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Ein Superstar teilt aus Barbra Streisand wettert gegen Clinton, Trump und Hollywood


Als Sängerin, Filmstar und Regisseurin hat die Streisand längst den Hollywood-Olymp erreicht. Vielleicht auch deshalb schreckt sie nicht davor zurück, ihre Meinung unverblümt auszusprechen - wie jetzt in Los Angeles.
Von Andreas Renner, Los Angeles

Barbra Streisand verkaufte im Laufe ihrer Gesangskarriere weltweit mehr als 245 Millionen Alben. Sie ist die einzige Künstlerin, die in den vergangenen sechs Jahrzehnten jeweils mit mindestens einem Album an der Spitze der amerikanischen Charts landete. Auch als Schauspielerin gewann sie alles, was es zu gewinnen gibt: Oscar, Golden Globe, Emmys. Und mit ihrer "Streisand Foundation" förderte die gebürtige New Yorkerin seit 1986 rund 800 Organisationen mit mehr als 25 Millionen Dollar an Spenden. Grund genug für die Vereinigung "Women in Entertainment" die Streisand mit dem jährlich vergebenen "Sherry Lansing Award" für ihr Lebenswerk auszuzeichnen. Der Preis wurde ihr am Mittwoch während einer Gala in Los Angeles vom Kollegen Robert Redford verliehen.

Streisand nutzte die Gunst der Stunde, um sich einiges von der Leber zu reden, was sie offenbar schon lange beschäftigte. Die Künstlerin konnte sich einen Seitenhieb gegen die männliche Dominanz in Hollywood nicht verkneifen und kritisierte die Doppelstandards, die man häufig ansetze in der Filmindustrie. Sie spielte damit auch auf ihre Rolle als Regisseurin von Filmen wie "Yentl" an, mit dem sie bereits 1983 auf das ungleiche Rollenverhältnis von Mann und Frau in der Gesellschaft aufmerksam machen wollte. In "Yentl" spielt Streisand eine Frau, die sich als Mann verkleiden muss, um den Talmud studieren zu können.

Bei Frauen werden einfach andere Standards angesetzt

"Damals wie heute frage ich mich: warum werden Frauen noch immer wie zweitklassige Bürger behandelt? Warum werden ihre Meinungen nicht respektiert?", sagt Streisand gegenüber dem Hollywood Reporter. Die 73-Jährige ist auch der Meinung, dass sie in Hollywood als Regisseurin nie richtig ernst genommen wurde. Obwohl Filme wie "Yentl" oder auch "Herr der Gezeiten" mit Oscar-Nominierungen überhäuft wurden, kam sie nie in die engere Wahl für die Auszeichnung als Filmemacherin. "Bei Frauen werden einfach andere Standards angesetzt. Die Arbeit der Männer gilt als engagiert, Frauen unterstellt man schnell mal, sie seien besessen."

Seit vielen Jahren engagiert sich Streisand auch auf politischer Ebene, sammelte über die Jahrzehnte zig Millionen Dollar für zumeist demokratische Präsidentschafts- und Gouverneurskandidaten. Auch den aktuellen Präsidentschaftswahlkampf verfolgt Streisand täglich gespannt: "Ich höre im Auto keine Musik sondern nur politische Sendungen", verrät sie. Von Hillary Clinton war sie anfangs weniger überzeugt als heute: "Sie war ein bisschen steif und schien sich unbehaglich zu fühlen in ihrer Rolle. Sie hat anfangs alles nur vom Teleprompter abgelesen bei ihren Reden. Das ließ sie ziemlich holperig rüberkommen. Frauen versuchen oftmals Männer zu imitieren, dabei ist es besser die volle Kraft des Feminismus zu nutzen." Mittlerweile aber sieht Streisand die Präsidentschaftskandidatin mit anderen Augen, "sie ist toll und hat ihre eigene Stimme gefunden."

"Wir müssen Leute wählen, die Verstand haben"

Über den Kandidaten Donald Trump hat Streisand weniger schmeichelhaftes zu sagen, "er ist komisch und erzählt immer wieder die gleichen Dinge", findet sie. "Wenn ich ihm zuhöre, denke ich: das kann nicht sein. Aber es ist real. Wir Frauen stellen 52 Prozent der Bevölkerung, wir müssen wählen gehen. Und wir müssen Leute wählen, die Verstand haben, Erfahrung und die sich artikulieren können." 


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