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Brustamputation: Ärztin gibt Einblick in Jolies Krankenakte

Familie, Fans, Freunde - fast jeder hat sich schon zu der doppelten Brustamputation von Schauspielerin Angelina Jolie geäußert. Jetzt veröffentlichte ihre Chirurgin Details über die Behandlung.

Von Julia Kepenek

Brad Pitt nannte ihre Entscheidung "absolut heroisch", Jon Voight äußerte "Bewunderung" und Kylie Minogue dankte Angelina Jolie für ihren Artikel. Es ist viel geäußert, kommentiert und getwittert worden, seit die Schauspielerin in einem Gastbeitrag für die Zeitung "New York Times" ihre doppelte Brustamputation öffentlich gemacht hat. Nur eine schwieg bisher: Jolies behandelnde Ärztin. Das ist nun auch vorbei. Kristi Funk, Leiterin des "Pink Lotus Breast Center" im noblen Beverly Hills, veröffentlichte auf der Internetseite der Klinik einen Beitrag, in dem sie Details von Jolies dreimonatiger Behandlung schildert.

Demnach erschien die Schauspielerin am 2. Februar zu ihrer ersten Operation in der Klinik in Los Angeles. An Jolies Seite: Lebensgefährte Brad Pitt. "Er hielt ihre Hand und war an ihrer Seite, als Jolie aus der Narkose aufwachte", schreibt Funk. Auch bei allen weiteren Operationen habe Pitt seine Verlobte begleitet.

Am 16. Februar fand dann der zentrale Eingriff statt: In einer achtstündigen OP wurde Jolie aus beiden Brüsten das Gewebe entfernt. Gleichzeitig begann die Rekonstruktion mit Implantaten. Funk lässt kein Detail aus. Sie beschreibt, dass Jolies Haut nach dem Eingriff mehrere blaue Flecken aufwies, dass sich das Gewebe um ihre Brustwarzen normal nachbildete und dass das entfernte Gewebe gutartig war.

Ärztin lobt Jolies positive Einstellung

Vier Tage nach der Mastektomie besuchte Funk Jolie dann zuhause. "Sie war bester Laune und voller Energie", schreibt die Chirurgin. An den Wänden ihres Hauses befanden sich Pinnwände, die mit Notizen für ihr nächstes Regieprojekt versehen waren. "Während wir uns unterhielten, hingen sechs Drainagen von ihrer Brust herab, drei auf jeder Seite, mit einem elastischen Gürtel an ihrer Taille befestigt." Jolie selbst hatte in ihrem "New York Times"-Artikel geschrieben: "Du wachst auf und hast Kanülen und Expander in deinen Brüsten. Es fühlt sich an wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film. Aber einige Tage nach dem Eingriff kannst du zu deinem normalen Leben zurückkehren."

Jolies finale Operation wurde schließlich am 27. April durchgeführt. Das wichtigste für eine schnelle Genesung, schreibt Funk in ihrem Blog, sei eine positive Einstellung. Und Jolie habe den Willen gehabt fit und aktiv zu sein. Zwischen den Operationen habe sie hart gearbeitet.

Viel Lob - aber auch kritische Stimmen

Nach Bekanntwerden der Amputation fielen die Reaktionen mehrheitlich positiv aus. Jolie wurde für ihren Mut gelobt und als Vorbild gefeiert. Doch inzwischen mehren sich kritische Stimmen. Jolie sei ein "Sonderfall", schreibt etwa die amerikanische Brustchirurgin und Bestsellerautorin Susan Love in der "New York Times". Gleichzeitig warnt sie vor voreiliger Nachahmung.

Denn so unkompliziert wie Angelina Jolie und nun ihre Ärztin das Prozedere schildern, ist eine Mastektomie nicht. Jolie redet von "kleinen Narben", davon, dass sie während der Behandlung ganz normal weiterarbeiten und mit ihren Kindern Ausflüge habe machen können. Für viele Experten und Betroffene ist das eine Verharmlosung. Was mit einem vielbeachteten Artikel in der "New York Times" begann, bekommt nach Funks Veröffentlichung nun einen etwas fahlen Beigeschmack: Die Chirurgin klärt nicht nur die Öffentlichkeit auf, sondern macht auch Werbung für ihre Klinik.