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Britischer Ermittlungsbericht: Diana könnte noch am Leben sein

Der Sicherheitsgurt hätte Dianas Leben retten können. Zu diesem Ergebnis kommt Scotland Yard in seinem Abschlussbericht zum Tod der Prinzessin. Auch mit allen Verschwörungstheorien räumen die Briten auf. Nicht jeder will das akzeptieren.

Es ist ein Bericht von 832 Seiten. 16 lange Kapitel, in denen der ehemalige Scotland-Yard-Chef John Stevens mehr als 20.000 Dokumente und rund 400 Zeugenbefragungen bis ins Detail zusammengefasst hat. Und die schrecklich profane Erkenntnis? Prinzessin Diana, die Ex-Frau des britischen Thronfolgers Prinz Charles und die Mutter seiner beiden Söhne William und Harry, könnte noch am Leben sein - wenn sie sich in jener schicksalhaften Nacht des 31. August 1997 bei der Fahrt durch Paris auf der Rückbank ihrer schwarzen Mercedes-Limousine nur angeschnallt hätte.

"Hätte sie ihren Sicherheitsgurt getragen, wäre sie vielleicht nicht tot", lautet das Urteil von Lord Stevens. Aber dem war nicht so. Diana (36) hatte ebenso wie Dodi Al Fayed (42) an ihrer Seite auf den Gurt verzichtet. Und deshalb musste sich der ehemals ranghöchste britische Polizist drei Jahre lang mit der Frage beschäftigen, ob die "Prinzessin der Herzen" und ihr letzter Begleiter einem ganz gewöhnlichen Verkehrsunfall zum Opfer fielen oder möglicherweise doch das Opfer eines finsteren Geheimdienst-Komplottes wurden.

"Das war ein tragischer Unfall"

Seine lang erwartete Antwort auf diese Frage trug der Chef- Ermittler am Donnerstag in einem Londoner Konferenzzentrum vor, das den Namen von Dianas einstiger Schwiegermutter Queen Elizabeth II. trägt. Aber eigentlich waren all seine wichtigen Schlussfolgerungen durch eine Vielzahl von Vorab-Veröffentlichungen längst bekannt. "Es gab keine Mordverschwörung. Das war ein tragischer Unfall." Zum gleichen Ergebnis kamen auch schon die französischen Kollegen.

Bei der Gelegenheit räumte Baron Stevens of Kirkwhelpington, wie der 65-Jährige seit der Erhebung in den Adelsstand offiziell heißt, auch noch mit einer Reihe von anderen Behauptungen der Verschwörungs- Theoretiker auf. Nein, Diana war nicht schwanger. Nein, Diana und Dodi waren nicht verlobt. Und nein, die Blut- und DNA-Proben des französischen Fahrers Henri Paul seien auch nicht nachträglich gestohlen und vertauscht worden.

Denn auch wenn Stevens sich mit Schuldzuweisungen äußerst zurückhielt: Der Bericht spricht eine klare Sprache. Die Hauptschuld dafür, dass der Mercedes 280 S in der Stunde nach Mitternacht auf den 13. Pfeiler des Straßentunnels an der Pont de l'Alma prallte, tragen weder irgendwelche Geheimdienste noch die Paparazzi, die das prominenteste Paar jenes Sommers seit der Abfahrt vom "Ritz"-Hotel verfolgten, sondern Henri Paul. Der Franzose hatte 1,74 Promille intus. Zusammen mit einigen Medikamenten und überhöhtem Tempo ergab dies einen tödlichen Cocktail.

Dodis Vater glaubt weiter an Mord

Wer gehofft hatte, dass der Bericht den Verschwörungstheorien ein Ende setzen könnte, musste sich aber gleich eines Besseren belehren lassen. Der oberste Verschwörungstheoretiker, Dodis Vater Mohammed Al Fayed, legte unverzüglich nach. Der Besitzer des Londoner "Harrods"- Kaufhauses warf Stevens vor, zum Gehilfen der Geheimdienste MI5 und MI6 geworden zu sein. 18 "Schlüsselzeugen" seien überhaupt nicht befragt worden. Er vermutet weiterhin einen Komplott des britischen Establishments, das eine Hochzeit zwischen Diana und Dodi angeblich mit allen Mitteln verhindern wollte.

Gelegenheiten, seine Vorwürfe zu wiederholen, wird der Multi- Millionär in den nächsten Monaten viele haben. Im Januar beginnen in London die gerichtlichen Anhörungen zu dem Fall. Auf Drängen Al Fayeds finden sie öffentlich statt. Im Sommer jährt sich dann der Todestag zum zehnten Mal - und wer glauben sollte, dass es Al Fayed bei einem großen Popkonzert und einem Gedenkgottesdienst bewenden lässt, der dürfte sich täuschen.

Christoph Sator/DPA / DPA