Bodyguards Stars gehen immer öfter ohne


Paris Hilton geht ohne, Brad Pitt auch: Bodyguards sind plötzlich out bei den Stars in Hollywood. Nicht, weil sie weniger Angst hätten, belästigt zu werden. Sondern, weil sie einen Imagewandel vollziehen wollen - zumindest zum Schein.
Von Frank Siering, L.A.

Brad Pitt holt seine beiden Kinder Pax Thien und Zahara allein vom Kindergarten in Prag ab. Johnny Depp wandert mit Partnerin Vanessa Paradis und Töchterchen Lily-Rose ohne Bodyguards und große Gefolgschaft an der Themse entlang. Und Jennifer Aniston kauft sich ganz züchtig ein Business-Class-Ticket im Reisebuero und stellt sich brav in der Schlange an, um ihren Pass am Flughafen zu präsentieren. Die Stars werden normal. Keine Entourage mehr im Schlepptau, kaum noch Extrawürste und Sonderforderungen der Superlative. Selbst die Los Angeles Times muss feststellen: "Die Celebrity Posse scheint passé zu sein." Das einstige Statussymbol von Macht und Einfluss in Hollywood, auf einmal wie weggeblasen. Selbst Pseudo-Promis wie Jessica Simpson oder Paris Hilton schlendern ohne den zwei Meter Schatten im Vordergrund über den Rodeo Drive. Als habe praktisch über Nacht das Sandmännchen den Movie- und Musiksternchen den Egostaub aus den Augen gewischt.

Alles nur ein Image-Gag?

Warum aber der plötzliche Wandel? Was ist wirklich passiert? Kritiker vermuten nichts weiter als eine neue Image-Offensive. Die einen nennen es den "Angelina-Jolie-Effekt", die anderen sind direkter. "Jeder Möchtegern-Promi heuert heute einen Bodyguard an. Der wirkliche Celebrity macht jetzt auf Understatement", sagt Harvey Levin, Chefredakteur der Internet-Klatsch-Site "TMZ.com". Levin im Gespräch mit der "L.A. Times" weiter: "Es gibt zwei Arten von Promis. Da sind die Posh-Spice-Typen, die von allen um sich herum auf Händen getragen werden wollen. Und dann gibt es die Tom-Hanks-Typen. Jene, die genau wissen, dass echte Stars sich nicht wie solche aufführen müssen." Jolie ist tatsächlich diejenige, obwohl sie es selbst wahrscheinlich gar nicht weiß, die diesen neuen "Anti-Entourage-Trend" ausgelöst hat. Sie verkörpert das neue Authentizitäts-Image in Hollywood, "back to the roots" nennen das die Amerikaner. Ein Star, der sich selbst um seine Kinder kümmert, der die Einkaufstüten auch mal eigenhändig zum Auto schleppt und eine gewisse Normalität verkörpert. "Genau das kommt im Moment an in Hollywood", sagt Bonnie Fuller, Direktor von American Media. Und weiter: "Auf einmal wird es wie ein Verdienstorden herumgetragen, dieses Image von 'Schaut her, ich bin so wie ihr'." Beispiele gibt es genug. Jennifer Garner und Ben Affleck, Jodie Foster, Julia Roberts. Extravaganz war einst der ständige Begleiter dieser Multimillionäre. Ließ sich "People Person" (Eigenwerbung) Affleck doch zu Zeiten, da er noch mit Jennifer Lopez Zungenhockey spielte, gerne von einem Fahrer im Bentley zum Stylisten chauffieren. Oder Julia Roberts - lange Zeit war sie bekannt dafür, dass sie statt einer, gleich drei Limousinen zum Hotel bestellte, um die Paparazzos fehlzuleiten.

Stars hautnah kommen an

"Angelina Jolie lässt andere Stars, die sich pampern lassen, schlecht aussehen, weil sie scheinbar mühelos alles selbst macht und nebenbei noch die Welt verbessert. "Sie ist so ein bisschen die neue Übermutter Theresa in Hollywood", erzählt Courtney Hazlett vom "OK Magazine". Das kommt an, das bringt Sympathien. Und Sympathien übersetzen sich in Tinseltown meist direkt in neue Jobs und somit auch neue Millionen auf dem Konto. Natürlich gibt es auch heute noch die berühmten Ausnahmen. Matthew McConaughey machte unlängst Schlagzeilen als herauskam, dass der Bongo-Master auf dem Set von Megaflop "Sahara" einen Personal-Fitnesstrainer für 68.000 Dollar angefordert hatte, dazu dann noch einen persönlichen Koch für rund 49.000 Dollar. Kollegin Penelope Cruz, auch ein Star, der in jüngster Zeit immer wieder davon faselt, ein "ganz normales Leben" zu führen, ließ ihren Hairstylisten für 135.500 Dollar und einen "Dialog-Coach" für 125.800 Dollar einfliegen.

Keine Extrawurst für Stars - von wegen

"Es ist natürlich nur ein Spiel mit dem öffentlichen Image", glaubt Levin. Die Fans sollen glauben, dass der Superstar keine Extrawürste bekommt. Hinter den Kulissen sieht es dann meist anders aus. Schade nur, wenn diese Geheimnisse dann doch nach draußen dringen. So wie unlängst bei Lindsay Lohan passiert. Das Starlett ließ eine eilige Pressemitteilung herausgeben, dass sie ihre Fehler der Vergangenheit erkannt habe und sich deshalb jetzt in professionelle und helfende Hände begeben werde. Übersetzt: Huhu, ich mach' jetzt Entzug. Der Applaus der ahnungslosen Untertanen folgte sogleich. Bis herauskam, dass die kleine verwöhnte Lindsay auch in der Rhea dann doch nicht so ganz ohne Entourage konnte. Die Maniküre-Dame, der Stylist, ein Massage-Therapeut und ein Friseur mussten auf Anweisung vom Lohan-Lager gleich mit einchecken. Da war's dann gleich wieder vorbei mit der Imagekorrektur.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker