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Aristoteles Onassis: Reicher Mann ganz arm

Der griechische Nationalheld Aristoteles Onassis ist heute vor 100 Jahren geboren worden. Vom Hotelpagen schaffte er den Aufstieg zum reichsten Mann Griechenlands. Sein Privatleben war weniger erfolgreich.

"Ein reicher Mann ist oft nur ein armer Mann mit sehr viel Geld." Mit diesem Spruch soll der legendäre griechische Reeder-Tycoon, Aristoteles Onassis, einmal sein Leben einem griechischen Journalisten beschrieben haben. Der Ausspruch erwies sich als richtig: Genau 100 Jahre nach der Geburt von Aristoteles Sokrates Homer Onassis am 15. Januar 1906, liegen er, sein 1973 verunglückter Sohn Alexander und seine 1988 unter mysteriösen Umständen verstorbene Tochter Christina in Gräbern auf seiner Privatinsel Skorpios im Ionischen Meer im Westen Griechenlands. "Es lag und liegt ein Fluch über dieser Familie", urteilte die griechische Boulevardpresse.

Der letzte Familienspross, seine Enkelin Athina Onassis-Roussel, spricht kaum griechisch und besucht selten ihr Heimatland, das Onassis, solange er lebte, nie vergaß und in das er immer wieder zurückkehrte, um sich vom Stress seines anstrengenden Lebens zu erholen.

"Ich hatte nur 60 Dollar"

Alles begann in der kleinasiatischen Stadt Smyrna (heute Izmir). Nach einem griechisch-türkischen Krieg mussten 1922 hunderttausende Griechen fliehen. Unter den Migranten war auch der damals 16-jährige Onassis, Sohn eines Tabakhändlers. Seine Flucht führte ihn nach Argentinien. "Ich hatte nur 60 US-Dollar", betonte er später immer wieder. In Buenos Aires schlug er sich zunächst als Hotelpage und Telefonist durch. Er lernte Spanisch und andere Sprachen.

Sein unternehmerischer Geist hob ihn von der Masse ab. Schnell verdiente er als Händler nebenbei seine ersten 100.000 US-Dollar. Er importierte Tabak aus Griechenland nach Argentinien. Es folgte die Wirtschaftskrise 1929. Onassis Gespür für das, was gefragt ist, erwies sich als genial: Er kaufte zu niedrigen Preisen einige Frachter einer insolventen Reederei. "Billig kaufen und teuer verkaufen", war seitdem sein Motto. Eine Wahlfangflotte wurde schnell gekauft und danach wieder an Japaner verkauft.

1954 folgte der Durchbruch: undurchsichtige Kontakte und Freundschaften verschafften ihm eine einmalige Vereinbarung mit dem Königshaus Saudi Arabiens: Onassis übernahm exklusiv die Öl- Transporte des Landes. Er hatte sich rechtzeitig die damals wegen des enorm steigenden Ölkonsums im Westen benötigten Tanker gekauft. Mit dem damit eingenommenen Geld kaufte er sich Kasinos in Monte Carlo und Banken in Genf und gründete die Fluglinie Olympic Airways.

Leben mit Athina war die Hölle

Turbulent war auch sein Privatleben. Geschickt verstand er es, Privates und Geschäftliches zu verbinden. 1946 heiratete er Athina Tina Livanos, eine der Töchter der damals erfolgreichsten griechischen Reederfamilie der Livanos. Sie bekamen zwei Kinder - Alexander (1948) und Christina (1950). Das Leben mit Athina Tina Livanos war die Hölle, schrieb damals die griechische Presse. So hatte Onassis eine Affäre mit der griechischen Sopranistin Maria Callas. Tina Livanos ließ sich scheiden. Wenige Jahre später nahm sie sich das Leben.

1968 sorgte Onassis wieder weltweit für Schlagzeilen, als er Jackie Kennedy, die Witwe des 1963 ermordeten US-amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy, heiratete. Unvergessen sind noch heute die Aufnahmen vom verliebten Onassis mit Jackie in einem kleinen Segelboot. Aber die Ehe dauerte nicht lange. Für einige Millionen US- Dollar, die in die Tasche Jackies wanderten, ließen sie sich scheiden. Im Januar 1973 wendete sich endgültig das Blatt für Aristoteles Onassis und seine Familie. Sein Sohn Alexander stürzte mit einem kleinen Flugzeug ab und starb. "Seitdem war er ein anderer Mensch", sagten seine engen Mitarbeiter. Er war nachdenklich geworden und lachte fast nie

Herzkrankenhaus als letzte Erinnerung

Er gründete die Alexander Onassis Stiftung in Athen, die jungen Menschen mit Stipendien hilft und sich für die Kulturförderung in Griechenland einsetzt. Diese Stiftung ist zusammen mit einem Herzkrankenhaus in Athen das, was von der Legende der Onassis übrig geblieben ist. Onassis starb zwei Jahre später am 15. März 1975 in Paris an einer Lungenentzündung. 1988 starb nach vier unglücklichen Ehen seine Tochter Christina in Buenos Aires an einer Überdosis Schlafmitteln. Trotz oder gerade wegen seines wechselvollen Lebens wird Onassis in Griechenland als eine Art Nationalheld verehrt.

Takis Tsafos/DPA / DPA