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Die Grimaldis: Der Fürst lässt bitten

Seit einem Jahr regiert Albert II. in Monaco - und versucht, die Grimaldis aus den Schlagzeilen zu halten. Der Fotograf Gérard Rancinan aber durfte nun Bilder von ungewöhnlicher Privatheit machen.

Von Virginie Luc

Kennen gelernt hat sie ihn auf einem Flug zum Nordpol: Im Auftrag der französischen Illustrierten "Paris Match" begleitete die Reporterin Virginie Luc vor drei Monaten Fürst Albert auf einer einwöchigen Expedition in die Arktis. Der Fürst fasste Vertrauen zu der Journalistin und stimmte zu, später für ein ausführliches Interview zur Verfügung zu stehen. Das fand Ende Mai in seinem privaten Appartement in Monaco statt. In dem hellen Wohnzimmer, umgeben von Porträts der Mutter und mit Blick aufs Mittelmeer, sprachen Virginie Luc und Albert eine gute Stunde über die Regentschaft und das Privatleben des Fürsten. Dabei auch Gérard Rancinan. Der 53-Jährige fotografierte nur mit zwei kleinen Leica-Sucherkameras, die ihm eine unaufdringliche Nähe erlauben. So entstanden bei insgesamt drei Anlässen Bilder von großer Vertrautheit. Luc beschreibt den Regenten als zurückhaltenden Mann, der eine Weile brauchte, um sich ihr im Gespräch zu öffnen. Die 40-jährige Journalistin schreibt regelmäßig für "Paris Match", hat aber auch schon für die "New York Times" und den stern gearbeitet.

Fürst Albert, vor einem Jahr haben Sie offiziell die Nachfolge Ihres Vaters angetreten. Ein schweres Erbe?

Mein Vater hatte mich von meiner Geburt an auf diese Rolle vorbereitet. Ich habe stets die Werte respektiert, die mir meine Eltern vermittelt haben. Vor allem, mich um meine Mitmenschen zu kümmern. Daher versuche ich, Macht so auszuüben, wie ich es von ihnen gelernt habe: mit Güte und Autorität. Meine Mutter lehrte mich, meine Gefühle auszudrücken. Sie war außerordentlich großzügig und geduldig. Sie hatte immer Zeit für andere, ihre bloße Anwesenheit inspirierte mich. Die Erinnerung an ihr Lächeln ist eine Quelle der Gelassenheit für mich. Dass ich zwei Kulturen angehöre - der europäischen über meinen Vater, der amerikanischen über meine Mutter -, hat mir geholfen, eine natürliche Offenheit anderen gegenüber zu bewahren. Mein Vater war autoritär, impulsiv und rigoros, trotz allem war er ein sensibler Mann mit großartiger, intuitiver Kraft. Er hat mir eine sehr wichtige Sache beigebracht: Autorität ist etwas Gutes, aber Macht kann gefährlich sein.

Fürst Rainier II. wurde der "builder prince" genannt, weil er der Bauherr war, der Monaco zu Größe gebracht hat. Welches Attribut hätten Sie gern?

Warum wollen die Leute immer irrelevante Analogien ziehen? Die Situation hat sich verändert. Während der Regentschaft meines Vaters lag der Fokus in den Sechzigern auf wirtschaftlichem Wachstum und Entwicklung. Meine Herausforderung ist, das Land langfristig umzuwandeln. Mir ist es nicht wichtig, noch mehr, noch höhere Wolkenkratzer zu bauen. Heute müssen wir uns ernsthafte Fragen stellen über die Art, wie wir leben und mit unserer Umwelt umgehen. Die Entwicklung des Staates Monaco - genau wie die Entwicklung anderer Staaten - muss aus einer frischen Perspektive angegangen werden: Die menschlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Faktoren müssen Priorität haben. Ich werde schon jetzt kritisiert für mein Projekt, Land vom Meer zurückzugewinnen...

Sie planen, eine künstliche Insel vor Monte Carlo zu errichten, die per Brücke mit dem Festland verbunden ist.

