänger George Michael, der nun für einige Wochen das gleiche Gebäude bewohnt, in dem es sich einst schon Oscar Wilde gemütlich gemacht hat: Caledonian Road, London, heißt die Adresse. Es ist allerdings kein schicker Schwulenclub nördlich der Themse, in dem der 47-Jährige demnächst abhängt, sondern eine Männerpension mit Gittern vor den Fenstern. Zwei Monate Knast: Auch George Michael wurde sein Hang zur Bewusstseinserweiterung zum Verhängnis. Jetzt sind Heulen und Zähneklappern groß!

Aber immerhin hat man im "HM Prison Pentonville" Erfahrung im Umgang mit VIP-Gästen, die intensive Geschäftsbeziehungen zu den örtlichen Drogenkartellen pflegen. Boy George erholte sich hier von den Fesselspielen mit einem Callboy, Musikerkollege Pete Doherty (der Ex von Koks Moss) schrieb nach den dröhnungsfreien Monaten in der Caledonian Road sogar einen Song über die Haftanstalt. George Michael, der seine permanente Kifferei selbstredend zutiefst bedauert, könnte die Zeit nutzen, um sich zu bilden, zum Beispiel anhand der Lektüre von Vormieter Wilde. Denn auch der gute Oscar wusste schon: "Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht."

Da ist Karl Lagerfeld zum Glück schon weiter. Der 77-Jährige ist derart vernarrt in seine Entdeckung Baptiste Giabiconi, dass er den 19-jährigen ehemaligen Hubschraubermonteur unentwegt fotografiert. Jetzt hat Karl der Große den makellos schönen Franzosen in einer Ausstellung verewigt, die Baptiste in äußerst aufreizenden Posen zeigt - Porno für die Augen! Doch Lagerfeld delektiert sich nurmehr künstlerisch an seiner Entdeckung - Anfassen ist nicht! Zumal der junge Mann dem eigenen Geschlecht gegenüber eher reserviert auftritt - er sei nicht schwul, heißt es allenthalben. Das wird sich sicherlich auch noch legen. "Seine Schönheit ist faszinierend", findet Lagerfeld denn auch. "Er liebt die Kamera - die Kamera liebt ihn", sagt er. Und die Kamera heißt Karl.

"Halt mal mein Fleischtäschchen"

War sonst noch was? Na klar: Lady Gaga macht ihrem Namen derart viel Ehre, dass man gar nicht mehr weiß, was da noch kommen soll. Jüngster Coup: das Fleischkleid, mit dem die "Bad Romance"-Sängerin in dieser Woche bei den MTV Video Music Awards auftauchte und in dem sie aussah, als sei sie gerade vom Schweinelaster gefallen. Während man sich noch seiner Ekelfaszination hingab, erklärte die Pop-Lady bereits die politische Botschaft ihres Outfits: "Wenn wir nicht aufstehen und für unsere Rechte eintreten, dann werden wir davon nur noch so viele haben wie Fleisch auf unseren Knochen", ließ sie zur Erklärung ihres spektakulären Auftrittes verlauten.

Man kann das auch anders deuten: "Wenn ich nichts machen lasse, werde ich in zwanzig Jahren so welk aussehen wie mein Kleid" könnte die Message der herunterhängenden Fleischlappen auch heißen. Wie zur Bestätigung posierte Gaga in Los Angeles neben einer Kollegin, die als wandelndes Ersatzteillager in die Geschichte einging und in Teilen schon 64 sein soll. "Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Cher darum bitten würde, meine Fleischtäschchen zu halten", flötete Gaga. Lifting-Opfer Cher verzog derweil keine Miene. Wie auch?