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Antrag: Tatjana Gsell soll nicht hinter Gitter

Von der Alm auf die Anklagebank: Die Staatsanwaltschaft hat für die Millionenerbin Tatjana Gsell eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten gefordert. Das Urteil soll am Freitag verkündet werden.

Im Prozess gegen die Arztwitwe Tatjana Gsell hat der Staatsanwalt am Donnerstag eine Bewährungsstrafe von 18 Monaten gefordert. Außerdem soll die 33-Jährige an gemeinnützige Einrichtungen in Franken 40.000 Euro Geldbuße zahlen. Gsell hatte gegen einen Strafbefehl über 72.000 Euro wegen versuchten Versicherungsbetrugs und Vortäuschens einer Straftat Einspruch eingelegt. Ihre Verteidiger plädierten für eine Bewährungsstrafe von neun Monaten sowie eine "allenfalls symbolische Geldstrafe", da Gsell durch die Untersuchungshaft von sechs Monaten genug gebüßt habe. Das Urteil wird an diesem Freitag gesprochen.

Gsell und ihr Jugendfreund sollen im Januar 2003 an der Inszenierung eines Raubüberfalls auf ihren Ehemann Franz Gsell (76) beteiligt gewesen sein, um einen geplanten Versicherungsbetrug zu vertuschen. Bei dem fingierten Überfall wurde der 76-Jährige so schwer verletzt, dass er ins Krankenhaus gebracht werden musste. Dort war er zwei Monate später gestorben.

"Erzieherische Wirkung"

"Die Strafe soll auch bei Ihnen eine gewisse erzieherische Wirkung haben", sagte Oberstaatsanwalt Walter Knorr am Donnerstag am Nürnberger Amtsgericht. Er begründete seine Forderung mit Gsells Geständnis vor Gericht. "Sie haben sich zu Ihren Fehlern bekannt und sich diesem Verfahren gestellt", sagte Knorr. Er warf ihr aber vor, die Verliebtheit ihres Freundes, eines vom Dienst suspendierten und mitangeklagten Staatsanwalts aus Hof, ausgenutzt und ihn zur Mittäterschaft bewegt zu haben.

Für den Hofer Staatsanwalt beantragte Knorr eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten. An dessen Mittäterschaft gebe es keine Zweifel. Der Jurist hatte während der Ermittlungen gestanden, an dem fingierten Überfall beteiligt gewesen zu sein. Später widerrief er die Aussage. Knorr sagte, der 33-Jährige habe die Aussage nur widerrufen, weil er sich nicht eingestehen wolle, dass er so dumm gewesen war, seine Karriere aufs Spiel zu setzen. Der Verteidiger des 33-Jährigen forderte Freispruch. Die Ermittler hätten nicht nachweisen können, dass sein Mandant an der Tat beteiligt gewesen war.

DPA / DPA
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