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Boris Beckers Hochzeit: Viel Bum Bum um nichts

Boris und Lilly Becker platzten fast vor Glück - und RTL hatte das Nachsehen. Da sich das Paar ausgiebig in Gefühls-Exhibitionismus übte, blieb für die Hochzeitsverwurstung des Senders nicht mehr viel übrig. Für viel Geld gab's am Ende nur Promi-Peanuts.

Von Katharina Miklis

Mit der Exklusivität ist es so eine Sache. Es ist ja nicht so, dass Boris Becker und Lilly nicht alles versucht hätten, lästige Paparazzi fern zu halten. Große, blaue Regenschirme sollten die "verkaufte Braut" bei der Promi-Hochzeit des Jahres am Freitag in St. Moritz vor neugierigen Blicken schützen. Schließlich waren die Exklusivrechte an RTL und das People-Magazin "Ok!" Magazin verkauft. Boris Becker wäre jedoch nicht Boris Becker, wenn er am Ende nicht bereitwillig Eitelkeit über Verträge siegen lassen würde.

Meine Braut, mein Maybach, mein Ring - Understatement ist nicht Beckers Köngisdisziplin. Nur so ist es zu erklären, dass nach der standesamtlichen Trauung die Frischvermählten die Schirme einklappten und mit ihrem Liebesglück vor den Kameras der Fotografen protzen, die aus aller Welt in das mondäne Örtchen in der Schweiz gereist waren. Bei einem Becker haben Paparazzi leichtes Spiel - Exklusivrechte hin oder her.

Bobbele ist für alle da

Nirgendwo war man an diesem Wochenende vor der zur Schau gestellten Liebe der Beckers sicher. Die Fotos vom Brautpaar gingen um die Welt. Bei RTL warb man rund um die Uhr und sogar in Nachrichtensendungen für das "Exklusiv Spezial" zur Märchenhochzeit. Doch schon bevor die Sendung mit dem Titel "Vorteil Becker" am Sonntagabend ausgestrahlt wurde, konnte sich der Klatsch-und-Tratsch-Konsument bestens informieren.

Das Brautkleid war schon auf diversen Paparazzifotos zu sehen - ein schulterfreies Kleid in Muscheloptik von Carolina Herrera. Ebenso kannte man die Gästeliste. Von Bohlens Ex bis Jan Ulrich - alle waren sie gekommen, um sich ein Stück von der Prestige-Torte abzuschneiden. Man hatte von den Tränen der Braut gelesen, wusste, dass sie vor dem Standesamt nach einem Glas Wodka verlangte und dass Marion Kiechle, die Lebensgefährtin von Marcel Reif, den Brautstrauß gefangen hatte. Auch der erste Auftritt des Ehepaares Becker am Tag danach beim Frühstücksbrunch war exklusiv - für alle.

Bei der Klatschzeitung, die vor der Promi-Hochzeit mit exklusiven Fotos "von der Zeremonie, den Gästen, der Party, der Brautkleidanprobe und der Hochzeitssuite" warb, dürfte man sich nicht ganz so stark über das zur Schau gestellte Glück der Beckers freuen. Die Druckauflage hat der Verlag extra um 100.000 auf 400.000 erhöht. Dank Beckers Gefühls-Exhibitionismus dürfte man nun schlimmsten Falls auf dem einen oder anderen Heftchen sitzen bleiben.

Bei RTL konnte man am Sonntagabend auch nicht mehr viel Neues verkünden, was man nicht schon durch etwa den "Bild.de"-Liveticker oder in anderen Medien, die teilweise Korrespondenten in St. Moritz stationiert hatten, erfahren hatte. Die ganze Aufregung, die um die "verkaufte Hochzeit" gemacht wurde - letztendlich nur für ein bisschen Alpenpanorama und das Schaulaufen der Stars, die sich selbst feiern. Immerhin konnte der Sender mit der zweiten Sondersendung "Vorteil Becker" bessere Quoten vermelden, als in der vergangenen Woche. 4,60 Millionen Zuschauer gaben sich am Sonntag die Überdosis Becker. Jedoch: Einzige Neuigkeiten mit Exklusivrecht für RTL war der Mückenstich von Mariella Ahrens Gräfin von Faber-Castell auf dem linken Augenlid und ein Hochzeitsversprechen des zigarrepaffenden Marcel Reif, dessen VIP-Wert sich allerdings in Grenzen hält.

Auch RTL-Reporterin Frauke Ludowig, eher Gast als Berichterstatterin, konnte trotz tiefgründiger Fragen ("Wie geht es euch? Habt ihr geweint?") keine exklusiven Offenbarungen aus dem Brautpaar herausquetschen, das in den letzten Wochen einfach schon alles gesagt und alles gezeigt hatte. Etwas überfordert von der selbst verursachten Dauerpräsenz in den Medien schienen Boris und Lilly beinahe erleichtert über das anstehende Ende der Becker-Soap.

Das Motto: Ihr wollt es doch auch

Das gibt dann auch Boris Becker in seiner Rede auf der Party im "Badrutt's Palace" Hotel zu. Ganz schön präsent sei er in den vergangenen Wochen in den Medien gewesen, sagt er, und es klingt beinahe vorwurfsvoll. Und ganz schön viel Wind sei um ihn gemacht worden. Dass er derjenige war, der ihn geblasen hatte, mit seinem Web-TV-Kanal und Kooperationen mit "Bild", RTL und "OK!", erzählt er nicht. Frei nach dem Motto "Ihr wollt es doch auch" hatte er sich aufgedrängt und versucht jetzt, seine Präsenz mit der Gier der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. "In den nächsten Monaten werdet ihr erstmal nichts mehr von uns hören", verkündete der Frischvermählte feierlich. Mal sehen, wie lange er das durchhält.