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Boris Becker bei RTL: Der Hochzeits-Terrorist

Am Freitag heiraten Boris Becker und Lilly Kerssenberg. Kaum einer ist in den nächsten Tagen vor dem becker'schen Hochzeits-Terror sicher. Die Rechte an dem Medienspektakel wurden teuer verkauft: Bei RTL wird die Romantik zu Grabe getragen. Die Bum-Bum-Becker-Soap spart nicht an Kitsch, Klischees und Kicherwasser.

Von Katharina Miklis

In welcher Welt lebt eigentlich Boris Becker? Da kann man sich noch so viele Folgen seiner Selbstinszenierungs-Soap "Boris-TV" anschauen. Oder seine Hochzeitsvorbereitungen bei RTL verfolgen. Die Welt des 41-jährigen Ex-Tennisprofis ist unergründlich. Wo hört die Soap auf? Wo fängt das Leben an? Am kommenden Freitag heiratet Boris Becker die 32-jährige Lilly Kerssenberg vor laufenden TV-Kameras in St. Moritz. Das kann niemandem entgangen sein, der Zeitung liest, fern sieht oder einen Internetzugang hat. In Kooperation mit der "Bild"-Zeitung und RTL schlachtet Becker mit extremen Selbstdarstellungsdrang seine zweite Hochzeit bis zum schwindelig werden aus. Dort, wo "Bild" oder RTL nicht dabei sein können, filmen Braut Lilly oder Ego-Shooter Becker selbst und stellen es auf seiner medialen Resterampe Boris.Becker.tv ins Netz.

Die Hochzeit ist von vorne bis hinten vermarktet und verkauft. Nachdem schon die Verlobung im Fernsehen, auf Thomas Gottschalks "Wetten dass..?"-Couch verkündet wurde, hat der in den letzten Jahren durch Erfolglosigkeit auffallende Geschäftsmann Becker die TV-Exklusivrechte an den Privatsender RTL verkauft. Das People-Magazin "OK!" darf als erstes die Hochzeitsfotos drucken.

MTV-Single-Show oder das wahre Leben?

Die erste Folge der einstündigen RTL-"Exclusiv"-Spezialausgabe unter dem Titel "Vorteil Becker - Boris' Traumhochzeit in St. Moritz" war der Auftakt des becker'schen Hochzeits-Terrors. Pärchentests, Modenschau, verliebtes Kichern... Doch das ist keine MTV-Single-Soap, sondern das wahre Leben. Das des Boris Becker. Um von den Belanglosigkeiten, die sich im Interview mit Moderatorin Frauke Ludowig ergeben, abzulenken, jettet RTL mit dem aufdringlich verliebten Paar durch die High-Society-Welt. In Zürich wird ein Edeljuwelier besucht, in einer Pariser Boutique Brautkleider ausprobiert. Dass sich Lilly Kerssenberg ihr Brautkleid von Edel-Designerin Carolina Herrera schneidern lässt, steht zwar schon fest, doch was wäre eine Hochzeits-Soap ohne die typischen Szenen aus der Umkleidekabine eines Brautgeschäfts. Natürlich muss auch der Eifelturm bestiegen werden. Genauso wie in Monaco am Bug einer Yacht die "Titanic"-Szene nachgespielt werden muss. RTL-Romantik ist einfach, aber wirksam. Boris und Lilly schauen ganz verliebt. Es scheint echt zu sein. Bei der Fülle gestellter Romantik-Szenen ist es allerdings schwer zwischen echten und inszenierten Gefühlen zu unterscheiden.

In Monaco stellt sich das Paar dem RTL-Pärchentest, der aus Fragen besteht wie: "Was ist Lillys Lieblingssong?". Boris weiß es. Lilly zum Glück auch. Test bestanden. In Baar in der Schweiz darf Becker seinen Arbeitsplatz zeigen. Das scheint ihm wichtig zu sein. Schon bei der Präsentation seines Video-Portals "Boris-TV" betonte er, was für ein eifriger Geschäftsmann er sei. Je häufiger er sich als solcher zu erklären versucht, desto weniger nimmt man ihm das ab. Was er denn den ganzen Tag so mache, wird er gefragt. "Verwalten, managen, besprechen", sagt der Mann, der mit Vorliebe per SMS Beziehungen beendet.

Bum-Bum-Becker-Soap

Zwischen diesen skurrilen, selbstgefälligen Szenen sieht man Ludowig, Becker und Kerssenberg immer wieder Prosecco trinkend beim "großen Liebesinterview" in St. Moritz. Ehevertrag? Gibt es. Ex-Verlobte Sandy Meyer-Wölden? Kein Thema mehr. Becker darf das Drehbuch schreiben. Was wird gefragt und wie weit darf nachgebohrt werden. Das hier ist seine große Show. Die Bum-Bum-Becker-Soap. Eines betonen Becker und Kerssenberg dann jedoch gerne ausführlich und immer wieder: Vorbei die Zeiten der Besenkammern und SMS-Affären. Man habe sich gefunden und sei jetzt endlich angekommen. Der Zuschauer fragt sich, wo? Bei derartiger Ausschlachtung des Privatlebens vermutlich ganz unten.