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Amy Winehouse: Leben im Exzess

Trauriges Ende einer großen Künstlerin: Am Samstag ist die Sängerin Amy Winehouse im Alter von nur 27 Jahren tot aufgefunden worden. Ganz überraschend kam die Nachricht indes nicht: Winehouse bekam ihre Drogenprobleme nicht in den Griff.

Von Carsten Heidböhmer

Am 14. September 1983 wird Amy Winehouse in London in einer jüdischen Mittelklassefamilie geboren. Ihr Vater Mitchell ist Taxifahrer, Mutter Janis Apothekerin. Als sie neun Jahre alt ist, trennen sich ihre Eltern. Bereits als Kind zeigt sie ihr musikalisches Talent. Mit 12 besucht sie die Sylvia Young Theatre School, eine Schule für britische Nachwuchskünstler. Im Alter von 15 Jahren nimmt Amy mit ihrer Freundin Juliette Ashby einen Song auf, mit 18 gibt es den ersten Plattenvertrag bei Island Records.

Die Plattenbosse haben sich nicht geirrt: Das Debütalbum "Frank" trifft den Nerv der Zeit: Allein in Großbritannien verkauft Winehouse 900.000 Exemplare. Auch die Kritiker jubeln: Die junge Künstlerin wird für zwei Brit Awards, den Ivor Novello Award und den renommierten Mercury Music Prize nominiert. Ihr zweites Album "Back to Black" macht Winehouse endgültig zum Superstar. Die Platte läutet eine weltweite Retro-Soul-Welle ein, auf der auch Stars wie Duffy und Adele schwimmen. In zahlreichen europäischen Ländern belegt "Back to Black" Platz 1 der Charts, darunter auch Deutschland und Großbritannien. In den USA schafft sie Platz 2. Für ihren Song "Love Is a Losing Game" erhält sie zudem den Ivor Novello Award, später heimst sie fünf Grammys ein.

Anfangs scheint Winehouse mit dem Ruhm gut zurecht zu kommen – auch privat läuft noch alles bestens. Im Mai 2007 heiratet sie Blake Fielder-Civil. Doch das Glück der beiden währt nur kurz : Noch im selben Jahr muss Fielder-Civil für mehrere Monate ins Gefängnis. Er soll es auch gewesen sein, der die junge Winehouse, die nun immer häufiger durch Alkohol- und Drogenexzesse auffällt, mit Crack und Heroin in Kontakt gebracht hat.

Genie und Wahnsinn

Doch trotz der privaten Probleme ist Amy Winehouse 2008 noch immer zu großartigen Auftritten fähig, wie im Februar bei den Brit Awards. Bei ihrem größten Triumph ist Vater Mitch an ihrer Seite: Bei der Verleihung der Grammy Awards erhält Amy im Februar 2008 fünf Preise in den Königskategorien Song des Jahres, Single des Jahres, Bester neuer Künstler, Beste weibliche Gesangsdarbietung Pop und Bestes Gesangsalbum Pop. Neben ihrer Gesangskarriere gelingt es Winehouse, sich als Sexsymbol und Fashion-Ikone zu vermarkten. Bei einer Chanel-Modenschau 2007 kopiert sogar Karl Lagerfeld ihren Stil: Die Models tragen Bienenkorb-Frisur und sind extravagant im Winehouse-Look geschminkt.

Doch dann nehmen Drogen und Alkohol überhand: Im Juli 2007 muss sie mehrere Festivaltermine absagen, im November selben Jahres alle weiteren, noch geplanten Auftritte. Nach mehreren Aufenthalten in Entzugskliniken versucht sie 2011 mit einer zwölftägige Europatournee ein Comeback – und scheitert an sich selbst: Beim Eröffnungskonzert in Belgrad betritt Winehouse dermaßen betrunken die Bühne, dass das Konzert nach wenigen Liedern abgebrochen werden muss. Es sollte ihr letzter öffentlicher Auftritt sein: Knapp einen Monat später wird Winehouse leblos in ihrer Londoner Wohnung aufgefunden. Sie wurde nur 27 Jahre alt.