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Franjo Pooth: Zu viele Neugierige bei Geheimverhör

Pleitier Franjo Pooth sollte von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft vernommen werden. In aller Stille, abseits der Öffentlichkeit. Doch das Geheimverhör musste kurzfristig abgesagt werden. Grund: Zu viele Neugierige hatten das Gebäude belagert.

Von Anna Baumbach

Eigentlich hätte es jetzt ernst werden sollen für Franjo Pooth. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wollte den Mann von Werbestar Verona Pooth wegen des Verdachts der Bestechung und Insolvenzverschleppung vernehmen. Doch nun wurde das Verhör überraschend abgesagt. Als Grund nannte die Staatsanwaltschaft die wartenden Journalisten.

Ort und Zeit der Vernehmung hätten eigentlich geheim bleiben sollen, dennoch war der Termin in der Montagsausgabe vieler großer Boulevardblätter zu lesen. "Eine große Menge Fotografen hat vor dem Gebäude der Staatsanwaltschaft gewartet", wie Staatsanwalt Johannes Mocken stern.de auf Nachfrage bestätigte. Daraufhin sei die Vernehmung abgesagt worden.

Zuvor hatte sich Pooth über die angeblich falsche Berichterstattung über seinen Fall empört. Er kündigte an, presserechtlich gegen die Berichterstattung der "Bild"-Zeitung vorzugehen. In den vergangenen Tagen waren Meldungen aufgetaucht, denen zufolge Pooth angeblich Firmengelder unterschlagen und Geld auf geheime Konten in Liechtenstein und Luxemburg geschafft habe. "Ich muss mich dagegen wehren, dass in den einzelnen Medien wirklich komische Sachen berichtet wurden, die nicht wahr waren", sagte Franjo Pooth im Interview mit dem Fernsehsender RTL. "So war ich zu keinem Zeitpunkt in Luxemburg oder Liechtenstein, und es gab und gibt dort auch keine 'geheimen' oder sonstigen Konten", so der 38-Jährige. Die Berichte seien unsachlich und würden seinem Ansehen erheblich schaden.

Rückhalt durch Verona

Am vergangenen Donnerstag holte er zum medialen Gegenschlag aus und präsentierte sich mit Ehefrau Verona und Söhnchen San Diego als eine Familie, die zusammenhält. "Die Familie ist mein einziger Rückhalt im Moment", erklärte Franjo Pooth im Fernsehinterview. "Die einzige Zeit, wo ich wirklich runterkomme und das verarbeiten kann, was ich tagtäglich erlebe, ist bei meiner Familie." Ehefrau Verona gebe ihm den größten Rückhalt.

Und die verteidigt ihren Mann: "Diese Schlagzeilen in dieser Form, die haben ja keine Grenzen mehr", empörte sich die 40-Jährige. "Ich weiß, dass Franjo kein Verbrecher ist und keine kriminellen Eigenschaften hat oder irgendwas gemacht hat, sondern er ist einfach Unternehmer."

Vernehmung wird zeitnah nachgeholt

Pooth war Anfang des Jahres wegen der Pleite seiner Elektronikfirma Maxfield ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Seit Februar wird gegen ihn wegen des Verdachts der Insolvenzverschleppung und der Bestechung ermittelt. Weil er offenbar auch bei den Steuern trickste, erstattete Pooth Selbstanzeige beim Finanzamt. Nach der Pleite von Pooths Firma fordern 461 Gläubiger von dem Unternehmer rund 27 Millionen Euro zurück. Die meisten werden wohl nur einen Bruchteil davon bekommen.

Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf plant nun eine neue Vernehmung. "Wir wollen zeitnah einen neuen Termin finden", sagte Staatsanwalt Mocken. "Doch diesmal wird der Termin und der Ort hoffentlich geheim bleiben."