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Auslandsadoption Es geht nicht um die Eltern


Zwei Mal schon hat Madonna ein Kind aus Malawi adoptiert. Für Normalsterbliche ist das nicht so einfach. Denn Adoptionen, auch im Ausland, unterliegen strengen Gesetzen. Zum Wohl des Kindes.
Von Carsten Heidböhmer

"Wenn jemand wie Madonna ein solches Waisenkind adoptiert, dann ist das ein Mund weniger, den wir füttern müssen", sagt die Frauenministerin von Malawi zu dem Ansinnen das Popstars Madonna, ein Kind zu adoptieren. Doch so einfach ist die Sachlage nicht: Adoption ist an strenge Gesetze gebunden.

Wer als "Normalsterblicher" in Deutschland ein Kind adoptieren will, für den gelten vor allem lange Wartezeiten. Auf zehn Elternpaare kommt ein zur Adoption freigegebenes Kind. Kein Wunder, dass sich viele Paare im Ausland umsehen: In vielen außereuropäischen Ländern ist die Situation genau umgekehrt: Es gibt deutlich mehr Kinder ohne ein Zuhause als adoptionswillige Eltern. Die Regierungen dieser Länder sind also froh über potenzielle Väter und Mütter aus Europa und unterstützen diese durch adoptionsfreundliche Gesetze.

Deutschland hat als einer von 50 Staaten das Haager Übereinkommen zur Auslandsadoption ratifiziert. 28 weitere Staaten sind dem beigetreten. Dieses Abkommen orientiert sich in erster Linie am Kindeswohl und soll Kindeshandel verhindern. Der grundlegende Ausgangspunkt ist nicht etwa - wie im Fall Madonna -, dass jemand das für seine Bedürfnisse "passende" Kind findet. Sondern genau umgekehrt sollen die richtigen Eltern für ein Kind gesucht werden. Das soll vermeiden, dass Männer und Frauen durch Waisenhäuser laufen und sich wie aus einem Versandhauskatalog Kinder aussuchen und am besten gleich mitnehmen.

Sozialbericht prüft Eltern auf Herz und Nieren

Will ein deutsches Paar ein Kind im Ausland adoptieren, muss es sich an eine staatlich anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle oder an das jeweilige Landesjugendamt wenden. Dort werden die Paare von Sozialarbeitern oder von staatlich lizensierten Adoptionsagenturen im Rahmen eines Sozialberichts gründlich auf ihre Eignung als Adoptiveltern geprüft: Sind sie in der Lage, ein Kind großzuziehen? Haben sie einen festen Job? Wie steht es um die Einkommensverhältnisse? Und ist die Wohnung groß genug?

Auch in Zeiten von Patchwork-Familie und Homo-Ehe ist es bei Adoption immer noch zwingend notwendig, dass ein Mann und eine Frau miteinander verheiratet sind. In einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft zusammenzuleben, reicht nicht aus. Wie stern.de aus Kreisen des Justizministeriums erfuhr, könnte diese strenge Vorgabe in Zukunft jedoch ein wenig dem liberalen Zeitgeist angepasst werden.

Des Weiteren sollte ein Ehepartner mindestens 25, der andere über 21 Jahre alt sein. Eine Altersobergrenze gibt es nicht. Allerdings empfiehlt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter dass nicht mehr als 40 Jahre Altersabstand zwischen Kind und potenziellen Eltern liegen sollten. Beide Elternteile müssen unbeschränkt geschäftsfähig sein, das heißt, es darf keine schwere geistige Behinderung oder Suchtkrankheit vorliegen.

Mit oder ohne Haager Abkommen

Fällt der Sozialbericht positiv aus, wendet sich die Vermittlungsstelle an eine Organisation oder die zuständigen Behörden in dem gewünschten Herkunftsland. Wenn sich ein Kind findet, für das die Antragssteller als Eltern geeignet wären, erhalten diese einen Vorschlag. Entscheiden sie sich für das Kind, wird die Adoption in die Wege geleitet.

Anders verhält sich die Angelegenheit, wenn das Herkunftsland des Kindes das Haager Abkommen nicht unterzeichnet hat. Dann ist das Einverständnis beider Staaten vom Gesetz her nicht notwendig. In diesem Fall kann sich ein Paar oder sogar eine Einzelperson an eine private Adoptionsagentur wenden - und die hilft dann unter Umgehung der strengen internationalen Richtlinien bei der Kindessuche. Das muss nicht grundsätzlich schlecht sein, dennoch gibt es bei diesem Verfahren keine staatliche Instanz mehr, die gewährleistet, dass das Kindeswohl im Vordergrund steht.

Dass es in Deutschland überhaupt erlaubt ist, Kinder aus Ländern zu adoptieren, die das Haager Abkommen nicht ratifiziert haben, mag zunächst irritieren. Schließlich wird damit ein Schlupfloch geschaffen, wie die strengen Vorgaben unterlaufen werden können. Andererseits muss jeder ausländische Adoptionsbeschluss von einem deutschen Vormundschaftsgericht bestätigt werden. Die Adoptionswilligen werden somit letztlich doch auf Eignung geprüft.

Homosexuelle und Singles sind raus

So sieht es auch das Bundesfamilienministerium. Auf Anfrage von stern.de heißt es: Deutsche, die ein Kind adoptieren wollen, müssten sich "einem Eignungstest des Jugendamtes unterziehen, das auch einen Sozialbericht über das Paar verfasst. Diese Anforderungen gelten für jedes Adoptionsverfahren, auch für Auslandsadoptionen und unabhängig vom Den Haager Abkommen." Und weiter: "Die deutschen Behörden können keinen Staat der Welt zwingen, einem internationalen Abkommen beizutreten. Es wird Adoptiveltern jedoch ans Herz gelegt, sich an seriöse Adoptionsagenturen und Mitgliedsstaaten des Abkommens zu wenden, um sicherzustellen, dass bei der Adoption alles mit rechten Dingen zugeht." Denn: Sollte einer privaten Auslandsadoption von einem deutschen Vormundschaftsgericht die nachträgliche Anerkennung verwehrt werden, kann es für das Kind übel ausgehen: Wurde es aus einem afrikanischen Waisenhaus nach Deutschland geholt, könnte es im schlimmsten Falle in einem deutschen Waisenhaus landen.


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