Das Projekt, so heißt es, sei entweder zu klein, zu groß oder nicht grandios genug. Mir wird vorgeworfen, nicht ehrgeizig genug zu sein. Es ist unglaublich. Das Problem in unserer modernen Gesellschaft ist, dass Leute alles wollen - und zwar sofort. Das ist der große Vorteil eines monarchischen Systems: Zeit ist kein Thema. Ich denke langfristig.

Aber ist die Monarchie im 21. Jahrhundert nicht veraltet?

Es ist möglich, in einer Monarchie Macht demokratisch auszuüben, indem man Autorität statt Zwang anwendet und Wert auf Beratung und Austausch legt. Auch wenn ich allein entscheide, ist jeder Beschluss das Resultat einer Diskussion, eines Austausches. Ich werde mich immer daran erinnern, wie Marcel Pagnol das Prinzip fürstlicher Herrschaft beschrieben hat: "Ein Land, in dem die Autorität eines Menschen die Freiheit aller garantiert."

Wie sehr schmerzt es Sie, dass die Medien sich so intensiv für Ihr Privatleben interessieren?

Ich habe mir über die Jahre hinweg eine Art Schutzschicht zugelegt. Aber es ist wahr, dass manche Geschichten - und ich lese alle Zeitungen - mich sehr treffen. Besonders, wenn sie unwahr sind.

Im Juli 2005 war zu lesen, Sie hätten einen Sohn: Alexandre, heute knapp drei. Kürzlich hieß es, Sie hätten eine 14-jährige Tochter: Jazmin Grace Rotolo. Warum haben Sie die Existenz Ihrer Kinder so lange geheim gehalten?

Nicht öffentlich über sie zu sprechen ist nicht das Gleiche, wie sie zu ignorieren. Die Tatsache, dass ich mich über sie nicht geäußert habe, war kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Ja, ich habe zwei uneheliche Kinder. Ich habe sie anerkannt, und ich werde mich immer um ihr Wohl kümmern. Aber das betrifft mein Privatleben. Ich muss keine Geständnisse machen, keine öffentlichen Erklärungen abgeben.

Bereuen Sie gewisse Episoden Ihres Lebens?

Ich lebe harmonisch mit den Menschen um mich herum, das ist die Hauptsache. Am wichtigsten ist mir, dass sie sich auf meine Zuneigung für sie verlassen können. Was ich beschützen muss, ist ihre Freiheit.

Ihre unehelichen Kinder werden nicht als Mitglieder der monegassischen Fürstenfamilie anerkannt. Es muss doch schwer zu ertragen sein, "Kinder des Schattens" genannt zu werden.

Nur weil ich sie vor der Neugier der Medien beschütze, heißt das nicht, dass sie Kinder des Schattens sind. Aus meiner persönlichen Erfahrung weiß ich, dass ich diejenigen, die mir nahe stehen, beschützen muss. Ich selbst musste immer unter der kritischen Beobachtung von Menschen leben, die nicht zu meinem persönlichen Umfeld gehören - was ohne Zweifel der härteste Teil meines Jobs ist. Das möchte ich niemandem sonst zumuten.

Zuletzt sah man Sie häufig - auch öffentlich - mit der südafrikanischen Schwimmerin Charlene Wittstock. Planen Sie zu heiraten?

Ja, ich werde heiraten. Auch wenn die ideale Frau nicht existiert! (Er lächelt) Was mir wichtig ist: gleiche Interessen zu haben, eine ähnliche Sensibilität zu spüren. Liebe ist keine Wissenschaft. Das macht ja auch ihren Charme aus. Aber ich lasse mich nicht von den Medien in die Ehe hetzen. Ich verstehe nur schwer, warum die Öffentlichkeit sich so sehr für mein Privatleben interessiert.

Ihre Familienplanung ist nun mal ein öffentliches Thema, da ja ein Thronfolger für Sie gebraucht wird. Gibt es keinen - ehelichen - männlichen Erben, fiele die Macht an Ihre Schwestern und deren Kinder, namentlich an Prinzessin Caroline und ihren ältesten Sohn Andrea.

Auch wenn ich schon 48 bin, möchte ich keine hastige Entscheidung treffen. Alles braucht seine Zeit, und ich werde eine Familie gründen, wenn die Zeit dafür reif ist. Und, ehrlich gesagt: Es gibt wirklich wichtigere Dinge auf der Welt!

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