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Anklage wegen Totschlags: Jackson-Arzt Murray plädiert auf "nicht schuldig"

Dass er Michael Jackson kurz vor dessen Tod das Narkosemittel Propofol gegeben hat, daraus macht Conrad Murray keinen Hehl. Doch den Vorwurf des Totschlags wies der Leibarzt des "King of Pop" vor Gericht zurück - und kam gegen Zahlung einer Kaution wieder auf freien Fuß.

Gut ein halbes Jahr nach dem Tod von Michael Jackson hat sein angeklagter Leibarzt die Vorwürfe vor Gericht zurückgewiesen. Der Kardiologe Conrad Murray plädierte am Montag (Ortszeit) zum Beginn seines Prozesses in Los Angeles auf "nicht schuldig". Der Arzt ist wegen Totschlages angeklagt, weil er Jackson starke Medikamente verschrieben hatte. Ihm drohen bis zu vier Jahren Gefängnis.

Murray hat zugegeben, dem an Schlafstörungen leidenden King of Pop kurz vor dessen Tod das Narkosemittel Propofol und andere Beruhigungsmittel verabreicht zu haben, um ihm zum Einschlafen zu verhelfen. Aber nichts von dem hätte Jackson töten dürfen, erklärte der Arzt. Die Anklage dagegen wirft ihm vor, "ohne die nötige Vorsicht und Umsicht" vorgegangen zu sein, als er Jackson Propofol verabreichte.

Gegen hohe Kaution auf freiem Fuß

Der 56-Jährige wurde zwar von Polizisten vorgeführt, musste aber keine Handschellen im Gerichtssaal tragen. Gegen eine Zahlung von 75.000 Dollar (54.600 Euro) Kaution kam er wieder auf freien Fuß. Das ist das Dreifache des Betrages, der normalerweise bei Totschlagsverdacht hinterlegt werden muss.

Der Arzt muss zwar zunächst nicht ins Gefängnis, darf aber nach Anordnung des Richters nicht mehr Medikamente wie in Jacksons Fall verschreiben. "Ich will nicht, dass Sie jemandem Beruhigungsmittel geben", sagte er. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wollen die kalifornischen Behörden die Zulassung Murrays entziehen. Dies würde sich aber nur auf den Bundesstaat auswirken.

Michael Jacksons Familie hat sich empört über die Anklage gegen Murray geäußert. Dass sich der Kardiologe nur wegen fahrlässiger Tötung verantworten müsse, sei ein "Schlag ins Gesicht", sagte Anwalt Brian Oxman dem "People Magazine". Der Arzt habe sich völlig "verantwortungslos" verhalten, ohne Achtung vor dem "menschlichen Leben". Jacksons Mutter bezeichnete Murray als "Monster".

Jacko-Clan spricht von Mord

Jacksons Familie, die ebenfalls im Gerichtssaal war, wiederholte ihren Mordvorwurf. Seine Schwester Latoya erklärte nach der Anhörung, sie glaube, dass ihr Bruder ermordet worden und nicht nur Murray an seinem Tod beteiligt gewesen sei. Sie werde bis zur Aufklärung weiterkämpfen. In einem Prozess dürften Experten mit Aussagen über den Einsatz von Propofol zu Wort kommen. Unter anderem muss geklärt werden, ob es sich um grobe Fahrlässigkeit handeln kann, wenn das Mittel in einem Privathaushalt verabreicht wird. Üblicherweise wird es in Krankenhäusern eingesetzt. Die nächste Anhörung ist für den 5. April geplant.

Murray war der Letzte, der Jackson lebend gesehen hatte. Er stand seit dem plötzlichen Tod am 25. Juni im Zentrum der Ermittlungen. Damals bereitete sich der 50-jährige Jackson auf eine Serie von Comeback-Konzerten in London vor. Der Mediziner schloss für die mit 150.000 Dollar dotierte Stelle bei Jackson seine Praxen in Houston und Las Vegas, um sich voll auf die Betreuung Jacksons zu konzentrieren und ihn auf Reisen zu begleiten. Am Montag kündigte Anwalt Ed Chernoff an, dass sein Mandant seine Praxen wiedereröffnen wolle.

APN / APN