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Kredite seit 2001: Der tiefe Schuldensumpf des Boris Becker

Seid umschlungen, Millionen: In atemberaubender Geschwindigkeit ließ sich Boris Becker Kredite auszahlen. Seit 2001 benötigte er immer neue Millionenbeträge, wie jetzt aus Gerichtsunterlagen hervorgeht. Sie offenbaren das finanzielle Desaster.

Boris Becker: Das aufregende Leben eines deutschen Tennisstars

Boris Becker ist derzeit ein gefragter Mann. Jeden Morgen verlässt er seine Villa im vornehmen Londoner Stadtteil Wimbledon, fährt wenige hundert Meter mit dem Auto in die Church Road, stellt den Wagen dort auf dem Parkplatz ab und bleibt meist bis spät in die Nacht. Drinnen, im All England Club, plaudert er abwechselnd mit John McEnroe, Martina Navrátilová und BBC-Moderatorin Sue Barker. Das Thema: Tennis. Genauer gesagt die All England Championships in Wimbledon. Becker kommentiert fürs britische Fernsehen das Spiel seines ehemaligen Schützlings Novak Djokovic oder erzählt heitere Anekdoten von damals, als er vor nunmehr 32 Jahren zum ersten Mal Wimbledon gewann. Hier ist er nicht Pleite-Boris, sondern nach wie vor Bum-Bum-Boris, der Tennisheld.

Ein Londoner Gericht hatte den 49-Jährigen vor wenigen Wochen für "bankrott" erklärt, weil er angeblich einer Zahlungsaufforderung einer Bank nicht nachgekommen sei. Seitdem dreht sich das Schuldenkarussell des Tennisstars immer schneller. Seinem ehemaligen Freund und Gönner Hans-Dieter Cleven soll er über 36 Millionen Euro schulden, von denen dieser jetzt zehn Millionen zurückforderte. Zu Unrecht, behauptete Becker. Eine Entscheidung des Schweizer Kantonsgericht Zug bestätigt das zumindest teilweise. Es liege keine rechtmäßige Kündigung vor, deshalb müsse Becker die Forderung nicht begleichen. Vorerst.

Becker lieh sich fast jedes Jahr neue Millionenbeträge

Denn die Gerichtsunterlagen, aus denen die Zeitung "Die Welt" zitiert, offenbaren das ganze Ausmaß des finanziellen Desasters von Boris Becker. Demnach plagten den jüngsten Wimbledon-Sieger aller Zeiten nach seinem Karriereende 1999 immer größere Geldsorgen. Am 13. Dezember 2001 erhielt er die erste Finanzspritze von Cleven. Becker bekam ein Darlehen in Höhe von 2,5 Millionen D-Mark. "Die Rückzahlung sollte aus Vergütungen, welche der Beklagte aus dem Vertrag mit AOL erwartete, oder - falls diese ausbleiben sollte - quartalsweise in vier Raten ab 1. Juli 2002 erfolgen“, zitiert die Zeitung aus dem Urteil des Kantonsgericht Zug vom 26. Juni.

Doch es kam anders. Nachdem Becker 2001 von seiner Ex-Frau Barbara geschieden wurde, nahm er weitere Kredite seines Freundes in Anspruch. Am 13. Juni 2002 wanderten 5,5 Millionen Euro auf die Konten der Tennis-Legende. Doch statt Rückzahlungen stiegen die Verbindlichkeiten immer weiter. Cleven erhöhte den Kreditrahmen. Ende 2003 erst auf 6,1 Millionen Euro, ein Jahr später auf 8,9 Millionen, 2005 auf 13,1 Millionen, 2006 auf 15,8 Millionen und Ende 2007 schließlich auf die schon stattliche Summe von 18,2 Millionen Euro.

Ehemaliger Geschäftspartner macht gegenüber Boris Becker Forderungen in Höhe von über 40 Millionen Schweizer Franken geltend

Kredite wachsen zu riesigem Schuldenberg

Tilgungen gab es offenbar nicht oder so gut wie nicht. "Während dieser Zeit hat Becker offenbar nie einen Cent zurückgezahlt", schreibt "Die Welt". Stattdessen leistete er sich ein Luxusleben auf Pump. Bis 30. September 2013 wuchs der Kredit auf unglaubliche 36,13 Millionen Euro an. Ein riesiger Schuldenberg. Wie Becker diese Summe jemals zurückzahlen wollte? Darüber geben die Gerichtsakten keinen Aufschluss. Jedoch soll Becker sämtliche Vermögenswerte inklusive der Villa auf Mallorca an Cleven verpfändet haben.

180 Millionen Euro soll Becker in seiner Zeit als Tennisprofi verdient haben. Er behauptet, allen Verbindlichkeiten nachkommen zu können. Das Urteil des Kantonsgerichts verschafft Becker zumindest eine Verschnaufpause zur Klärung seiner Finanzen. Wenn am 16. Juli die All England Championships in Wimbledon vorbei sind, könnten ihm schwere Zeiten bevorstehen. 

Nach Trennung von Lilly Becker: Boris Becker: Seine Erfolge, seine Frauen, seine Finanzen
Lilly und Boris Becker

Boris Becker und seine Frau Lilly Becker haben sich nach 13 Jahren Beziehung getrennt. Das bestätigte ein Anwalt der beiden in einem Schreiben. "Frau und Herrn Becker ist diese gemeinsame Entscheidung nach über 13 Jahren Beziehung und über 9 Ehejahren nicht leichtgefallen", heißt es in der Erklärung. "Am wichtigsten ist beiden Mandanten das Wohlergehen des gemeinsamen Sohnes Amadeus." 

AFP


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