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Alkoholismus: Robin Williams trinkt in bester Gesellschaft

Unter Druck greifen viele Hollywood-Stars immer wieder zur Flasche, manche öffentlich, andere im Verborgenen. Bei einigen Promis, wie nun Robin Williams, ist die erste Entziehungskur bereits so lange her, dass seine Alkoholsucht in Vergessenheit geriet.

Hollywood ist ein hartes Pflaster, besonders für Schauspieler. Kein Einkauf lässt sich ohne Kameras erledigen, jeder Arztbesuch wird öffentlich kommentiert, jedes Mittagessen analysiert. Und wenn sich die Nacht über die Stadt senkt und viele Prominente zu Partytieren mutieren, verwandeln sich Paparazzi in lästige Schmeißfliegen. Kaum ein Exzess entgeht den Fotografen, der Presse und damit auch der Öffentlichkeit. Der Druck, dennoch ein gewisses Image aufrecht zu erhalten, ist enorm. Da erstaunt es nicht, dass viele Prominente sich in Alkohol und Drogen flüchten. Manchmal ätzt die Sucht jahrelang im Verborgenen, andere können sie nur kurze Zeit geheim halten. Ein erstaunliches Bekenntnis lieferte nun der Schauspieler und Oscar-Preisträger Robin Williams, 55, ab: Er habe Alkoholprobleme und sich nun in Behandlung begeben. Zwanzig Jahre lang sei er trocken gewesen, erklärte seine Sprecherin, nun der Rückfall. Obwohl der Komiker Williams in den Achtzigern seine Kokain- und Alkoholsucht öffentlich gemacht hatte, kommt das Geständnis des Rückfalls überraschend. Doch der nette Filmarzt, -lehrer und -vater befindet sich in illustrer Gesellschaft.

Er kürzlich geriet Mel Gibson in die Schlagzeilen, als er betrunken Auto fuhr und die Polizisten, die ihn anhielten, auch noch mit antisemitischen Äußerungen beschimpfte. Wie Williams weiß auch Gibson von seiner Alkoholsucht, die Eskapade - noch beim Fahren hielt er eine Flasche in der Hand - war ein Rückfall nach mehreren Therapie-Versuchen. Es folgten ein öffentlicher Canossagang und viele Besserungsgelübde. Wie Gibson beteuert Williams Reue und Therapie. Er habe nun beschlossen, Initiativmaßnahmen zu ergreifen, ließ Williams die Öffentlichkeit wissen. "Er bittet darum, dass seine Privatsphäre und die seiner Familie in dieser Zeit respektiert werden", sagt seine Pressesprecherin. Schon im Herbst möchte er seine Arbeit wieder aufnehmen, immerhin sollen noch in diesem Jahr drei Filme mit ihm in die Kinos kommen - und für die muss der Schauspieler die Werbetrommel rühren.

Illustre Gesellschaft

Ein anderer erschreckender Fall von Alkoholmissbrauch wurde im Juli mit David Hasselhoff, 54, öffentlich: Der einstige Sänger und Schauspieler hatte die First-Class-Wartelounge in London/Heathrow lautstark lallend mit seinen Eheproblemen unterhalten. Der Zutritt in eine Passagiermaschine nach Los Angeles wurde ihm daraufhin verweigert. Erst als er etwas ausgenüchtert war, verfrachtete ihn das Personal in ein anderes Flugzeug - mit Sitzhilfe. Eine Entziehungskur hat Hasselhoff bereits hinter sich, dennoch dementierte seine Sprecherin einen Rückfall. Medikamente seien schuld gewesen am motorischen Ausfall des Darstellers. Dabei musste er einige Tage zuvor betrunken von den Wimbledon-Tennisplätzen geführt werden - und am Scheitern seiner Ehe gab Hasselhoff selbst seiner Trunksucht die Schuld: "Der Alkohol hat alles zerstört", sagte er der Zeitschrift "Das Neue Blatt".

