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Tödlicher Schuss am Set Alec Baldwin im Interview: "Jemand ist verantwortlich für den Vorfall – ich weiß, dass ich es nicht bin"

Alec Baldwin
Alec Baldwin sprach im US-TV über den tödlichen Zwischenfall am Set von "Rust"
© Gonzalez/CITYPRESS24/ / Picture Alliance
Sechs Wochen nach dem Tod einer Kamerafrau an einem Filmset in New Mexico meldet sich Hollywood-Star Alec Baldwin in einem emotionalen TV-Interview zu Wort. Er bestreitet, den Abzug des Revolvers betätigt zu haben.
Helene Laube

Alec Baldwin hat in einem Fernsehinterview beteuert, dass er nicht Schuld sei am Tod einer Kamerafrau bei Dreharbeiten im US-Bundesstaat New Mexico. Jemand habe eine scharfe Patrone in die Waffe geladen, die einen Schuss abgab und Halyna Hutchins tötete, sagte der Hollywood-Star. "Jemand lud eine scharfe Kugel in eine Schusswaffe, eine Kugel, die nicht auf dem Gelände hätte sein dürfen", sagte Baldwin in dem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview. "Jemand ist verantwortlich für das, was geschehen ist, und ich kann nicht sagen, wer das ist, aber ich weiß, dass ich es nicht bin."

Der 63-jährige Schauspieler sprach in dem emotionalen Interview mit dem US-Fernsehsender ABC zum ersten Mal ausführlich über den tragischen Vorfall am 21. Oktober am Set des Westerns "Rust". Er hatte bei den Dreharbeiten auf der Bonanza Creek Ranch nahe Santa Fe bei einer Probe für eine Szene das Ziehen der Requisitenwaffe geübt, als sie plötzlich einen Schuss abgab. Baldwin war gesagt worden, der antike Colt Revolver enthalte keine scharfe Munition. Kamerafrau Hutchins (42) wurde tödlich verletzt, Regisseur Joel Souza (48) wurde an der Schulter getroffen.

Noch prüfen Ermittler den Unfallhergang. Sie versuchen zu klären, wie es dazu kommen konnte, dass eine scharfe Patrone in die Waffe gelangte und warum die zuständigen Crew-Mitglieder die Patrone bei der Überprüfung übersahen. Das FBI ermittelt, warum der Revolver den Schuss abgab.

Alec Baldwin kämpft mit den Tränen

Obwohl er sich nicht verantwortlich fühlt für Hutchins' Tod, sei der Vorfall das Schlimmste, was ihm je zugestoßen sei, sagte Baldwin. Der "Rust"-Hauptdarsteller und -Produzent kämpfte mehrmals gegen Tränen an, als er während des Interviews über Hutchins sprach. Alle Kollegen hätten sie sehr gemocht und bewundert, sagte Baldwin und fügte hinzu, dass ihr Tod ihm nicht real erscheine. Er habe nicht gewusst, was er Hutchins Ehemann Matthew Hutchins beim ersten Zusammentreffen nach dem Vorfall sagen sollte: "Mir ging durch den Kopf, dass sein kleiner Junge keine Mutter mehr hat und dass wir sie nicht zurückbringen können."

Er glaube nicht, dass es sich bei dem Vorfall um Sabotage handelte, sagte Baldwin weiter. Es sei "überwältigend wahrscheinlich", dass es ein Unfall gewesen sei. "Rust"-Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed hatte den Sabotage-Vorwurf erhoben, aber Baldwin konnte für ein solches Szenario keine Gründe erkennen. Das sei ein "ungeheurer Vorwurf", sagte er dem ABC-News-Moderator George Stephanopoulos. "Warum sollte jemand das tun? Um wen anzugreifen? Um wen zu diskreditieren? Um mir zu schaden? Der Produktion? Was wäre das Motiv?", sagte Baldwin.

Baldwin sagte weiter, er habe den Abzug der Filmwaffe nicht betätigt: "Ich würde niemals eine Waffe auf jemanden richten und abdrücken." Nachdem er den Hahn der Waffe gespannt hatte, habe er den Hahn losgelassen und ein Schuss löste sich, so Baldwin. "Ich habe den Abzug nie betätigt", bekräftigte er.

Diese Aussage, die Baldwin in einem von ABC am Mittwoch vorab veröffentlichten Interviewausschnitt machte, wurde von "Rust"- Regieassistent David Halls bestätigt. Halls' Anwältin Lisa Torraco sagte ABC am Donnerstag, Halls sage ihr dies seit dem Unfall. Baldwins Finger habe sich laut Halls die ganze Zeit außerhalb des Abzugbügels befunden, parallel zum Lauf.

Halls war es, der Baldwin die Filmwaffe mit den Worten "kalte Waffe" – Filmjargon für eine ungeladene oder mit Pufferpatronen geladene Waffe – reichte. "Was dort geschah, und warum er diese Aussage machte und was die tatsächlichen Gegebenheiten waren – ich habe keine Ahnung", sagte Baldwin im Interview. Halls sagte Ermittlern, dass er nicht alle Patronen in dem Revolver überprüfte, bevor er sie Baldwin gab.

Baldwin erwartet keine Anklage gegen ihn

Baldwin sagte, dass er nicht erwarte, dass eine strafrechtliche Anklage gegen ihn erhoben werde. Mit den Vorgängen vertraute Personen und Behördenvertreter hätten ihm gesagt, dass eine Anklage höchst unwahrscheinlich sei. Er gehe aber davon aus, dass Hutchins' Ehemann eine Zivilklage einreichen werde. "Ich persönlich bin der Meinung, dass er Anspruch auf etwas hat", so Baldwin.

Zwei Crew-Mitglieder haben bereits Zivilklagen gegen Baldwin und die anderen "Rust"-Produzenten eingereicht. Sie werfen ihnen Fahrlässigkeit vor.

Laut Baldwin hat er sich für das Interview mit ABC entschieden, da eine Reihe von Fehlannahmen existierten, die er ansprechen wollte. Er glaube nicht warten zu können, bis die Ermittlungen der Polizei im Februar oder März abgeschlossen seien. 


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