Diana-Dokumentation Viel Rummel um die Zeugen im Tunnel


Die Aufregung war groß: Bilder der toten Diana sollte der Sender Channel4 in seiner Dokumentation über die Nacht des Unfalls zeigen. Ihre Söhne William und Harry protestierten. Doch die Sendung wurde unverändert ausgestrahlt. Und alles entpuppte sich als viel Wind um nichts.
Von Cornelia Fuchs, London

Die Empörung der Prinzen William und Harry ist zu verstehen, wühlt doch die Dokumentation "Diana: Die Zeugen im Tunnel" ganz bewusst in der Erinnerung dieser tragischen Nacht am 31. August 1997, als Diana in einem schwarzen Mercedes schwer verunglückte und starb. Die Prinzen Harry und William hatten verlauten lassen, diese Sendung zeige "große Respektlosigkeit" und erzeuge für sie "große seelische Schmerzen". Doch der Appell verhallte ungehört. Channel4 berief sich auf das öffentliche Interesse und die journalistische Pflicht der Dokumentation. Zu groß war schon die Aufmerksamkeit für eine TV-Reportage, die eigentlich nichts Neues erzählt.

Provokation und Grenzwertigkeit

Seit Wochen hatten die königstreuen britischen Boulevardblätter Channel4 der Leichenfledderei an der Rose Englands beschuldigt und schürten so langsam eine weltweite Medienaufmerksamkeit - willkommener Zunder für den Fernsehsender. Der ist bekannt dafür, dass er gerne Schlagzeilen provoziert und häufig bis an die Grenze des guten Geschmacks geht - so brach Channel4 als erster das ungeschriebene Gesetz, keinen penetrativen Sex im britischen Fernsehen zu zeigen. Auf der anderen Seite ist gerade die Dokumentations-Abteilung für sehr gute, investigative Reportagen bekannt, in den vergangenen Wochen zeigten sie beispielsweise Sendungen über die Situation von Frauen in Afghanistan nach Erstarken der Taliban und über Korruption in britischen Gefängnissen. Außerdem finanziert Channel4Films seit Jahrzehnten britische Filme, darunter "The Crying Game", "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" und "Trainspotting". Unter den britischen Fernsehsender ist Channel4 häufig das aufsässige Kind, in Aufmerksamkeit und journalistischem Können oft nur kurz hinter der BBC.

Was war zu sehen?

Was war nun genau zu sehen in der umstrittenen Dokumentation über die Zeugen im Tunnel? Es waren Aufnahmen des kaputten Mercedes, seiner abgefallenen Stoßstange, des Nummernschildes und der zerstörten Autotür. Dann gab es ein grau-körniges Foto, das den Arzt Frédéric Mailliez zeigte, der zufällig an der Unfallstelle war und Diana als erster mit Sauerstoff versorgte. Dieses Bild wird fast eine Minute gezeigt, die Kamera zoomt hinein und hinaus. Die Stelle, wo Dianas Kopf zu sehen sein muss, ist mit einem großen grauen Rechteck ausgeblendet. Noch mehrere Bilder sind zu sehen, die Helfer zeigen und Polizisten, die sich um das Auto scharen und Schaulustige sowie die Fotografen abdrängen. Die britische Zeitung "Guardian" schreibt über deren Qualität: "Es scheint, als ob sie von einem Menschen mit einem Etch-a-Sketch auf einem Rollercoaster gemalt wurden."

Das einzige Bild, das Ansätze von Dianas Haaren auf dem Rücksitz zeigt, ist in Farbe. Und es wurde bereits von der "Bild"-Zeitung in Deutschland veröffentlicht, wie Channel4 durch eine Bildunterschrift verkündet. Auch hier zoomt die Kamera in das Bild hinein, bis nur noch Körner zu erkennen sind.

Die Macher hatten ihr Programm von Anfang an als "ausgeglichene, nüchterne und vertrauenswürdige Analyse" der Geschehnisse dieser tragischen Nacht bezeichnet. Julian Bellamy, verantwortlich für das Fernsehprogramm von Channel4, sagte: "Dies ist unserer Meinung nach eine legitime Medienanalyse von Ereignissen, die Dinge von großem, öffentlichen Interesse ansprechen, auch wenn sie unvermeidlicherweise persönlich verstörend sein können. Diese Dinge sind und waren Subjekt ausführlicher und ständiger weltweiter Artikel und Kommentare und werden es in Zukunft sein."

Der zehnte Todestag

Wie Recht er hat. Die Dokumentation, so Channel4, ist ausgezogen, um den Ruf der Fotografen zu retten, die an diesem Abend anwesend waren und zunächst als Schuldige am Tod der Prinzessin galten. In der Trauer-Hysterie wurde oft vergessen, dass die Prinzessin nicht nur Opfer dieser Männer war, sondern sie oftmals auch zu sich gerufen hat. Schon längst sind diese Fotografen - nicht alle Papparazzi, übrigens - jedoch von dem Vorwurf befreit, sie hätten alleine Schuld an dem Unfall. Dazu brauchte es die neue Channel4-Dokumentation gar nicht. Schon der Untersuchungsbericht kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem die Trunkenheit Henri Pauls die tragischen Ereignisse herbeiführte. Und wenn Diana einen Sicherheitsgurt getragen hätte, wäre sie wahrscheinlich noch immer am Leben.

Die Dokumentation deckt also nichts Neues auf und zeigt schon gar nichts Neues. Sie zeigt jedoch etwas Anderes: Der Mediensommer vor dem zehnjährigen Gedenktag des tragischen Todes Dianas hat gerade erst begonnen. Und das Interesse am Schicksal der Prinzessin der Herzen scheint immer noch groß zu sein.


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