Spektakulär, auch wegen der veröffentlichten Fotos, waren die Drogen-Eskapaden des Schauspielers Nick Nolte, 65. Wie Gibson wurde er beim Autofahren erwischt - vollgedröhnt mit Medikamenten und Beruhigungsmitteln fuhr er in der Nähe von Malibu Schlangenlinien. Wegen Autofahrens nach Medikamentenmissbrauch wurde Nolte zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt, zufällige Drogen- und Alkoholtests sowie ein Drogenentzugsprogramm gehörten zu den Auflagen. Dass all dies öffentlich geschah, legte Nolte positiv aus: "Mein Ziel ist es, nicht rückfällig zu werden und das ist eine Sache von täglicher Wachsamkeit", sagte der Schauspieler. Der Ärger mit dem Gesetz und der Medienrummel seien der Grund, warum er nun offener mit seinem Entzug umgehen könne. "Es gibt kein Versteck. Ich habe immer gesagt, dass ich ein Problem mit Drogen habe. Es ist etwas, mit dem du umgehen musst, du kannst es kontrollieren." Wenige Monate später fand Nolte sich allerdings wieder vor Gericht: Ein anonymer Anrufer hatte der Staatsanwaltschaft gemeldet, dass der Schauspieler Alkohol gekauft und sich dann betrunken ans Steuer gesetzt habe. Der Hollywoodstar räumte ein, Alkohol für Freunde gekauft zu haben, aber ohne selbst davon zu trinken - die Richter glaubten ihm.

Tipps unter Freunden

Ben Affleck, 32, brauchte offenbar einige Zeit, bis er 2001 sein Alkoholproblem erkannte. Erst trat er mit seinem Freund und Kollegen Matt Damon im Werbespot der US-Brauerei "Boston Beer Company" auf, wo beide ein Lager kippten. Kurze Zeit später begab er sich in die Promi-Reha-Klinik "Promises". Die Brauerei löschte das Foto vom trinkenden Affleck von ihrer Homepage und zog die TV-Spots zurück. Seit er eine Alkoholentziehungskur durchmache, wirke Afflecks Werbung für das beliebte Lagerbier "Samuel Adams" unpassend, entschied das Unternehmen. Da konnte Affleck von Glück reden, dass die Brauerei seine Entscheidung respektierte und ihm alles Gute für den Entzug wünschte. Den Tipp mit "Promises", wo der Aufenthalt pro Monat um die 35.000 Dollar kostet, hatte Affleck von seinem Kollegen Charlie Sheen, 41, bekommen: Auch der galt lange Zeit in Hollywood als party- und sexsüchtig. Zur selben Zeit wie Affleck weilte auch der Schauspieler Robert Downey Jr., 41, in dem Hospital - er ließ sich zum wiederholten Mal wegen seiner Drogenprobleme behandeln.

Mit Affleck erlebte Amerikas Show-Geschäft bereits den zweiten Alkoholsucht-Fall eines Superstars innerhalb weniger Wochen. Der Musiker A.J. McLean von der Pop-Gruppe Backstreet Boys hatte seine Fans im Juli mit der Mitteilung überrascht, dass er sich wegen schwerer Alkoholprobleme in eine geschlossene Anstalt begebe. Die Teenie-Band sagte deshalb Konzerte ihrer Welttournee ab. "Wir wollten die Sache nicht unter den Teppich kehren", hatte Band-Kollege Kevin Richardson damals erklärt. "Wir wollen ehrlich zu unseren Fans sein." Der damals 23-Jährige hatte die Initiative ergriffen und war auf seine Kollegen zugekommen: "Jungs, ich habe ein Problem, und ich brauche Hilfe".

Befürchtungen, die Backstreet Boys würden auseinanderbrechen, wiesen die Jungs damals noch zurück. "Ich glaube nicht, dass es ein Ende für diese Gruppe gibt, bevor einer von uns stirbt", sagte einer, dennoch ging man drei Jahre lang getrennter Wege, raffte sich erst 2005 zu einer mäßig erfolgreichen Comeback-Tour auf. McLean scheint bis heute trocken geblieben zu sein und man kann ihm dabei nur Glück wünschen. Seine älteren Kollegen, die ebenfalls eine Entziehungskur hinter sich haben, sollte er sich dabei nicht zum Vorbild nehmen.

Claudia Pientka